In vielen Welten zu Hause: Hans Maier ist tot
Er war Kultusminister, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ein engagierter Wissenschaftler – und immer ein Mann der klaren Worte. 94-jährig ist der CSU-Politiker gestorben.
München (dpa/lby) - Widerspruch hat Hans Maier (CSU) nie gescheut – auch im hohen Alter nicht. Als beispielsweise auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 die Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immer lauter wurde und auch Bayerns damaliger Ministerpräsident Horst Seehofer von der Schwesterpartei CSU darin einstimmte, sagte der einstige Kultusminister an die Adresse seines Parteifreundes: «Ich hoffe, er stellt die Attacken auf die Bundeskanzlerin ein. So kann man mit einer verdienten Politikerin nicht umgehen.» Maier war damals 84 Jahre alt.
Nun ist der tiefgläubige Wissenschaftler und Politiker 94-jährig wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag am Montag in München gestorben. Das teilte seine Familie mit. Die Termine für Trauerfeier und Beerdigung würden später bekanntgegeben. Erst vor drei Monaten war Maiers Ehefrau Adelheid gestorben. «Das hat ihm schwer zugesetzt, die waren extrem eng verbunden», sagte Tochter Johanna Stegmaier. Das Paar sei mehr als 60 Jahre verheiratet gewesen.
Söder: Bayern verliert großen Gelehrten und Staatsmann
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte Maier als «einen großen Gelehrten und Staatsmann». «Er war gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit», sagte der CSU-Vorsitzende. «Er war ein wertkonservativer Intellektueller von prägender Gestalt.»
Maier habe insbesondere die Bildungslandschaft jahrzehntelang geprägt und wesentliche Grundlagen für die heutige Spitzenstellung Bayerns als Wissenschafts- und Bildungsstandort gelegt, sagte Söder. Als Katholik sei er seiner Kirche tief verbunden gewesen, als unabhängiger Denker und Mahner habe er aber auch aktiv Verantwortung und Reformbereitschaft eingefordert. «Auch in der CSU war er eine prägende Persönlichkeit, die stets für ihre Prinzipien einstand und diese unerschrocken artikulierte. Hans Maier verband wissenschaftliche Brillanz mit politischem Mut und christlicher Verantwortung.»
Rücktritt wegen Aufteilung seines Ministeriums
Die - beispielhaft genannte - Auseinandersetzung mit Seehofer entsprach Maiers Naturell. Zu widersprechen hatte er schon zu Lebzeiten von Franz Josef Strauß gelernt. Als der CSU-Übervater als Bayerns Ministerpräsident das von Maier geleitete Kultusministerium nach der Landtagswahl 1986 zwischen Schul- und Wissenschaftsressort aufteilte, machte Maier nicht mit und trat zurück. «Ich bin sehr froh, dass ich mich dann wieder mehr der Wissenschaft zuwenden konnte», sagte er rückblickend. Und: «Alles hat seine Zeit.»
Vor seiner politischen Karriere hatte Maier Geschichte, Romanistik, Germanistik und Philosophie in Freiburg und München studiert. Er promovierte zum Thema «Revolution und Kirche», 1962 wurde er Politik-Professor an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Nach seiner Ministerzeit kehrte er dorthin zurück. Er bekam den renommierten Guardini-Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie, benannt nach dem Religionsphilosophen und Theologen Romano Guardini.
Er scheute auch nicht die Auseinandersetzung mit der Amtskirche
Von 1976 bis 1988 war Maier Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Dies hinderte ihn später aber nicht daran, sich für die Konfliktberatung schwangerer Frauen durch den Verein «Donum Vitae» zu engagieren. Die Amtskirche ging ihn deshalb scharf an. Mancher Bischof verweigerte Maier gar den Zutritt kirchlicher Räume für Lesungen aus dessen Büchern.
«Manchmal muss man auch in der Kirche dagegen halten», meinte der Vater von sechs Töchtern einmal und fügte mit Blick auf den weitgehenden Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung hinzu: «Ich hoffe, dass sie das heute bereuen.»
Die Liste von Maiers Ämtern, Auszeichnungen und Ehrungen ist lang – getoppt wird sie allenfalls von der Aufzählung seiner Veröffentlichungen, Bücher und Aufsätze. Maier gehörte der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an.
Er wirkte auch als Präsident des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, das er selbst mitgegründet hatte. Noch im Jahr 2020 nahm Maier in München an einer Demonstration teil, bei der mehr Hilfen für die von der Corona-Krise gebeutelte Kulturbranche und insbesondere freiberufliche Künstler gefordert wurden.
Wenn Maier trotz der vielen Beschäftigungen noch Zeit hatte, spielte er in seiner Münchner Heimatpfarrei bei Gottesdiensten Orgel. Mit elf Jahren hatte er damit begonnen. Einmal meinte er zu dieser Leidenschaft: «Das ist vielleicht die stärkste Kontinuität in meinem Leben.»
Stolz und Blume würdigen Maier
Die heutige Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) und Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) würdigten ebenfalls Maiers Verdienste. «Mit Hans Maier verlieren wir einen herausragenden Politiker und Pädagogen, der als Kultusminister, Parlamentarier und Publizist die Bildungspolitik in Bayern über Jahrzehnte geprägt hat», sagte Stolz. Blume betonte: «Mit klarer Haltung und beeindruckender Konsequenz hat er über Jahrzehnte hinweg das geistige, kulturelle und politische Leben unseres Landes auf einzigartige Weise geprägt. Seine Stimme wird fehlen.»