Wo die Marine stationiert ist - und wo sie investieren will
Die Marine braucht mehr Platz für Schiffe, Soldaten und Technik. An der Küste laufen bereits die Planungen. Wo wird gebaut, wo investiert – und was ist noch offen?
Wilhelmshaven/Bremerhaven/Kiel/Rostock (dpa) - Mehr Schiffe, mehr Personal und mehr Platz: Die Marine wird in den kommenden Jahren aufrüsten, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Besuch Anfang Oktober in Emden bekräftigte. Aktuell sei die Seeflotte die kleinste in der Geschichte der Bundeswehr, obwohl sie gleichzeitig die größten und umfangreichsten Aufgaben erfüllen müsse. «Also muss die Marine wachsen, und das wird sie.»
Derzeit verfügt die Marine nach eigenen Angaben über 15.900 Soldaten, 47 Schiffe sowie zwei Tanker. Neue Schiffe, Waffen, unbemannte Systeme und der Einsatz Künstlicher Intelligenz seien in Planung. «Aus dem geplanten Aufwuchs der Streitkräfte ergeben sich neben infrastrukturellen Bedarfen auch neue Standort- und Liegenschaftserfordernisse», teilte ein Sprecher der Marine mit.
Das wird absehbar Auswirkungen für viele Küstenstädte und Häfen in Norddeutschland haben. Ein Überblick über den Status quo - und die Zukunftspläne der Seeflotte:
Standort Emden - neuer Marinehafen an der Nordsee
Es ist das wohl größte Infrastrukturprojekt der Marine: In Emden soll bis Anfang der 2030er Jahre ein komplett neuer Marinehafen an der Emsmündung gebaut werden - auf einer Fläche so groß wie 630 Fußballfelder. Dort sollen bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Versorgungs- und Unterstützungsschiffe stationiert werden.
Standort Wilhelmshaven - größter Marinestandort überhaupt
Der Marinestützpunkt Heppenser Groden ist bislang der einzige an der deutschen Nordseeküste - und der größte der Republik überhaupt. Rund 10.000 Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten dort; neben dem Kommando der Einsatzflottille 2 mit Fregatten, Einsatzgruppenversorgern und Tankern gehören auch ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum zum Standort. Wegen des geplanten Wachstums der Flotte von 15 auf 20 Großschiffe wird der Stützpunkt derzeit um neue Gebäude erweitert.
Standort Bremerhaven - Milliarden für Nato-Drehkreuz
Im Verteidigungsfall werden Verbündete Personal und Material über den Hafen Bremerhaven und den Bremer Flughafen verlegen. Um das in die Jahre gekommene Nato-Drehkreuz zu modernisieren und auszubauen, investiert der Bund eine Rekordsumme von rund 1,35 Milliarden Euro. Mehr als 40 Maßnahmen sind geplant, darunter neue Schwerlastflächen, Brücken, vertiefte Hafenbecken sowie der Ausbau von Straßen und Bahnverbindungen. Die Arbeiten sollen bis 2031 abgeschlossen sein.
Standort Cuxhaven - Ausweichhafen im Ernstfall?
Der Marinestützpunkt Cuxhaven wurde Anfang der 90er Jahre aufgelöst. Konkrete Pläne für eine Reaktivierung gebe es aktuell nicht, sagte Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD). «Da haben wir gar nicht die Kapazität.» Wenn allerdings die Häfen in Bremerhaven und Emden im Ernstfall nicht einsatzfähig wären, könnten Schiffe stattdessen in Cuxhaven anlegen und Material umschlagen. «Dann kann ich mir vorstellen, dass Cuxhaven ein Ausweichhafen ist.» Die Stadt habe der Marine Bereitschaft signalisiert, dafür seien jedoch noch einige Investitionen nötig.
Standort Nordholz - bald modernster Luftlandeplatz Europas
Die Marine ist nicht nur auf See im Einsatz, sondern auch in luftiger Höhe. Das einzige Marinefliegerkommando mit rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten ist in Nordholz an der Wurster Nordseeküste stationiert. Der Standort soll in den nächsten Jahren für 400 Millionen Euro erneuert und zum modernsten Luftlandeplatz in Europa ausgebaut werden. Auch die Waffensysteme werden momentan auf Stand gebracht: Die Marineflieger sollen 18 Mehrzweckhubschrauber, 31 Bordhubschrauber und acht sogenannte Seefernaufklärer bekommen.
Standort Kiel - größter Stützpunkt an der Ostsee
Kiel ist größter Marinestandort an der Ostsee mit dem einzigen Minensuchgeschwader, dem Unterstützungsgeschwader, der Einsatzflottille 1 und einem Nato-Think-Tank für Operationen in flachen und begrenzten Küstengewässern. Rund 4.000 Dienstposten gibt es dort, absehbar sollen mindestens 1.500 weitere hinzukommen. Das bislang in Eckernförde stationierte Seebataillon soll nach Kiel verlegt werden. Stadt und Bund haben sich geeinigt, Teile des ehemaligen Geländes der Marineflieger im Stadtteil Holtenau an die Bundeswehr zurückzugeben, der Vertrag ist jedoch noch nicht unterschrieben. Zudem will die Marine den Marinehafen erweitern und dafür den benachbarten Scheerhafen übernehmen.
Standort Eckernförde - U-Boote und Kampfschwimmer
Eckernförde ist Heimathafen der sechs deutschen U-Boote und Sitz des Ausbildungszentrums für angehende U-Boot-Fahrende. Dort sind laut Marine etwa 3.000 Soldatinnen und Soldaten und Zivilangestellte stationiert. Es ist damit der zweitgrößte Standort an der Ostsee. Obendrein sitzt das Kommando Spezialkräfte der Marine mit den Kampfschwimmern in Eckernförde.
Die U-Boot-Flotte wird um Boote des Typs 212CD erweitert, die die Kieler Werft TKMS nicht nur für Deutschland, sondern auch für Norwegen baut. Kanada soll dritter Partner werde. Pistorius kündigte Investitionen von 500 Millionen Euro an, vor allem in Wasserbau.
Standort Rostock - Das Marinekommando
Der Standort Rostock hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen und gilt als eine Art «Marinehauptstadt». Seit 2012 ist das Marinekommando dort angesiedelt, also die höchste Instanz der Marine. Rund 1.800 Soldatinnen und Soldaten sind dort stationiert, hinzu kommen etwa 300 Zivilangestellte. Zum Standort zählt auch der Stützpunkt in Warnemünde mit dem 1. Korvettengeschwader und der Warnowwerft zur Wartung von Marineschiffen.