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Telefonische Krankschreibung: Diskussion in Bayern über Missbrauch und mögliche Abschaffung

Die telefonische Krankschreibung sorgt in Bayern für Diskussionen. Während die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) sie als sinnvolle Entlastung sieht, fordert die Wirtschaft ihre Abschaffung. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach spricht sich für strengere Regeln aus. Mehr dazu lest ihr hier.

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Wartezimmer in Hausarztpraxis Daniel Karmann/dpa

Die Zukunft der telefonischen Krankschreibung wird in Bayern heiß diskutiert. Während die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) für ihren Erhalt plädiert, fordert die Wirtschaft eine Rückkehr zur persönlichen Untersuchung. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach und die CSU setzen sich für strengere Regeln ein, um Missbrauch zu verhindern.

KVB: Telefonische Krankschreibung entlastet Praxen und Patienten

Der Vorstand der KVB sieht die telefonische Krankschreibung als bewährtes Instrument einer modernen ambulanten Versorgung. Sie ermögliche es, bekannte Patienten bei leichten Erkrankungen ohne unnötige Praxisbesuche zu behandeln. Dies entlaste nicht nur die Praxisteams, sondern reduziere auch Infektionsrisiken – ein wichtiger Aspekt in der Erkältungs- und Grippesaison. Laut KVB-Vorstand ist das Missbrauchspotenzial gering, da Ärzte verantwortungsvoll handeln und die Krankschreibung auf medizinischem Ermessen basiert.

Wirtschaft fordert Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) spricht sich klar gegen die telefonische Krankschreibung aus. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt betont, dass die Regelung ursprünglich aus Infektionsschutzgründen während der Corona-Pandemie eingeführt wurde und nun nicht mehr zeitgemäß sei. Eine persönliche ärztliche Untersuchung sei notwendig, um Missbrauch zu vermeiden und die hohen Krankenstände zu senken. Die Wirtschaft sieht die aktuellen Krankenstände als erhebliche Belastung für Unternehmen.

Der DGB Bayern möchte die aktuelle Regelung beibehalten. „Wer diese nun infrage stellt oder pauschal Misstrauen gegenüber Beschäftigten äußert, verkennt die Realität in den Betrieben – und schadet am Ende der Gesundheit aller”, so DGB-Chef Bernhard Stiedl.

Gerlach und CSU: Strengere Regeln für Online-Krankschreibungen

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach fordert klare Regelungen für gewerbliche Anbieter von Online-Krankschreibungen. „Klick und krank“ ohne seriöse ärztliche Diagnose dürfe nicht zum Standard werden. Gerlach betont, dass die telefonische Krankschreibung nur einen geringen Anteil an den gesamten Krankschreibungen ausmache und eine sinnvolle Entlastung für das Gesundheitssystem sei. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek fordert ebenfalls strengere Regeln für digitale Angebote und sieht die Verantwortung für Krankschreibungen klar bei den Hausärzten.