Prominente nach CSD-Attacke: «Wir bleiben laut und sichtbar»
Nach der tödlichen Attacke am Rande des Christopher Street Days äußern sich etliche Künstlerinnen und Künstler bestürzt - und kämpferisch.
Berlin (dpa) - Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) haben sich viele Prominente entsetzt geäußert - aber auch kämpferisch. Sängerin Sarah Connor, die auf der Abschlusskundgebung am Samstag am Brandenburger Tor aufgetreten war, drückte den Betroffenen und Angehörigen ihr Beileid aus. «Ekelhaft und sinnlos diese Tat!», erklärte sie bei Instagram, betonte aber: «Ich würde jederzeit wieder auftreten und ich hoffe, wir machen das im nächsten Jahr wieder genauso!!!! Noch lauter, noch bunter!»
Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim «Demokratieabend» des Berliner CSD am Brandenburger Tor aufgetreten war, schrieb in ihrer Instagram-Story: «Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort». Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten - «jetzt noch mehr als sonst». Wenigstens Berlin solle ein sicherer Ort sein, so die 29-Jährige. «Bitte bitte bleibt stark. Ich werde immer für uns einstehen.»
Schropp befürchtet politische Instrumentalisierung
Moderator Jochen Schropp, der am Samstag mit Ricarda Hofmann durch das Hauptprogramm des CSD am Brandenburger Tor geführt hatte, postete ein Video auf Instagram: «Ich hoffe irgendwie, wir kommen da als Community gut durch», sagte der schwule 47-Jährige. «Ich hab' sehr viele Menschen gesehen, denen es danach gar nicht gut ging und die unter Schock standen.» Es sei ein so schöner Tag, voll mit Liebe gewesen, sagte Schropp. «Und dann passiert sowas.»
Dem Sender RTL sagte Schropp: «Sollte sich der mutmaßlich islamistische Hintergrund der Tat bestätigen, fürchte ich, dass dieser Anschlag politisch instrumentalisiert wird und am Ende ausgerechnet denjenigen Kräften zugutekommt, die selbst gegen queere Rechte arbeiten und unsere demokratischen Werte infrage stellen.»
Auch Simonetti und Bill Kaulitz reagieren
Der Entertainer Riccardo Simonetti schrieb auf Instagram: «Mir ist sofort richtig schlecht geworden. Ich bin froh, dass es den Menschen, die mir nahestehen, soweit gut geht, aber ich bin entsetzt darüber, dass Nachrichten wie diese kein Albtraum sind, sondern Realität, in der wir 2026 alle leben.» Der 33-Jährige hatte am Samstag am CSD in Stuttgart teilgenommen, wo ebenfalls eine große Parade stattfand.
Bill Kaulitz, der Sänger der Band Tokio Hotel, schrieb in der Nacht, dass er an die Menschen beim CSD denke - «die Opfer, Freunde und Angehörigen».
Plate: «Für einen solchen Verlust gibt es keine Worte»
Peter Plate, ehemaliger Sänger des Duos Rosenstolz, schrieb auf Instagram: «Für einen solchen Verlust gibt es keine Worte. Und nichts kann ihn ungeschehen machen.» Gleichzeitig gab er sich kämpferisch: «Gerade jetzt zeigt sich, wer wir sind. Lassen wir zu, dass Hass noch mehr Hass hervorbringt? Dass Angst unser Leben bestimmt? Oder halten wir an dem fest, wofür Pride seit Jahrzehnten steht: Freiheit. Vielfalt. Respekt. Menschlichkeit», hieß es weiter. «Unsere Herzen sind gebrochen. Aber wir werden nicht zulassen, dass sie zerbrochen werden. Wir werden weiter laut sein. Wir werden weiter sichtbar sein.»
Der CSD in Berlin wurde am Samstagabend abgebrochen, nachdem ein Van am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Mindestens eine Frau wurde getötet, 16 weitere Menschen wurden verletzt.