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Erst Hochzeitsinsel, dann Hongkong: Bayern in Asien bejubelt

Nach dem Trainingslager am heimischen Tegernsee geht's für den FC Bayern in der Saisonvorbereitung in Südkorea und Hongkong weiter. Der Vorstandschef erklärt, warum solche Trips ein «Marathon» sind.

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FC Bayern in Südkorea Christian Kunz/dpa

Jeju (dpa) - Manuel Neuer wurde gleich am Flughafen von kreischenden Fans und jeder Menge Bayern-Trikots begrüßt, am noblen Mannschaftshotel ging die Jagd auf die Autogramme der Münchner Stars um Südkorea-Idol Minjae Kim weiter. Der deutsche Fußball-Rekordmeister ist bei seiner Ankunft auf Jeju Island begeistert empfangen worden. Viel Zeit haben die Münchner auf der südlich von Südkorea gelegenen Honeymoon-Insel nicht, um sich feiern zu lassen. Schon am Mittwoch setzen sie ihre Sommer-Tour in Hongkong fort.

«Wollen die Bundesliga vertreten»

Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit hatte Trainer Vincent Kompany schon kurz nach der Landung des elfeinhalb Stunden langen Fluges die erste von sechs Trainingseinheiten auf der Tour angesetzt. Nach den vier Trainingslager-Tagen am Tegernsee will der belgische Coach in Fernost auf der Marketing- und Vorbereitungsreise weiter an der Fitness seines Ensembles um drei weitere WM-Rückkehrer arbeiten - und das Team auf den nächsten Anlauf auf das Triple einstimmen.

«Ich habe ja letztes Jahr öfter davon gesprochen, wie die Club-WM für uns ein toller Faktor war, weil die Gruppe eben sehr lange zusammen war und Turniere gespielt hat. Jetzt ist es quasi die Audi-Sommertour, die wir spielen», sagte Sportvorstand Max Eberl. «Wir wollen die Bundesliga nach außen vertreten und deswegen ist diese Reise einfach ein toller Trip.»

Ein Neuzugang dabei, der andere trainiert in München

Während der rund 50 Millionen Euro teure Neuzugang Ismail Saibari (PSV Eindhoven) nach seiner Verletzung bei Marokkos WM-Auftritt in München blieb, stieg der ähnlich teure deutsche Nationalspieler Nathaniel Brown am Sonntagmittag (Ortszeit) aus dem Charterflieger. Dieser war nicht rot-weiß, sondern blau-weiß gestreift. Das freute einige Fans an Bord eher weniger.

Zwei Testspiele stehen am Dienstag (13.00 Uhr) beim südkoreanischen Club Jeju SK FC und drei Tage später am Freitag (14.00 Uhr) in Hongkong gegen Europa-League-Sieger Aston Villa an. Der FC Bayern war bisher jeweils einmal an beiden Stationen zu Gast. Asien ist zum insgesamt fünften Mal Ziel der Audi Summer Tour, fünfmal reisten die Münchner in diesem Rahmen bisher in die USA.

«Mindestens ein normaler Marathon»

«Der ökonomische Hintergrund ist, neue Märkte zu erschließen oder in solchen, von denen wir überzeugt sind, breiter zu werden. Das ist kein Kurzstreckenlauf, das ist ein anstrengender, mindestens normaler Marathon, wenn nicht zwei Marathons nacheinander», sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. 

Deswegen bemängeln die Münchner seit langem, dass nicht eine größere Zahl deutscher Clubs auf Tour startet. Nach der vergangenen Saison reiste Leipzig nach Südafrika, in diesem Sommer Dortmund nach Tokio. Im September düst der SC Paderborn in die USA. «Es ist natürlich schön für die Bundesliga, dass wir sie in Asien vertreten können», sagte Eberl. «Die Bundesliga soll ja auch internationaler werden.» Neben einem Büro in New York haben die Bayern in Shanghai, Bangkok und Seoul eigene Vertretungen.

«Bis Sie in einem Land Fuß fassen, bis Sie dann dort auch Geschäft machen, bis Sie lokale, regionale Sponsoren akquirieren können, dazu gehört Präsenz von Ihnen als Club, aber auch Attraktivität von Fußball», sagte Dreesen. Für die Fans vor Ort ist es da natürlich schade, dass gerade die international gefragten Michael Olise und Harry Kane wegen des wohlverdienten WM-Urlaubs nicht dabei sind. Der französische Flügelspieler und Englands Torjäger beginnen wie Dayot Upamecano erst nach dem Asien-Trip wieder mit dem Training.

Noch mehr Aufmerksamkeit durch einen chinesischen Profi?

Dagegen stiegen die WM-Rückkehrer Konrad Laimer (Österreich), Josip Stanisic (Kroatien) und mit aufgehellten Haaren auch Luis Díaz (Kolumbien) in Südkorea aus dem Flieger. Wie Neuzugang Saibari arbeiten Serge Gnabry, Lennart Karl und Jamal Musiala ebenfalls in München nach ihren Reha-Plänen. Das Fehlen einiger Topstars könnte eine Chance für sieben Nachwuchsspieler im Münchner Aufgebot sein, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Dass die Bayern in Kim einen südkoreanischen Fußballstar in ihren Reihen haben, sorgt vor Ort natürlich für noch mehr Interesse. Ob sich mit der Verpflichtung eines Chinesen nicht noch mehr Begeisterung in Asien entfachen ließe? «Das ist nicht unsere Vorgehensweise», sagte Dreesen. «Bei uns zählt nicht die Nation und die Herkunft, bei uns zählt, ob der Spieler passt und welche Qualität er hat.»

© dpa-infocom, dpa:260802-930-472745/2