28.07.2022 | Verbraucherschutz Fake-Ware im Urlaub: Wie ihr sie erkennt und worauf ihr achten solltet

Der Handel mit gefälschter Markenware ist ein Milliardengeschäft. Und viele Menschen in Deutschland greifen gerne einmal zum Fake-Produkt - besonders im Urlaub. Denn so lässt sich billig Eindruck schinden. Doch die Sache hat natürlich einen Haken. Wir haben für euch das Wichtigste zusammengefasst.

Foto: picture alliance / dpa

Eiscreme, Sonnenöl - und eine gefälschte Rolex: In der Ferienzeit haben nicht nur Eisdielen und Schwimmbäder Hochsaison, sondern auch Produktfälscher. Denn nachgemachte Uhren oder Textilien werden gerne bei Auslandsreisen gekauft, wie aus einer am 22. Juli veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung EY hervorgeht.

Käufer meist ahnungslos

Mehr als jeder dritte Konsument in Deutschland hat demnach schon einmal bei Plagiaten von Schmuck, Bekleidung oder Technik zugegriffen - und meist wussten oder ahnten die Käufer nach eigener Aussage, was sie da erwarben. Gut zwei Drittel (68 Prozent) der Einkäufe geschahen im Ausland.

"Nachgemacht werden vor allem Produkte, die einen hohen Sex-Appeal für die Verbraucher haben. Dabei ist es egal, ob es sich um das neue Trikot der Fußballnationalmannschaft, eine Handtasche von Louis Vuitton oder eine Schweizer Luxusuhr handelt", 

sagt der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf. Wer eine gefälschte Gucci-Handtasche oder eine nachgemachte Rolex kaufe, wolle damit meist andere Leute beeindrucken. "Die meisten Leute erkennen ein Fake ja nicht."

Waren als Imagezeichen

Das erklärt vielleicht auch, warum über die Hälfte der Käufer der Umfrage zufolge mit der erworbenen Fälschung "sehr zufrieden" (17 Prozent) oder zumindest "überwiegend zufrieden" (42 Prozent) waren - auch wenn ihnen mehrheitlich bewusst war, dass die Produktpiraterie für die betroffenen Unternehmen gravierende Nachteile mit sich bringt. 

"Der vermeintlich niedrige Preis, den die Kunden für Plagiate bezahlen, kommt andere teuer zu stehen", 

warnte der Autor der EY-Studie Michael Renz.

"Es sind Milliarden, die die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden jedes Jahr durch Produktfälschungen verlieren."
Plagiate zerstören Kennzeichen von Luxusmarken

Für die betroffenen Luxusmarken sind mögliche Umsatzeinbußen durch Plagiate aber gar nicht unbedingt das Hauptproblem, betont der Handelskenner Fassnacht. Denn die Käufer der Plagiate könnten sich das Original in der Regel ohnehin nicht leisten. "Aber ein wichtiges Kennzeichen von Luxusmarken ist, dass sie rar und selten sind, und dieser Mythos wird durch die Plagiate zerstört." Dass Luxusmarken gerne mit limitierten Sondereditionen Begehrlichkeiten wecken, spielt den Fälschern nach Einschätzung von Fassnacht noch in die Hände. "Das heizt den Markt für Plagiate dann noch mehr an."

Niedrige Preise Hauptgrund für Käufer

Hauptgrund für den Kauf von Fälschungen ist der EY-Studie zufolge der niedrigere Preis der Nachahmungen. Fast drei Viertel der Befragten nannten das als Grund. Gut ein Viertel der Plagiatskäufer begründeten den Kauf aber auch mit dem einfachen Zugang zu den Fälschungen.

Bekleidung und Accessoires besonders beliebt

Besonders beliebt bei den Plagiat-Shoppern sind der Umfrage zufolge gefälschte Bekleidung und Accessoires, aber auch Schmuck und Uhren bekannter Marken. Gekauft werden die Plagiate laut EY in fast der Hälfte der Fälle auf Märkten oder bei fliegenden Händlern. Eine wachsende Rolle spielt aber auch das Internet, auf das zuletzt 28 Prozent der Einkäufe entfielen.

Besonders junge Menschen anfällig

Vor allem junge Leute schlagen nach einer Studie des EU-Amtes für geistiges Eigentum (EUIPO) häufig im Internet zu. Bei einer Umfrage unter mehr als 22 000 jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren in den 27 EU-Mitgliedsstaaten gab mehr als die Hälfte der Befragten an, im letzten Jahr mindestens ein gefälschtes Produkt wissentlich oder versehentlich über das Internet gekauft zu haben. In Deutschland kauften den Angaben zufolge 39 Prozent der Befragten wissentlich gefälschte Ware.

