23.09.2019 | Reise Reiseanbieter Thomas Cook pleite: Das müssen deutsche Urlauber jetzt wissen

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Rund 140.000 Touristen aus Deutschland sind davon betroffen. Auch die deutsche Fluggesellschaft Condor und Neckermann-Reisen geraten unter Druck. Die wichtigsten Fragen und Antworten für deutsche Urlauber hier:

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Der älteste Touristikkonzern der Welt Thomas Cook ist pleite. Verhandlungen mit Investoren, um den britischen Konzern zu retten, sind gescheitert. Ein Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte das Unternehmen am Montagmorgen (23.09.) auf seiner Website mit.

Thomas Cook alle Flüge mit sofortiger Wirkung gestrichen. Von der Pleite des Reisekonzerns sind etwa 600.000 Touristen betroffen, darunter zehntausende Deutsche. Das deutsche Tochterunternehmen Condor hat bei der Bundesregierung umgehend einen Überbrückungskredit beantragt.

UPDATE 25.09. - Auch deutscher Reiseveranstalter Thomas Cook meldet Insolvenz an

Die Pleite des britischen Reise-Riesen Thomas Cook schlägt nun auch auf die deutsche Tochter im hessischen Oberursel durch. Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook mit den Marken Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen hat jetzt ebenfalls Insolvenz angemeldet.

Ziel ist allerdings, das Unternehmen zu retten und selbstständig fortzuführen. Thomas Cook Deutschland teilte mit, man wolle sich aus den finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen der insolventen britischen Thomas Cook Group lösen. Für eine Weiterführung hofft das Unternehmen auf Investoren.

Mehr als 100.000 Urlauber sind aktuell mit den Veranstaltern der deutsche Thomas-Cook-Gruppe auf Reisen. Zusammen mit dem Auswärtigen Amt und dem Reiseinsolvenzversicherer bemühe man sich um eine geordnete Rückführung der Gäste, heißt es.

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Wer eine Pauschalreise über Thomas Cook gebucht hat, hat natürlich auch Anspruch auf den bereits gebuchten und auch bezahlten Rückflug vom Urlaubsort nach Hause. Es sollte daher in jedem Fall der Versuch unternommen werden, sich an den Veranstalter (aus Beweisgründen immer schriftlich, z.B. per E-Mail) zu wenden, und dort um die Organisation des Rückflugs zu bitten. Kommt Thomas Cook dieser Verpflichtung nicht nach oder reagiert möglicherweise überhaupt nicht, so können sich alle Passagiere an den zuständigen (Insolvenz-)Versicherer von Thomas Cook wenden - jeder Pauschalreisende hat hierzu bei der Buchung der Reise einen sogenannten „Sicherungsschein“ (Sicherungsschein für Pauschalreisen gemäß § 651k des Bürgerlichen Gesetzbuchs) erhalten, auf dem wiederum die Kontaktdaten der zuständigen Versicherung stehen.

Im Falle von Thomas Cook ist dies die Zurich Versicherung. Mit einer Auszahlung, bzw. dem Ersatz „doppelter Fluggkosten“, kann allerdings frühestens Anfang nächsten Jahres gerechnet werden. Sofern nur ein Hotel, nicht aber der Flug über Thomas Cook gebucht wurde, liegt keine Pauschalreise vor und es besteht auch von Seiten von Thomas Cook keine Verpflichtung, eine derartige Insolvenversicherung vorzuhalten. Ob in einem derartigen Fall ebenfalls Ansprüche gegenüber der Zurich Versicherung geltend gemacht werden können, ist im Einzelfall zu prüfen. Es empfiehlt sich dringend, die Reiseunterlagen auf das Vorhandensein einer Insolvenabsicherung (= Sicherungsschein) hin zu prüfen.

Im Übrigen besteht natürlich auch jederzeit die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche im (jetzt laufenden) Insolvenzverfahren anzumelden - ob angesichts der prekären finanziellen Situation von Thomas Cook hier allerdings die realistische Chance besteht, mittelfristig sein Geld ganz oder zumindest teilweise wieder zu erhalten, wird die Zukunft zeigen.

Noch einmal der dringende Hinweis: Sofern hier „doppelte Zahlungen“ notwendig werden (Hotel und/oder Rückflug) ist es unerlässlich, sich die Zahlung quittieren zu lassen. Zudem sollte, sofern irgendwie möglich, mit der Kreditkarte gezahlt werden, weil hier über das sogenannten Charge-back-Verfahren die Möglichkeit besteht, „doppelte Zahlungen“ ganz einfach zurückbuchen zu lassen. Insoweit sollten sich Betroffene direkt mit dem zuständigen Kreditinstitut, bzw. den Kreditkartenanbieter in Verbindung setzen.

Was bedeutet das Thomas-Cook-Aus für Condor-Flüge?

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor darf aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen. Die deutsche Thomas Cook hatte nach der Insolvenz der britischen Mutter mitgeteilt, man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden. „Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut“, teilte Condor mit. Den Flugbetrieb hält der Ferienflieger aber aufrecht. „Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft“, heißt es.

Weitere wichtige Fragen und Antworten:

Was bedeutet Pleite für weitere deutsche Töchter von Thomas Cook?

