Blog Geheimakte "Olympia-Attentat" Einblicke in die innersten Interna der Terroristen

Foto: Foto: Sven Hoppe/dpa Züge am Hauptbahnhof in München

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Investigativ-Journalist Christoph Lemmer von ANTENNE BAYERN

Am 23. August geleitete uns Abu Hassan zum Hafen von Latakia. Er händigte uns – mir und Abu Alala – eine Schiffskarte nach Tripolis und eine Flugkarte von Tripolis nach Rom sowie je 1000 syrische Lire in Dollar aus. Issa war bereits vor uns nach München gereist. Auf welche Weise und auf welchem Weg weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist er mit dem Flugzeug nach München geflogen, denn er musste früher in München sein.

Mein Name ist Christoph Lemmer und ich bin Investigativ-Journalist. In der Vergangenheit habe über den NSU-Prozess für die Nachrichtenagentur dpa berichtet und für ANTENNE BAYERN mehrere große Podcasts produziert, darunter einen über den Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum und einen preisgekrönten über den Fall Peggy und ein falsches Mordurteil. 50 Jahre nach dem Olympia-Attentat in München öffnen wir in den nächsten Wochen gemeinsam die „Geheimakte: 1972“.

Mit enormem Aufwand organisierten die Terroristen ihre Reisen aus dem Nahen Osten nach München. Geld, Schiffspassagen, Flug- und Zugtickets – alles war vorbereitet. In der 5. Episode des Podcasts Geheimakte 1972 beschreiben wir im Detail, wie das ablief und wie die Terroristen zum Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft anreisten.

In der U-Haft plauderten die Terroristen geheime Details aus

Wichtigste Quelle: Die Aussagen der drei Terroristen, die den Anschlag überlebten. In den wenigen Wochen, die sie in bayerischen Gefängnissen in Untersuchungshaft saßen, sind sie mehrmals vernommen worden und haben viele Details preisgegeben.

Nicht jede Aussage stimmte. Manches haben sie zurückgenommen und korrigiert. Manchmal haben die Polizei-Vernehmer sie mit Widersprüchen konfrontiert. Manches bleibt auch bis heute unklar. Aber im Großen und Ganzen ergibt sich ein stimmiges Bild.

Wir haben sämtliche Vernehmungen der drei Terroristen für diese Episode ausgewertet. Einige der Informationen waren sogar für die Angehörigen der ermordeten israelischen Sportler neu, etwa, dass zwei der Täter auf einem Schiff von Syrien über Alexandria in Ägypten nach Tripolis in Syrien fuhren, von dort nach Rom flogen und schließlich mit der Bahn weiter nach München.

ANTENNE BAYERN-Recherchen lieferten sogar den Angehörigen neue Informationen

Dass die Angehörigen solche Details erst jetzt erfahren, wirft ein schlechtes Licht auf Deutschland. Denn seit Jahrzehnten versuchen die Familien in Israel, alle Unterlagen der Archive einzusehen. Zuerst hieß es, es gebe da nichts.

Dann, nach über zwanzig Jahren, hat ein Mitarbeiter des Staatsarchivs München heimlich Unterlagen abgezweigt und den Familien in einem dicken Briefumschlag geschickt. Da mussten die Behörden erstmals zugeben, dass es sehr wohl Material gebe.

Noch später sagte Ex-Kanzlerin Angela Merkel zu, dass nunmehr alles Material offengelegt werde. Aber ob das tatsächlich geschah, lässt sich nicht überprüfen. Akten über das Olympia-Attentat lagern zumindest in Berlin, Koblenz und München, außerdem offenbar als aktiver Vorgang bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe – die bis heute hartnäckig jegliche Auskunft zu den Ermittlungen in diesem Fall verweigert. Deutschland hat das Versprechen von Angela Merkel immer noch nicht eingelöst.

Nur darum konnte es passieren, dass die Recherchen von ANTENNE BAYERN für diesen Podcast Überraschendes für die Angehörigen ergeben konnten.

Für uns waren diese Unterlagen wichtig, um zu erzählen, wie die Terroristen ihre letzte Etappe und ihre letzten Tage vor dem mörderischen Anschlag auf die israelischen Sportler verbrachten – wie sie anreisten, wie sie untergebracht waren, wie sie vor Ort ihre Ausrüstung und ihre Waffen bekamen und wie sie sich auf die Tat vorbereiteten.

All das in Episode 5: "München, Hauptbahnhof". 

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