Keine Hinweise auf Verbrechen nach Tod von Messerangreifer
Ein Messerangreifer stirbt in Haft. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es nicht. Doch Fragen zu seiner Betreuung im Gefängnis sind noch offen.
Würzburg (dpa/lby) - Nach der Obduktion der Leiche des Messerangreifers vom Würzburger Hauptbahnhof steht fest, dass der Mann nicht umgebracht wurde. Es gebe keine Hinweise auf Fremdeinwirkung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, sondern es sei von Suizid auszugehen. Weitere Details etwa dazu, wie der 35-Jährige sich getötet haben soll, nannte er nicht. Der Flüchtling war am Montag tot in seiner Zelle in der Untersuchungshaft in Würzburg entdeckt worden. Der Mann soll eine Woche zuvor am Hauptbahnhof drei ihm unbekannte Männer grundlos mit einem Messer attackiert haben. Die Opfer wurden leicht verletzt.
Motiv für Attacke noch nicht bekannt
Die Tat richtete sich nach bisherigen Erkenntnissen gegen einen Stand der Zeugen Jehovas. Das Motiv des Mannes ist laut Staatsanwaltschaft weiter ungeklärt. Normalerweise würden Ermittlungen nach dem Tod des mutmaßlichen Täters eingestellt. Ob dies auch in diesem Fall so sein wird, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.
Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Gemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Weltweit haben sie nach eigenen Angaben etwa 9,2 Millionen Mitglieder.
Geprüft werde derzeit allerdings, ob es im Gefängnis Würzburg Pflichtverletzungen hinsichtlich des Umgangs mit dem Mann gegeben habe. Solch ein Vorgehen sei nach dem Tod eines Häftlings üblich.
Keine Suizidgefahr im Gefängnis attestiert
Der Afghane war nach der Attacke am 23. Februar festgenommen worden und in Untersuchungshaft gekommen. Bei seiner Ankunft im Gefängnis gab es laut Justizvollzugsanstalt (JVA) keine Hinweise darauf, dass der geduldete Asylbewerber suizidgefährdet sein könnte. Der Afghane wurde demnach zunächst in einem Gemeinschaftsraum untergebracht. Weil er dort nach Angaben der Gefängnisverwaltung Mitgefangene provozierte, wurde er noch am selben Tag in einen videoüberwachten Haftraum der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses verlegt.
Der Anstaltspsychiater habe den Mann am 25. Februar begutachtet und ebenfalls keine Hinweise auf Suizidgefahr gesehen. «Der Psychiater stellte daraufhin die Geeignetheit des Gefangenen zur Einzelunterbringung fest», hieß es in der Stellungnahme. Tatsächlich in eine Einzelzelle verlegt wurde der 35-Jährige laut JVA am 26. Februar nach einer zweiten ärztlichen Einschätzung, die ebenfalls keine Hinweise auf einen drohenden Suizid ergeben hatte.
Mehrfach in psychiatrischer Behandlung
In den vergangenen Jahren war der 35-Jährige mehrmals in psychiatrischen Kliniken untergebracht. Laut Staatsanwaltschaft befand er sich 2024 und 2025 «aufgrund richterlicher Beschlüsse» in entsprechenden Kliniken in Lohr und in Würzburg. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt.