Zum Hauptinhalt springen

Clooney verzaubert Venedig - Filmfestspiele eröffnet

George Clooney bekommt in Venedig einen Preis für sein Lebenswerk und scherzt mit den Fotografen. Seine Laudatorin Laura Dern erklärt ihn zur Legende - und sein Freund Brad Pitt zum «alten Gouda».

ANTENNE BAYERN ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG ANTENNE BAYERN Logo
George Clooney in Venedig Alessandra Tarantino/Invision/AP/dpa

Venedig (dpa) - Er wird in Venedig zur Legende erklärt, mit altem Gouda verglichen und von Fans umjubelt: Mit der Ehrung von Hollywood-Star George Clooney sind die 83. Filmfestspiele Venedig eröffnet worden. 

Der 65-Jährige erhielt bei der Eröffnungsgala den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Seine Schauspiel-Kollegin und Freundin Laura Dern würdigte ihn in ihrer Laudatio als herausragenden Filmemacher und Aktivist, dessen Einsatz für andere sein gesamtes Werk prägten. «Uns wurde eine Legende geschenkt», sagte sie. 

Brad Pitt: «Er altert so würdevoll wie ein alter Gouda» 

Sie erzählte auch, was Freunde Clooneys ihr für die Rede mitgegeben hätten. So zum Beispiel Brad Pitt, der ihr gesagt habe: «Georges Geschichten werden mit jedem Mal besser. Er altert so würdevoll wie ein alter Gouda. Er kann fast alles (...) und macht es besser als jeder von uns. Aber bitte, bitte haltet ihn von der Tanzfläche fern.» 

«Warum lieben wir George Clooney?», fuhr Dern fort. «Er ist ein Rebell, ein Schelm, ein Altruist, ein Schauspieler, ein Sportler - der einzige, den man in einer Krise an seiner Seite haben möchte. Ein Vater, ein Ehemann, ein Weltbürger, ein Verfechter der Gerechtigkeit und ein wirklich schlechter Tänzer.» 

Anschließend kam Clooney auf die Bühne und erklärte: «Wenn man dir sagt, dass du einen Preis für dein Lebenswerk bekommst, fallen einem eigentlich nur zwei Dinge ein. Das erste ist: Was für eine unglaubliche Ehre das ist. Und das zweite: Wissen die etwa etwas, was ich nicht weiß? Ihr habt mit meinen Ärzten gesprochen, oder?» 

Clooney: Filme stellen autoritäres Denken infrage 

Er betonte in seiner Dankesrede die verbindende Kraft von Filmen, die Empathie förderten sowie Ängste und autoritäres Denken infrage stellten. «Geschichten sind immer gefährlich für Menschen, die mit Angst handeln», sagte er. «Diejenigen, die Angst vor Büchern, Musik und Geschichten haben, sind niemals die Helden der Geschichte. Ja, Filme beenden keine Kriege. Sie senken nicht die Inflation. Sie beeinflussen keine Wahlen. Aber sie bewirken etwas Bemerkenswertes: Sie erinnern uns daran, dass wir nicht allein sind.» 

Auf dem Teppich hatte Clooney zuvor lange mit seiner Frau Amal für die Fotografen posiert. Dann wechselte er plötzlich die Seiten und setzte sich grinsend zu den Fotografen an den Rand, schnappte sich eine Kamera - und schoss selbst ein paar Bilder. Anschließend gab er einer langen Reihe kreischender Fans am roten Teppich Autogramme. 

Dort hatte zuvor auch der deutsche Schauspieler Damian Hardung («Maxton Hall») großen Beifall geerntet - und «Bridgerton»-Schauspieler Jonathan Bailey, den das «People»-Magazin vergangenes Jahr zum «Sexiest Man Alive» kürte. Clooney hat diesen Titel übrigens schon zweimal bekommen, wie Dern in ihrer Rede scherzend betonte (1997 und 2006). 

Film von Danny Boyle eröffnet das Festival 

Eröffnet wurde das Festival anschließend mit dem neuen Film des britischen Regisseurs Danny Boyle («Trainspotting», «Slumdog Millionär»). In «Ink» erzählt er davon, wie Rupert Murdoch und Larry Lamb Ende der 1960er Jahre das britische Boulevardblatt «The Sun» neu erfanden und damit eine neue Ära des britischen Journalismus einläuteten. 

Kriminalität, Sex und andere Themen, die sie als lesernah definierten, bekamen einen großen Stellenwert. Fundierte politische Beiträge wurden deutlich seltener. An ihre Stelle traten vor allem kurze und leicht verständliche Texte, spektakuläre Enthüllungen und Geschichten über Skandale. Die Hauptrollen spielen Jack O'Connell, Claire Foy und Guy Pearce. 

«Ink» konkurriert mit 20 anderen Filmen um den Hauptpreis des Festivals, den Goldenen Löwen. Die Preisverleihung findet am 12. September statt. Jury-Präsidentin ist die US-Regisseurin und Schauspielerin Maggie Gyllenhaal. 

Emilia Schüle in Nebenreihe zu sehen 

In einer Nebenreihe feierte am Mittwoch der Film «Das Mädchen mit der Leica» (Originaltitel: «La ragazza con la Leica») in Venedig Premiere. Der Film der italienischen Regisseurin Alina Marazzi ist mit einer Reihe deutscher Stars besetzt. In der Hauptrolle ist Emilia Schüle zu sehen. 

Sie spielt die Fotografin Gerda Taro (1910-1937) - die erste Frau, die als professionelle Fotoreporterin direkt an einer Kriegsfront fotografierte. Aaron Altaras verkörpert ihren Partner, den berühmten Fotografen Robert Capa. Luna Wedler ist in einer Nebenrolle zu sehen.

© dpa-infocom, dpa:260902-930-621964/2