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Marode Bahn: Zugstreichungen in der Diskussion

Das bayerische Schienennetz ist in so schlechtem Zustand, dass die Bahn über Zugstreichungen nachdenkt. Verkehrsminister Bernreiter will das nach Möglichkeit verhindern.

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Pressekonferenz zur Zukunft des Bahnverkehrs in Bayern Malin Wunderlich/dpa

München (dpa/lby) - Die Deutsche Bahn denkt wegen des maroden Schienennetzes über Zugstreichungen in Bayern nach. Das sprach der CSU-Verkehrsexperte Jürgen Baumgärtner im Landtag nach einer nicht öffentlichen Diskussion des Verkehrsausschusses mit Bahnchefin Evelyn Palla an.

«Sie werden uns auch als Partner an Ihrer Seite finden, wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass wir möglicherweise Knotenpunkte entlasten müssen», sagte der Ausschussvorsitzende und oberfränkische Landtagsabgeordnete bei einer gemeinsamen Pressekonferenz an Palla gewandt. «Was möglicherweise auch dazu führt, dass wir den einen oder anderen Zug streichen müssen.» 

Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) will das jedoch nach Möglichkeit verhindern. «Ich habe keinen Plan, wie viele Züge wir streichen, darum geht's eigentlich nicht.» Eine definitive Aussage der DB gab es bei der Pressekonferenz nicht, diese soll erst Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche kommen, wenn eine Task-Force der Bahn dem Bundesverkehrsministerium Bericht erstattet.

Bahn belässt es bei Andeutungen

«Da wird es auch zu diesem Thema Trassenvergabe Aussagen geben», sagte Philipp Nagl, der Chef der für Schienen und Bahnhöfe zuständigen DB-Gesellschaft Infrago. Bei der Pressekonferenz ließ der Manager es bei Andeutungen bewenden: «Natürlich ist es so, dass die Regeln so gesetzt werden können, dass man die Trassenvergabe mehr oder weniger zugunsten der Qualität oder der Kapazität gestalten kann» - Kapazität bezieht sich auf die Zahl der auf einer Strecke eingesetzten Züge.

Grüne: Staatsregierung muss mehr Geld für die Bahn geben

Unabhängig vom Thema Zugstreichungen forderten die Grünen die Staatsregierung auf, mehr Geld in die Bahn zu investieren. «Beim Straßenbau ist die CSU immer die Nummer eins und sagt, wir holen Milliarden nach Bayern», sagte Grünen-Verkehrsexperte Markus Büchler anschließend. «Aber bei der Eisenbahn gelingt es ihr nicht, und drum sind wir so schlecht beieinander.» 

Sanierung maroder Strecken dauert noch zehn Jahre 

Dass das bayerische Schienennetz in sehr schlechtem Zustand ist, bestritten weder Bahnchefin Palla noch Verkehrsminister Bernreiter. «Wir haben eine Schieneninfrastruktur in Deutschland, insbesondere auch in Bayern, die über Jahre, Jahrzehnte vernachlässigt worden ist», sagte Palla. Das könne man nicht in einzelnen Jahren aufholen. «Die Erneuerung der Infrastruktur wird mit Sicherheit noch zehn Jahre benötigen.»

Ärger über die Münchner S-Bahn in der Wirtschaft

Ebenfalls kein Blatt mehr vor den Mund nahm die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, die sich in scharfen Worten über die von chronischen Pannen, Zugausfällen und Verspätungen geplagte Münchner S-Bahn beschwerte. «Es ist für unsere Bürger und Betriebe gleichermaßen untragbar, dass die Ausfälle sowie Störungen bei den S-Bahnen wegen der maroden Infrastruktur immer mehr werden und es schlicht keine Verlässlichkeit mehr gibt», sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl über das meistgenutzte Netz im bayerischen Bahn-Regionalverkehr. «Für Pendlerinnen und Pendler, internationale Geschäftskunden und Gäste ein fast schon tägliches Desaster.» 

Bernreiter: Vollsperrung München - Rosenheim soll es nicht geben

Vom Tisch ist nach den Worten Bernreiters jedoch die von der DB für 2028 angedachte mehrmonatige Sperrung der Bahnstrecke zwischen München und Rosenheim. «Darum bin ich sehr dankbar, dass wir jetzt gemeinsam zur Überzeugung gekommen sind, dass wir diesen Hochleistungskorridor anders angehen müssen, dass wir den nur für jeweils kürzere Etappen sperren können.» Auf der Strecke verkehren sowohl Züge nach Salzburg und Wien als auch nach Innsbruck und über den Brenner nach Italien.

© dpa-infocom, dpa:260316-930-824403/2