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Bartgeier-Liebesgeschichte im Nationalpark Berchtesgaden

Junge Liebe bei Bartgeiern: Die frühreife Recka und ihr älterer Partner bauen schon an einem Horst. Was das für die Rückkehr der Art bedeuten könnte.

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Bartgeier Recka Sven Hoppe/dpa

Berchtesgaden (dpa) - Beim Bartgeier-Projekt im Nationalpark Berchtesgaden bahnt sich eine Liebesgeschichte an. Die erst 2022 ausgewilderte junge Vogel-Dame Recka hat einen Partner gefunden – ein älteres Männchen. «Unsere etwas frühreife Recka hat sich im Nationalpark Hohe Tauern mit einem dort ansässigen, älteren Männchen zusammengetan», berichtete der Projektleiter beim Naturschutzverband LBV, Toni Wegscheider. «Beide haben sich bereits gepaart und bauen gemeinsam an einem Horst.» 

Für Nachwuchs noch zu jung 

Das Projektteam hofft grundsätzlich, dass sich Paare bilden und irgendwann das erste Küken seit Jahrhunderten in der Region in freier Wildbahn schlüpft. «Mit einer erfolgreichen Brut rechnen wir heuer allerdings noch nicht. Dafür ist Recka noch zu jung», erläuterte Wegscheider weiter. 

Recka hatte im vergangenen Jahr auch dem ein Jahr jüngeren Nepomuk ein wenig den Kopf verdreht. Er war gerade zwei Jahre alt, als er vor einem Jahr Interesse an Recka und auch Bavaria erkennen ließ. Doch auch für ihn war es viel zu früh. 

Bartgeier werden in der Regel erst mit rund sechs Jahren geschlechtsreif. Für den Projektleiter ist Reckas frühe Romanze trotzdem ein gutes Zeichen. Sie zeige, dass sich die ausgewilderten Vögel in den Ostalpen heimisch fühlten.

«Die im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Jungvögel kehren größtenteils nach einigen Jahren des Vagabundierens in den Alpen wieder in ihre Heimat zurück, um dort ein Revier zu gründen.» Das sei ein wichtiger Beitrag zur Etablierung der Art in den gesamten Ostalpen.

Daheim ist's am schönsten - mit gutem Futter

Gerade zuletzt waren viele der in den vergangenen Jahren im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Vögel in ihrer «Heimatregion» unterwegs. «In den vergangenen Wochen haben wir bei guten Bedingungen regelmäßig mehrere Bartgeier gleichzeitig im Gebiet beobachtet», sagte Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. 

«Nepomuk, Wiggerl und Generl sind lange Zeit gemeinsam über dem Königssee in Sichtweite zu Vinzenz gekreist, der sich aktuell im nur wenige Kilometer entfernten Tennengebirge aufhält. Die Vögel profitieren in den Wintermonaten von den guten Nahrungsbedingungen im Nationalpark und in angrenzenden Regionen.»

Größte flugfähige Vögel 

1879 war laut Wegscheider der letzte Bartgeier auf deutschem Boden geschossen worden - am Hintersee bei Ramsau, nur etwa einen Kilometer von der Stelle entfernt, wo im Mai die jungen Vögel ausgesetzt wurden. Früher habe man die Tiere mit einer Spannweite bis zu 2,90 Metern für gefährlich gehalten. Tatsächlich aber sind sie für Menschen und Tiere ungefährlich. Sie fressen nur Aas.

© dpa-infocom, dpa:260311-930-800114/1