«One Battle After Another» räumt bei Golden Globes ab
Der bissige Politthriller «One Battle After Another» ist der große Gewinner bei den Golden Globes. Hollywood-Megastar Timothée Chalamet freut sich nach vielen Nominierungen über seinen ersten Preis.
Los Angeles (dpa) - «One Battle After Another» ist der große Gewinner der Golden Globes. Der schräge, schwarzhumorige Politthriller von Regisseur Paul Thomas Anderson räumte bei der Verleihung in der Nacht zu Montag vier Trophäen ab.
Der fast dreistündige Film holte den Top-Globe als beste Komödie, für Regie, für das beste Drehbuch und für Nebendarstellerin Teyana Taylor. Mit neun Nominierungen war «One Battle After Another» als Favorit ins Rennen gezogen. Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio gewann aber nicht.
Erster Globe für Timothée Chalamet
Über seine erste Globe-Trophäe freute sich hingegen Timothée Chalamet (30). Er erhielt den Preis in der Sparte bester Hauptdarsteller in einer Komödie/Musical für seine Rolle als ambitionierter Tischtennisspieler in der Tragikomödie «Marty Supreme». Auf der Bühne zeigte sich der Schauspieler sichtlich dankbar dafür, mit seiner fünften Globe-Nominierung auch endlich eine Trophäe zu gewinnen.
In der Drama-Sparte setzte sich «Hamnet» von Regisseurin Chloé Zhao als bestes Filmdrama unter anderem gegen «Frankenstein», «Ein einfacher Unfall» und «Sentimental Value» durch. Die irische Schauspielerin Jessie Buckley, die in «Hamnet» die Frau von William Shakespeare spielt, die gemeinsam den Tod ihres Sohnes Hamnet verarbeiten müssen, gewann mit ihrer bewegenden Darstellung ihren ersten Golden Globe.
Wenige klar politische Statements
Globe-Moderatorin Nikki Glaser eröffnete die 83. Trophäenshow mit der sarkastischen Bemerkung, die Gala sei «die wichtigste Sache, die gerade in der Welt passiert» - und sie holte auch noch mit Blick auf geschwärzte Seiten in den Ermittlungsakten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gegen die Trump-Regierung aus: «Und der Golden Globe für den besten Schnitt geht an das Justizministerium», spottete Glaser.
Kaum jemand nutze die Bühne ansonsten für politische Reden und scharfen Protest. Einige Preisträger mahnten in ihren Dankesreden an, Gutes zu tun und seinen Überzeugungen zu folgen, aber schärfere Statements wurden bei der über dreistündigen Show nicht laut. Einige Stars, darunter Mark Ruffalo und Jean Smart, trugen Anstecker mit der Aufschrift «Ice Out» oder «Be Good», als Protest gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE - ein Beamter hatte die US-Amerikanerin Renee Nicole Good bei einem Einsatz im US-Bundesstaat Minnesota erschossen.
«One Battle After Another» als politischer Kommentar
Doch der Hauptgewinner des Abends spricht mit politischer Brisanz für sich. Mit einem Star-Aufgebot rund um Leonardo DiCaprio, Sean Penn und Teyana Taylor erzählt Anderson die Geschichte militanter linker Aktivisten, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen.
In einer autoritären, von Rassisten geprägten Gesellschaft machen sie gegen Abtreibungsverbote mobil und fordern freie Grenzen. Die Satire wirkt manchmal wie ein Echtzeit-Kommentar zum Amerika des Donald Trump.
Skarsgård und Moura gewinnen Preise
Der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård holte den Preis als bester Nebendarsteller. Der 74-Jährige überzeugte in dem Familiendrama «Sentimental Value» des Norwegers Joachim Trier in der Rolle eines Vaters, der von seinen Töchtern entfremdet ist. Er habe sich für zu alt gehalten, um zu gewinnen, witzelte der sichtlich überraschte Skarsgård in seiner Dankesrede. Er sei froh darüber, dass ein kleiner norwegischer Film ohne ein großes Budget diese Aufmerksamkeit bekomme.
Der Brasilianer Wagner Moura holte den Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama mit seiner Rolle in dem Thriller «The Secret Agent». Der brasilianische Film von Regisseur Kleber Mendonça Filho über einen Akademiker, der in den 1970er Jahren während der Militärdiktatur verfolgt wird, gewann auch den Golden Globe als bester nicht-englischsprachiger Film.
Deutsche gehen leer aus
Das Drama «In die Sonne schauen» der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski hatte es nicht auf die Nominiertenliste geschafft. Der Film um vier jungen Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf einem Bauernhof in der Altmark leben, ist Deutschlands Kandidat für die 98. Oscar-Verleihung im März.
Deutsche Hoffnungen wurden bei den Golden Globes diesmal enttäuscht. Chancen hatten Filmkomponist Hans Zimmer (68) mit seiner Musik für den Rennsportfilm «F1» und der in Deutschland geborene britische Komponist Max Richter (59) mit seiner Untermalung des Dramas «Hamnet». Doch der Globe für die beste Filmmusik ging an den Schweden Ludwig Göransson für den Soundtrack des Films «Blood & Sinners».
Auch Preise für TV-Produktionen
Bei den Golden Globes geht es nicht nur um Film, sondern auch um Fernsehen und Streaming. Haushoher Gewinner unter den Fernsehproduktionen war die Netflix-Serie «Adolescence». Die in einer einzigen Einstellung erzählte Geschichte einer Mordermittlung unter Jugendlichen gewann als «beste Miniserie». Zudem sahnten die Schauspieler Stephen Graham, Owen Cooper und Erin Doherty jeweils eine Trophäe ab.
Großes Staraufgebot
Die Verleiher der Golden Globes preisen ihre Trophäenshow gerne als «Hollywoods Party des Jahres». Tatsächlich lockte die über dreistündige Gala viele Stars an. Ariana Grande lief in einer eleganten schwarzen Robe über den roten Teppich, Kate Hudson glänzte in Silber, Jennifer Lawrence zeigte reichlich nackte Haut. Auch George Clooney in Begleitung von Ehefrau Amal und Selena Gomez gemeinsam mit Benny Blanco waren unter den vielen Filmschaffenden und Stars, die an Fotografen vorbeiflanierten.
Vorgeschmack auf die Oscars?
Mit dem Globe-Sieg dürften «One Battle After Another» und «Hamnet» nun ihre Oscar-Chancen weiter verbessert haben. Die Abstimmung über die Oscar-Nominierungen beginnt am Montag, gleich nach Globe-Nacht. Mehr als 10.000 Mitglieder gehören der Oscar-Akademie an, damit stimmen deutlich mehr Juroren als bei dem kleinen Globe-Verband mit rund 400 Journalisten und Journalistinnen aus aller Welt ab.
Die Anwärter für Hollywoods höchsten Preis werden am 22. Januar verkündet. Die 98. Oscar-Verleihung soll dann am 15. März über die Bühne gehen.