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Arianas Auszeit: Darf man die Körper von Stars kommentieren?

Der Fall der Popsängerin Ariana Grande zeigt ein gesellschaftliches Dilemma unserer Zeit: Wie lassen sich problematische Schönheitsideale kritisieren, ohne über Einzelne zu urteilen?

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Ariana Grande Jordan Strauss/Invision/dpa

New York (dpa) - Gerade wurde bekannt, dass Popstar Ariana Grande sich nach ihrer Tour vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen will. Dem US-Magazin «People» kündigte ihr Management eine Pause nach Monaten «endloser, anhaltender öffentlicher Kritik» an. Damit flammte die seit Jahren geführte Debatte über Grandes Körper erneut auf. 

Aktuell kommentieren besonders viele Menschen in den sozialen Netzwerken Grandes sehr dünnen Körper - ohne zu wissen, was dahintersteckt. Als vergangenen Freitag ihr neues Musikvideo zu «petal» auf YouTube online ging, schien sich schnell ein Stimmungsbild zum Wohlergehen der Sängerin und Schauspielerin abzuzeichnen. «Es geht nicht darum, die alte Ariana zurückzuwollen. Es geht um ihre Gesundheit», hieß es in den Kommentaren. Ein anderer fragte: «Ariana, geht es dir gut? Das ist eher beunruhigend als herzerwärmend.» 

 

Bereits 2023 hatte sich Ariana («No Tears Left to Cry», «One Last Time») gegen solche Kommentare gewandt. In einem TikTok-Video erklärte sie, der Körper, den viele rückblickend für gesünder hielten, sei mit einer schwierigen Zeit verbunden gewesen. Außenstehende könnten nicht wissen, was ein anderer Mensch gerade durchmache. Ihr Appell beendete die Debatte sichtlich nicht. Im Gegenteil – einmal mehr stellte sich die Frage, ob und wie über die Körper von Stars und insbesondere Frauen in der Öffentlichkeit gesprochen werden sollte.

Ein altes Ideal wird wieder sichtbarer

Auffällig ist, dass sehr schlanke Körper in sozialen Netzwerken, auf Laufstegen und in der Promiwelt wieder stärker sichtbar sind. Neu ist dieses Schönheitsideal allerdings nicht: Bereits in den 90er Jahren wurde der extrem schlanke Look unter dem Begriff «Heroin Chic» bekannt.

In den 2010er-Jahren schien sich dieses Ideal zunächst abzuschwächen. Body Positivity und mehr Diversität sorgten dafür, dass unterschiedliche Körper sichtbarer wurden. Die «Tagesschau» schrieb schon vor einer Weile von einer Trendumkehr. 

Von einem vollständigen Bruch mit früheren Schönheitsidealen konnte aber auch während der 2010er-Jahre keine Rede sein. So erklärt die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth "Elli" Lechner bei Deutschlandfunk Nova, dass zwar mehr Plus-Size-Models auf Laufstegen und in Kampagnen zu sehen gewesen seien. Akzeptiert worden seien jedoch häufig nur Körper, die weiterhin klassischen Schönheitsnormen entsprochen hätten – etwa mit Sanduhrfigur, glatter Haut und einem perfekt gestylten Erscheinungsbild.

Auch das Ideal extremer Schlankheit verschwand nie ganz aus der öffentlichen Debatte. Ein häufig zitiertes Beispiel ist ein Satz des britischen Models Kate Moss aus dem Jahr 2009: «Nothing tastes as good as skinny feels» («Nichts schmeckt so gut, wie Dünnsein sich anfühlt»).

Wie soziale Medien Essstörungen befeuern können

Heute spielt sich ein großer Teil dieser Entwicklung in sozialen Netzwerken ab. Dort verändert sich auch, wie das Schlankheitsideal vermittelt wird. Wer früher vor allem Models oder Popstars als Vorbilder sah, begegnet heute auf TikTok oder Instagram Influencerinnen und Influencern, die einen scheinbar ganz normalen Alltag zeigen. Gerade dadurch entsteht leichter der Eindruck, ein bestimmter Körper sei für jede und jeden erreichbar.

Besonders sichtbar wurde das unter dem Schlagwort «SkinnyTok». Unter dem Hashtag sammelten sich bis zum Sommer 2025 tausende TikTok-Videos über Kalorienzählen, winzige Mahlzeiten oder schnellen Gewichtsverlust. Häufig wurden dabei auch extrem schlanke Körper als Vorbild präsentiert. Inzwischen hat TikTok den Hashtag gesperrt. Die Inhalte, die extremes Dünnsein glorifizierten, verschwanden dadurch jedoch nicht. Sie tauchen nun unter anderen Begriffen oder in ähnlichen Formaten weiter auf.

Psychologinnen sehen darin ein Risiko. Essstörungen nehmen bei Mädchen, weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen erheblich zu, sagt die Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann. Ein Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Essstörungen sei durch viele Studien belegt, sagt die frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen. 

Dass Menschen solche Inhalte sehen, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie eine Essstörung entwickeln. Die Psychologin Katrin Giel betont bei Deutschlandfunk Nova, Essstörungen seien komplexe psychische Erkrankungen. Inhalte, die extreme Schlankheit verherrlichen, seien nicht die alleinige Ursache, könnten bestehende Risikofaktoren jedoch verstärken.

Ist das Kommentieren von Körpern übergriffig?

Damit stellt sich die Frage: Wie lässt sich über solche Entwicklungen sprechen, ohne den Körper einzelner Menschen zum Gegenstand der Debatte zu machen? Genau dieses Spannungsfeld beschreibt auch die Journalistin Salwa Houmsi in ihrem Podcast «House of Houmsi». 

Sie plädiert dafür, einzelne Menschen nicht aufgrund ihres Körpers zu beurteilen. Gleichzeitig müsse es möglich bleiben, darüber zu sprechen, wenn ein bestimmtes Körperideal in sozialen Netzwerken oder der Popkultur wieder stärker als erstrebenswert dargestellt werde. Fehle dafür die Sprache, lasse sich der gesellschaftliche Druck hinter solchen Entwicklungen kaum noch beschreiben.

© dpa-infocom, dpa:260805-930-486347/1