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Europameister Ansah lehnt Nada-Deal ab: So geht es weiter

Owen Ansah lehnt eine verkürzte Sperre ab und setzt auf ein Disziplinarverfahren. Wie geht es für den Europameister weiter – und was steht für ihn auf dem Spiel?

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Owen Ansah Morgan Harlow/AP/dpa

Bonn (dpa) - Europameister Owen Ansah lässt sich nicht auf einen Deal mit der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) ein. Statt eine von vier auf drei Jahre reduzierte Sperre wegen eines angeblich verweigerten Dopingtests zu akzeptieren, beantragte der deutsche Leichtathletik-Star die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht. Damit ist unklar, wie lange sich der Fall noch ziehen wird.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Nada teilte mit, sie werde die Schiedsklage vorbereiten und beim Deutschen Sportschiedsgericht einreichen. Das Verfahren ist nicht öffentlich. «Zu weiteren Verfahrensdetails, insbesondere zum zeitlichen Verlauf, kann die Nada keine Aussagen treffen», teilte die Agentur mit. Ihr sei es aber wichtig, dass das Verfahren «zügig und effektiv durchgeführt» werde.

Doch selbst ein Schiedsspruch ist nicht zwingend das Ende des Verfahrens. Gegen die Entscheidung besteht für beide Seiten sowie auch für den Leichtathletik-Weltverband und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) die Möglichkeit des Rechtsbehelfs zum Internationalen Sportgerichtshof Cas.

Der vergleichbare Fall der tschechischen Tennisspielerin Marketa Vondrousova zeigt: Von der verweigerten Kontrolle bis zur Sperre vergingen siebeneinhalb Monate. Zwei Monate später, am Dienstag dieser Woche, zog die einstige Wimbledon-Siegerin vor den Cas.

Was sagt Owen Ansah?

Zu dem laufenden Verfahren geben weder Ansah noch sein Anwalt Rainer Cherkeh momentan Statements ab. Das bekräftigte Cherkeh am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nochmals. Ansah meldete sich dennoch zu Wort, kurz vor Ablauf der Frist gab der 25-Jährige via Instagram bekannt, dass er seine Saison wegen einer «kleinen Verletzung» vorzeitig beenden müsse. Damit entfallen sowohl der geplante Start am Sonntag beim Istaf in Berlin als auch bohrende Nachfragen zu dem Thema.

Was kann Ansah verlieren?

Neben einer mehrjährigen Sperre, die womöglich das Ende seiner Karriere bedeuten könnte, stehen seine Medaillen auf dem Spiel. Bei der EM in Birmingham gewann Ansah Bronze über 100 Meter und Gold über 200 Meter. Hinzu kämen wohl damit verbundene Prämien. Seinen deutschen 100-Meter-Rekord von 9,98 Sekunden behält Ansah, da dieser gut einen Monat vor dem verweigerten Test aufgestellt worden war.

Finanziell dürften die Einbußen erheblich sein. Ansah verlöre die Förderung der Deutschen Sporthilfe und als Berufssoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr seinen Kaderstatus. Zudem droht die Entlassung aus dem Dienstverhältnis. Sponsoren dürften sich ebenfalls zurückziehen.

Warum wird eine verweigerte Kontrolle so hart bestraft?

Andere Athleten dürfen vor einer Sperre zwei sogenannte Missed Tests haben, also zweimal nicht in dem vorgegebenen einstündigen Zeitfenster angetroffen worden sein, ehe es beim dritten Vergehen zu einer Sperre kommt. Ansah sollte dagegen außerhalb dieses Zeitfensters kontrolliert werden und ist deshalb direkt mit einer Sperre über vier Jahre konfrontiert. Der Unterschied: Eine verweigerte Kontrolle - egal zu welchem Zeitpunkt - wird von der Strafe her wie ein positiver Dopingtest behandelt.

Doping-Experte Fritz Sörgel sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es ein paar Argumente gebe, den Test abzulehnen. Es sei «unglücklich» für den Sprinter gelaufen. «Aber besonders gute Argumente gibt es eigentlich nicht.» Man müsse dennoch jeden einzelnen Schritt überprüfen, äußerte Sörgel.

Ansah war auf dem Weg zu einem Meeting nach Monaco, als es zur unangekündigten Kontrolle kam. Er sei spät dran und kurz zuvor schon auf Toilette gewesen, hatte Ansah angegeben. Er habe dem Kontrolleur vorgeschlagen, zum Flughafen mitzufahren, um die Probe dort abzugeben.

Besonders bitter für den Sprinter: Wäre er zum Flughafen gefahren, bevor der Kontrolleur zur Dopingprobe erschienen wäre, hätte das keine Auswirkungen gehabt. Denn der Test wurde außerhalb des einstündigen Zeitfensters verlangt, in dem sich Athletinnen und Athleten täglich verpflichtend für eine Kontrolle bereithalten müssen.

Wie schätzt ein Doping-Experte die Chancen Ansahs ein?

Eine Umgehung einer Sperre sieht Doping-Experte Fritz Sörgel kaum. «Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Chancen nicht sehr hoch einschätze, dass er da wirklich gut dabei wegkommt», sagte Sörgel und fügte hinzu: «Dass er ohne Strafe aus dem Verfahren rausgeht, das halte ich für ausgeschlossen.» Eine Sperre von vier Jahren sei aber «relativ hart», betonte Sörgel. 

Gibt es vergleichbaren Fälle?

Ja, wobei Verstöße gegen Artikel 2.3 des Anti-Doping-Codes selten sind. Laut des Nada-Jahresberichts von 2023 gab es im September 2023 einen Fall in Deutschland. Ein Ringer soll bei einem Wettkampf eine Kontrolle verweigert haben. Der Athlet wurde daraufhin für vier Jahre gesperrt.

Aktuell ist der Fall der Tennisspielerin Markéta Vondrousova eine Parallele. Die Tschechin hatte am 3. Dezember 2025 einer Kontrolleurin einen Dopingtest verweigert und wurde für vier Jahre gesperrt. Nach Angaben der zuständigen International Tennis Integrity Agency (ITIA) muss dies nach den Anti-Doping-Regeln wie ein positiver Befund bewertet werden. Vondrousova begründete den versäumten Dopingtest mit einer Angststörung. Doch dies war nach Einschätzung der ITIA «keine überzeugende Rechtfertigung». Am Dienstag zog Vondrousova vor den Cas. 

Der indische Ringer Bajrang Punia, Olympia-Dritter von 2021, verweigerte im März 2024 die Abgabe einer Urinprobe. Er begründete dies mit einem angeblich abgelaufenen Test-Kit der Kontrolleure. Ende November 2024 folgte eine vierjährige Sperre.

© dpa-infocom, dpa:260828-930-594385/3