Frauen am Gewehr? Debatte bei Tiroler Schützen
Waffe statt Schnapsfass: Tirols Schützenfrauen könnten bald mehr als Marketenderinnen sein. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte dieser bewaffneten Verbände.


Innsbruck (dpa) - Die Schützenkompanien im österreichischen Bundesland Tirol denken über einen Traditionsbruch nach. Die Brauchtumsvereine mit mehr als 14.000 aktiven Mitgliedern beraten ab September darüber, ob sie in ihren Reihen künftig auch Frauen am Gewehr zulassen. Der basisdemokratische Prozess soll nach Angaben des Dachverbandes mehrere Monate lang dauern.
Die Ursprünge der Tiroler Schützen reichen bis ins Mittelalter zurück, als Bauern und Bürger an der Landesverteidigung mitwirkten. Aktuell haben die Schützenkompanien auch etwa 1.800 weibliche Mitglieder. Sie schenken als Marketenderinnen Schnaps aus, arbeiten in den Vereinen mit und sind im Schießsport aktiv. Bei den traditionellen Auftritten der Schützen - etwa bei kirchlichen Festen oder als Ehrenkompanie - tragen jedoch nur die Männer Waffen.
Vorstoß aus den eigenen Reihen
In der Vergangenheit hatten Medien und politische Akteure wie etwa die Grünen diese Tradition immer wieder infrage gestellt. Dieses Mal kommt der Vorstoß aus den eigenen Reihen. Zwei der 235 Tiroler Schützenkompanien hätten beantragt, auch Frauen mit dem Gewehr ausrücken zu lassen, sagte Thomas Saurer, Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien.
Deshalb werden im Herbst Diskussionsveranstaltungen abgehalten, um einen Meinungsbildungsprozess in Gang zu bringen. «Wir wollen die weiblichen Mitglieder stark dazu einbinden», sagt Saurer der Deutschen Presse-Agentur. Im Winter soll dann eine geheime Briefwahl abgehalten werden. Falls die Mehrheit für die Zulassung von Gewehrschützinnen abstimme, dürfe trotzdem jede Kompanie selbst entscheiden, ob bewaffnete Frauen in ihren Reihen marschieren, heißt es vom Dachverband.
Kampf-Tradition mit weiblicher Beteiligung
Die Schützen spielen keine Rolle in der Landesverteidigung mehr. Heute verteidigen sie nach ihrem Selbstverständnis «Grundwerte unserer Kultur, Geschichte und Traditionen sowie der Tiroler Lebensweise», wie der Dachverband auf seiner Website erklärt.
Zur Geschichte der Tiroler Schützen gehören jedoch auch bewaffnete Frauen, wie Saurer einräumt. Einige Frauen hätten in vergangenen Jahrhunderten an Aufständen und Kämpfen teilgenommen und teils auch Einheiten angeführt.
Keine Debatte in Bayern
In Bayern pflegen die Gebirgsschützen ähnliche Traditionen wie in Tirol. Frauen seien zwar als Mitglieder etwa im Sportschießen aktiv, aber nicht Teil der «bewaffneten Truppen», sagt Martin Haberfellner, Landeshauptmann der Gebirgsschützen. Eine Debatte werde dazu derzeit nicht geführt. «Bei uns ist da Ruhe an der Front», sagt er der Deutschen Presse-Agentur.