"Der Fälschungsmarkt ist gerade im Internet in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Mit wenigen Klicks lassen sich alle möglichen Plagiate von überall auf der Welt bestellen", 

berichtete EY-Experte Alexander Meinrad. Und der EUIPO-Exekutivdirektor Christian Archambeau warnte: "In einer Zeit, in der der elektronische Handel und der digitale Konsum erheblich zugenommen haben, ist die Zunahme des vorsätzlichen wie des unbeabsichtigten Kaufs nachgeahmter Waren ein besorgniserregender Trend."

Aggressive Chemikalien

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die EUIPO haben den weltweiten Schaden durch Fake-Produkte für das Jahr 2019 auf rund 412 Milliarden Euro geschätzt, was rund 2,5 Prozent des Welthandels entspreche. Fälscher widmen sich dabei längst nicht mehr nur nachgemachten Gucci-Taschen oder Rolex-Uhren für Touristen, gefälscht werden längst auch Medikamente, Werkzeuge und Maschinenteile - mit zum Teil lebensgefährlichen Konsequenzen. Gefahrlos ist der Kauf von Plagiaten aber selbst bei Allerweltsartikeln nicht. Billige Ersatzmaterialien bei Schmuck oder aggressive Chemikalien in der Kleidung können Käufer von Plagiaten krank machen. Tatsächlich nannte vier von fünf Befragten bei der EY-Studie Gesundheitsgefahren als größtes Risiko beim Kauf von Nachahmerprodukten. Trotzdem nähmen viele die Gefahr billigend in Kauf, meinte EY-Experte Renz. "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass nahezu alle Bundesbürger aktuell weniger Geld im Portemonnaie haben und die Inflation von einem Höchststand zum nächsten rast."

Fake-Marken und gefälschte Produkte im Urlaub erkennen

Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland hat hierzu wichtige Informationen zusammengestellt.

  • Material und Details: Gefälschte Produkte sind oft aus minderwertigen Materialien hergestellt. Schaut euch Details wie Nähte (schlecht verarbeitet?) und das Logo (Markenname richtig geschrieben?) an. Auch die Waschanleitung kann aufschlussreich sein. Bei Fake-Ware enthält sie oft Schreibfehler.
  • Verarbeitung: Produktfälschungen sollen oft nur nach außen hin und auf dem Foto qualitativ hochwertig wirken. Innen können zum Beispiel Taschen schief angenäht sein.
  • Verpackung: Steht auf der Packung der gleiche Markenname wie auf dem Produkt? Echte Markenprodukte werden nur selten in Plastik verpackt.
  • Herstellung: Nachgemachte Kosmetikprodukte können starke allergische Reaktionen hervorrufen. Vergleicht die Liste der Inhaltsstoffe mit der des Originals. Prüft, ob das Produkt im Originalbetrieb hergestellt wurde.
  • Preisvergleich: Der Preis ist zu schön um wahr zu sein? Ist der Preis viel günstiger als der einer offiziellen Verkaufsstelle, kann es sich um eine Fälschung handeln.
  • Kassenbeleg und Garantie: Auch bei Privatkäufen von Gebrauchtwaren könnt ihr an Markenfälschungen geraten. Bittet daher um den originalen Kassenzettel und Garantienachweis.
  • Strandverkäufe: Kauft keine angeblichen Markenprodukte am Strand oder Straßenrand. Da in manchen Ländern Geldbußen drohen, kann das Schnäppchen sich schnell als teure Enttäuschung herausstellen.
Plagiate nach Deutschland einführen strafbar?

Für Privatpersonen ist es nicht strafbar, eine Markenfälschung zu kaufen. Jedoch nur, wenn es sich nicht um Massen handelt, die zum gewerblichen Verkauf genutzt werden. Allerdings kann es passieren, dass euer im Internet bestelltes Produkt vom Zoll beschlagnahmt wird, da es sich um eine Fälschung handelt. Für Urlaubsreisende bedeutet das: Ein paar Markenfälschungen zu kaufen, ist in Ordnung und nicht strafbar. Der Zoll kontrolliert bei der Rückreise nach Deutschland aber, ob die Reisefreigrenze überschritten wurde. Wenn das der Fall ist, müssen Steuern gezahlt werden.

Die Studie des EU-Amtes für geistiges Eigentum (EUIPO) findet ihr hier. Weitere Daten zum Handel mit Fake-Waren findet ihr hier. Tipps zum Erkennen von Fake-Ware des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland findet ihr hier.

Jugendbarometer zum Thema geistiges Eigentum EUIPO

Entwicklungen im Handel mit Fake-Waren

Wie erkenne ich Fake-Ware?

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