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Stuckrad-Barre: Einmischung in Tagespolitik beschädigt Kunst

Der Romanautor hat schon in der Vergangenheit wenig warme Worte für seine Branche gefunden. Warum er Einmischung in die Tagespolitik für Selbstüberschätzung hält.

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Benjamin von Stuckrad-Barre Sebastian Gollnow/dpa

Berlin (dpa) - Schriftsteller sollten sich nach Auffassung des Autors Benjamin von Stuckrad-Barre nicht in die Tagespolitik einmischen. Auf eine entsprechende Frage sagte er den «Nürnberger Nachrichten»: «Es beschädigt den Künstler wie die Kunst. "Der hat doch gerade bei Caren Miosga Raketen gefordert - was soll ich jetzt dessen Buch lesen? Da denke ich doch sein Raketengeschwätz immer mit."» Er finde diese Selbstüberschätzung wirklich abstoßend. Gefühl und Politik seien selten ein schönes Paar. 

Angesprochen auf viele seiner Kolleginnen und Kollegen, die offene Briefe zur Politik unterschreiben, sagte der 51-Jährige, die Komik darin genieße er schon. «Es ist von diesen Podien der Kultur-Heinis ja dann auch wirklich nicht mehr weit bis zu Oliver Pocher, der – so las ich es – kürzlich in den Gazastreifen gereist ist, um sich dort "ein eigenes Bild zu machen" oder so. Es wurde dann ein Selfie. Aber immerhin: Das war das erste Mal, dass Oliver Pocher mich zum Lachen gebracht hat.» Pocher hatte im September das israelische Grenzgebiet zum Gazastreifen besucht und vor Ort gesagt, er sei dankbar, sich ein eigenes Bild vor Ort machen zu dürfen.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich der Bestsellerautor Stuckrad-Barre («Soloalbum», «Panikherz») kritisch über seine eigene Branche geäußert. Der Literaturbetrieb sei innerhalb der Kunstwelt der langweiligste Bereich, «notorisch verklemmt» und von «Langweilern und Bedeutungshubern» geprägt, sagte er der «Braunschweiger Zeitung» im vergangenen Jahr. «Stipendien und Preise erhalten die, deren Bücher möglichst kompliziert sind und keinen Spaß machen», frotzelte er damals.

© dpa-infocom, dpa:260129-930-616249/1