Nach dem Insolvenzantrag von Thomas Cook haben auch die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie

  • Neckermann Reisen,
  • Bucher Last Minute,
  • Öger Tours,
  • Air Marin
  • und Thomas Cook Signature

gehören, den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte Thomas Cook GmbH in Oberursel bei Frankfurt mit. „Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus“, hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

Wie viele deutsche Urlauber sind betroffen?

Derzeit sind etwa 140.000 Touristen mit deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook im Urlaub. Für Abreisen am Montag (23.09.) und Dienstag (24.09.) sind nach Angaben der Thomas Cook GmbH rund 21.000 Gäste gebucht.

Glück im Unglück für Pauschalreisende

Hunderttausende Urlauber sind gestrandet und viele haben eine Pauschalreise über Thomas Cook für die Herbstferien, über Silvester oder schon für das neue Jahr gebucht. In Deutschland ist es gesetzliche Pflicht, dass jeder Kunde bei einer Pauschalreise einen sogenannten Sicherungsschein bekommt. Der Veranstalter muss eine Versicherung abschließen, damit im Falle einer Pleite nicht der Kunde am Schluss dumm da steht. Erst wenn der Kunde einen Sicherungsschein hat, darf der Reiseanbieter eine Anzahlung verlangen. Im Fall der Thomas Cook-Pleite muss der Versicherer alle Kosten erstatten.

Wer schon im Urlaub ist, bleibt als Pauschalurlauber auch nicht auf den Kosten für die Rückreise, zum Beispiel die Umbuchung auf eine andere Fluggesellschaft, sitzen. Wenn das Hotel dicht macht, erhaltet ihr die Kosten für eine gleichwertige Ersatzunterkunft und alle Auslagen, die anfallen. Auf der Rückseite der Reisebestätigung finden Pauschalurlauber den Sicherungsschein oder er ist in euren Reiseunterlagen mit angeheftet. Dort ist auf jeden Fall eine Adresse angegeben, an die sich Betroffene wenden können.

Seit Mitte 2018 gilt, dass auch sogenannte „verbundene Reiseleistungen“ gegen Insolvenzfolgen versichert sind. Das sind mindestens zwei Leistungen, zum Beispiel Flug und Hotel, die innerhalb eines Tages beim selben Anbieter gekauft wurden. Voraussetzung ist aber, dass jede Einzelleistung mindestens ein Viertel des Komplettpreises ausmacht.

Nach der Insolvenz von Thomas Cook Deutschland kümmert sich nach Angaben des Reiseverbandes DRV der Insolvenzversicherer Zurich um betroffene Pauschalreisende. „Dem DRV wurde bestätigt, dass die Zurich Versicherung die Kosten für zwischen Thomas Cook Deutschland und Leistungserbringern wie zum Beispiel Hotels und Fluggesellschaften vereinbarten Leistungen übernimmt“, teilte der Verband mit. Hotels in den Urlaubsgebieten hätten daher keinen Grund, Urlauber aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten. Der Insolvenzversicherer sei zudem verpflichtet, die Reisenden zurückzubringen.

Was kommt auf Individualreisende zu?

Wer keine Pauschalreise gebucht hat, sondern auf eigene Faust nur einzelne Leistungen von Thomas Cook, steht in der Regel mit leeren Händen da. Ansprüche auf Ersatzflüge bestehen nicht, sie müssen auf eigene Kosten neu gebucht werden. Es gibt oft auch keine Rückerstattung des bereits gezahlten Geldes, weil es Teil der Insolvenzmasse wird. Betroffene können ihre Forderungen aber beim Insolvenzverwalter anmelden. Gute Aussichten, zumindest noch einen Teil erstattet zu bekommen, gibt es allerdings nicht.

Können Reisebüros in Haftung genommen werden?

Unter Umständen, ja. Reisebüros müssen vor möglichen Risiken warnen, da sie eine Sorgfaltspflicht gegenüber Kunden haben. Die Schwierigkeiten beim Reisekonzern Thomas Cook sind seit Wochen bekannt. Sollte ein Reisevermittler nicht über mögliche Probleme informiert und Buchende belehrt haben, könnte er in Haftung genommen werden.

Ich bin als Urlauber gestrandet. Was sollte ich tun?

Auf jeden Fall alle Belege sammeln und aufheben. Zum Beispiel für zusätzliche Verpflegung, einen längeren Aufenthalt in einer Unterkunft oder für Taxifahrten. Mithilfe der Quittungen könnt ihr angefallene Mehrkosten belegen.

Außerdem sollten alle Pauschalreisenden, die am Urlaubsort festsitzen,  unverzüglich den Reiseveranstalter kontaktieren, um einen Ersatzflug zu bekommen. Wenn das nicht möglich ist, sollten Urlauber sich an den im Sicherungsschein benannten Ansprechpartner wenden. Wird der Flug abgesagt und keine Alternative angeboten, muss der Reisende seinen Flug selbst buchen. Die anfallenden Kosten werden über den Sicherungsschein erstattet. Der Höchstbetrag zur Absicherung des Insolvenzrisikos beträgt pro Reiseveranstalter im Jahr 110 Millionen Euro.