CSU-Experten nun doch offen für Jura-Bachelor
Kein Staatsexamen, kein Abschluss? Beim Jurastudium an Bayerns Unis kann das passieren. Im Landtag war die CSU erst gegen einen «Trostpreis»-Bachelor - die Junge Union ist dafür. Nun gibt es Bewegung.
München (dpa/lby) - In der Diskussion um einen Bachelor-Abschluss im Jura-Studium als Alternative zum Staatsexamen zeigen sich CSU-Experten nun doch offen für eine mögliche Einführung in Bayern. Nach einem CSU-internen Fachgespräch herrscht nach Angaben der Partei Einigkeit, dass man einen «bayerischen Weg» entwickeln wolle: Man wolle einerseits das Staatsexamen nicht entwerten und andererseits den Studenten einen Mehrwert beziehungsweise eine Zusatzqualifikation bieten. Im Landtag hatte die CSU-Fraktion einen Grünen-Vorstoß in diese Richtung noch strikt abgelehnt.
CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek signalisierte nun Offenheit: «Wir müssen den Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Bundesländern ernst nehmen - und dabei das Staatsexamen ergänzen, nicht ersetzen», sagte er. Petra Guttenberger (CSU), Vorsitzende des Rechtsausschusses im Landtag, forderte aber hohe Standards: Ein Bachelor müsse zwingend mit einer eigenständigen Prüfungsleistung verbunden sein und einen eigenständigen Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu einem Masterstudiengang eröffnen.
Die Junge Union Bayern, die sich schon im April gegen die Linie der CSU-Landtagsfraktion positioniert hatte, plädierte dagegen erneut für einen vollintegrierten Bachelor als Motivationsanker und Sicherheitsnetz.
Ende Juni zuletzt im Landtag diskutiert
Die Grünen hatten die ganze Debatte jüngst angestoßen, im Landtag aber nur Unterstützung von der SPD bekommen. Ziel der Initiative: dass Studentinnen und Studenten nicht mit leeren Händen dastehen, falls sie beim Staatsexamen zweimal scheitern. Der Bachelor sollte aber nur dann verliehen werden, wenn der universitäre Teil des Studiums erfolgreich abgeschlossen ist, also alle Prüfungen vor dem abschließenden Staatsexamen bestanden wurden.
Der so erlangte Bachelor solle den Einstieg in alternative Karrierewege etwa in der Wirtschaft erleichtern, hatte der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Toni Schuberl, argumentiert. Für eine Tätigkeit als Volljurist, zum Beispiel als Richter, bleibe ein bestandenes Staatsexamen nach wie vor Voraussetzung. In anderen Bundesländern - die Grünen nannten etwa Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen - gebe es bereits entsprechende Regeln, betonten die Grünen.