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Angriff oder Kauf: Was plant Trump mit Grönland?

Trump greift nach Grönland - und für die US-Regierung geht es dabei nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Auf der Arktisinsel wächst die Unruhe.

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Grönland und Trump Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Washington/Nuuk/Kopenhagen (dpa) - Im Streit um Grönland sendet die US-Regierung widersprüchliche Botschaften: Das Weiße Haus schließt einen Militäreinsatz zur Annexion ausdrücklich nicht aus, während Außenminister Marco Rubio Berichten zufolge einen Kauf der riesigen Arktisinsel favorisiert. Grönland mit seinen rund 56.000 Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark. 

Die dänische Regierung weist den Anspruch von US-Präsident Donald Trump Amerikas, den er mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet, entschieden zurück – ebenso die militärischen Drohungen. Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der Nato, sollten die USA Grönland angreifen. 

Größte Insel der Welt mit strategischer Bedeutung

Grönland, die größte Insel der Welt, ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Es liegt strategisch wichtig zwischen den USA, Russland und Europa. Auch der Großteil der Grönländer lehnt einen Anschluss an Amerika ab. 

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zu den US-Plänen: «Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.»

Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben

Außenminister Marco Rubio, aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. 

Unter Berufung auf Beamte berichtete die «New York Times» weiter, dass Trump um einen aktualisierten Plan zum Kauf der Insel gebeten habe. Trump hatte die Idee bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht. 

Dänemark und Europäer wehren sich gegen US-Vorstöße 

 

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte nach einer Krisensitzung im dänischen Parlament: «Es ist besorgniserregend, dass wir einen amerikanischen Präsidenten haben, der eine solche Ambition hat.» Er fügte an: «Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie nicht wahr wird.» Fraglich ist allerdings, wie Dänemark konkret dafür sorgen will. 

Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark sowie die nordischen Länder hatten sich am Dienstag in gemeinsamen Erklärungen mit Grönland solidarisiert. Abzuschrecken scheint das Trump und seine Regierung nicht. In Dänemark werden nun Rufe nach einer Vermittlung durch Nato-Generalsekretär Mark Rutte laut.

Trump verweist auf chinesische und russische Schiffe

Trump verweist bei seinen Besitzansprüchen unter anderem darauf, dass entlang der grönländischen Küste viele russische und chinesische Schiffe unterwegs seien. Es gehe ihm nicht um die Bodenschätze dort, davon hätten die USA selbst genug. Amerika brauche Grönland für seine nationale Sicherheit.

Experten verweisen dagegen darauf, dass die USA durch mehrere Abkommen mit Dänemark schon jetzt weitgehende Rechte haben, die Insel militärisch zu nutzen. In Pituffik, rund 1500 Kilometer nördlich von Nuuk, betreibt das US-Militär einen Stützpunkt, der Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen unterstützt. 

Dänischer Forscher: Sollten die USA angreifen, heißt es «Game Over»

Sollten die USA Grönland tatsächlich angreifen, stünde das Nato-Mitglied Dänemark allein da, prognostiziert der Forscher Peter Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie. «Niemand wird militärisch einen Finger für Grönland rühren», sagte Jakobsen dem dänischen Rundfunk. Falls die Amerikaner angreifen, heiße es «Game Over». «Und dann müssen sich die Grönländer damit abfinden, dass es einen neuen Hausmeister gibt.»

Bei den Bewohnern der Arktisinsel wächst angesichts der verschärften Drohungen die Sorge um die Zukunft des Landes. «Die letzten Tage waren sehr, sehr schwierig - und emotional aufwühlend», sagte Pitsi Karolussen in der Hauptstadt Nuuk dem dänischen Fernsehen. «Andererseits versuche ich auch, ruhig zu bleiben, weil wir nicht wissen, was passieren wird.» Sie wolle sich sicher in ihrem Land fühlen können. 

Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die Anbindung an Dänemark ist Grönland auch Teil der Nato. 

Gegenwind auch im US-Kongress

Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität Dänemarks respektieren.

USA haben schon lange ein Auge auf Grönland geworfen

Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf, der aber scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die USA 100 Millionen Dollar für Grönland - und in den 1970ern soll Vizepräsident Nelson Rockefeller laut US-Medien erneut mit Kaufgedanken gespielt haben.

© dpa-infocom, dpa:260107-930-507028/4