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Bayern als Hollywood-Kulisse - schockverliebt in St. Sebald

Der neue Kinofilm «The Uprising» mit Andrew Garfield spielt in England. Gedreht wurde er aber komplett in Bayern. So war es, als Hollywood an die Tür klopfte.

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Kinostart - «The Uprising - Für die Freiheit» Betina La Plante/Courtesy Of Focus Features/Leonine/dpa

Nürnberg (dpa/lby) - Die Nürnberger Altstadt kommt groß raus im Kino - allerdings ist sie im Historienfilm «The Uprising - Für die Freiheit» als solche nicht zu erkennen, denn dieser spielt eigentlich in England. Gedreht wurde er aber vor etwa einem Jahr komplett in Bayern: hauptsächlich in Nürnberg und den Penzing Studios bei München, zudem in Bad Windsheim und in Lichtenau. Noch heute schwärmen Regisseur Paul Greengrass, Hauptdarsteller Andrew Garfield und die vielen Menschen an den Drehorten von den Filmarbeiten - auch wenn dadurch tagelang Ausnahmezustand herrschte. 

«Am Anfang ging es nur um eine Kirche und um maximal zwei Drehtage», sagte Berlind Bernemann, Filmbeauftragte der Stadt Nürnberg. Am Ende seien es zwölf Drehtage an mehreren Orten in der Altstadt geworden. Vor allem Nürnbergs älteste Pfarrkirche St. Sebald taucht in etlichen Szenen auf. «Ich glaube, Paul Greengrass war einfach schockverliebt in die Sebalduskirche», erzählte Pfarrer Martin Brons. Mal habe diese als Kathedrale von Canterburry, mal als Schloss Windsor, mal als Schlafgemach des Königs, mal als Schreibstube gedient. 

Team wusste, wo jede einzelne Kerze hingehört

Dafür seien auch die Kirchenbänke und anderes Inventar ausgeräumt worden, erinnerte sich Brons. Doch das Team sei sehr professionell gewesen. Da habe jeder gewusst, wo jede einzelne Kerze hingehöre, so dass am nächsten Morgen trotz Dreharbeiten bis zum späten Abend alles für den Gottesdienst zurück auf seinen Platz gewesen sei. Es sei auch nichts umgebaut worden, erläuterte der deutsche Produzent Philipp Kreuzer. «Wo wir Räume erweitern mussten, geschah das digital, immer aufbauend auf dem, was real vor der Kamera stand.»

In einer Szene ist Brons auch selbst als Statist in einer kurzen Szene zu sehen. Die Dreharbeiten dafür hätten mehrere Stunden an zwei Tagen gedauert, sagte er. «Daran merkt man, welches Ausmaß ein solcher Film hat.»

5.000 Komparsen waren laut dem Filmfernsehfonds Bayern im Einsatz, insgesamt 50 Drehtage gab es. Einige davon im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim, dessen historische Gebäude im Film zu englischen Bauerndörfern mit 200 Darstellerinnen und Darstellern wurden. «Natürlich schluckt man als Museum erstmal, wenn so eine Riesenproduktion kommt», erzählte Sprecherin Lisa Baluschek. «Zum Glück lief das ja ganz gesittet ab.» Das Filmteam sei auf alle Wünsche und Bedenken eingegangen, der Umgang sei sehr wertschätzend gewesen. 

René Ohnemüller war einer der Komparsen, der einen der vielen aufständischen Bauern im Freilandmuseum gespielt hat. Zur Preview wenige Tage vor dem Kinostart am Donnerstag kam er in einem nachgestelltem Filmkostüm mit schmutzigem Gesicht und strähnigem Haar. «Es war ein einmaliges Erlebnis», berichtete er begeistert. «So einen herzlichen und respektvollen Umgang habe ich noch nie erlebt.»

Für Garfield war es eine tolle Zeit

Auch Hauptdarsteller Garfield (43) schwärmte in einem Interview mit dem US-Branchenmagazin «Deadline» von den Dreharbeiten. «Ehrlich gesagt war es wunderbar, in Deutschland, in Bayern zu drehen. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit mit einem großartigen deutschen Team und einigen Leuten aus Budapest», sagte er. 

Bei der Preview in Nürnberg schickte er wie Regisseur Greengrass ein Grußwort aus den USA, in dem er sich besonders bei den Nebendarstellern bedankte: Diese hätten jeden Tag viel Herzblut und Talent gezeigt. «Wir hoffen, dass ihr euch säubern konntet und dass ihr eine Weile keinen Schlamm mehr gesehen habt», sagte er mit einem Lachen als Anspielung darauf, dass viele Komparsen im Film ziemlich schmutzig wirken und bei Kämpfen im Schlamm landen. 

Den Film hätte man auch in England drehen können, aber dort wäre es schwieriger geworden, sagte Produzent Kreuzer. «Diese Dichte an erhaltener mittelalterlicher Bausubstanz findet man selbst in England kaum noch.» Draußen gedreht wurden ihm zufolge auch die Kampf- und Marschszenen mit Pferden über große Wiesen. Das sei alles echt gewesen - mit einer Ausnahme: «Die Bäume nicht, weil in Deutschland sind die Bäume ein bisschen dünner», sagte er. «Die haben wir dann einfach gebaut.»

© dpa-infocom, dpa:260909-930-655421/1