Neue Festspielchefin will Wogen in Salzburg glätten
Nach dem Eklat um den Führungsstil bei dem berühmten Festival verspricht die neue Intendantin Offenheit und ein gesundes Arbeitsklima. Doch zunächst muss sie irritierte Kulturstars beruhigen.
Salzburg (dpa) - Der Abgang des langjährigen Salzburger Festspiel-Intendanten Markus Hinterhäuser hat in Kulturkreisen Irritationen ausgelöst. Seine Nachfolgerin Karin Bergmann wirbt nach eigenen Worten nun um das Vertrauen der namhaften Künstlerinnen und Künstler, die das österreichische Opern-, Konzert- und Theaterfestival gestalten.
Sie habe bereits mit Regisseuren, und Schauspielern sowie mit Elfriede Jelinek und Peter Handke gesprochen, sagte Bergmann am Mittwoch in ihrer ersten Pressekonferenz als Übergangs-Intendantin. Die beiden Literaturnobelpreisträger hatten ein Künstler-Protestschreiben gegen die vorzeitige Auflösung von Hinterhäusers Vertrag mitunterzeichnet. Bei den kommenden Festspielen im Sommer stehen Jelinek- und Handke-Uraufführungen auf dem Programm.
Das Aufsichtsgremium hatte sich von dem künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreichen Intendanten nach einem Streit um seinen Führungsstil getrennt. Diesen Schritt, und die öffentliche Verurteilung Hinterhäusers, bezeichneten die Künstler in dem Schreiben vom Dienstagabend als «beispiellosen, würdelosen und für uns nicht nachvollziehbaren Vorgang».
Protest von Handke, Jelinek, Moretti und Levit
Auch andere eng mit dem Festival verbundene Künstler wie der Starpianist Igor Levit, der Schauspieler Tobias Moretti und die Sopranistin Asmik Grigorian unterzeichneten den Brief. Bergmann sagte, das Schreiben richte sich nicht gegen sie, sondern gegen Unklarheiten rund um den Abgang Hinterhäusers.
Nun gelte es, für die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu sorgen, um das hohe künstlerische Niveau der Festspiele zu halten, sagte Bergmann. Dafür will die ehemalige Direktorin des Wiener Burgtheaters ein Arbeitsklima entwickeln, in dem sich jeder «aufgehoben und angenommen» fühlt. Bergmann kritisierte aber auch, dass bei den Festspielen und anderen Institutionen Vorwürfe zu Herabwürdigungen und anderen Vorfällen erst nach langer Zeit und anonym erhoben würden. Wichtig seien deshalb Offenheit, Dialog und frühzeitige Kommunikation.
Die aus dem Ruhrgebiet stammende Bergmann war ursprünglich als Leiterin der Theater-Sparte der Festspiele an der Seite Hinterhäusers im Gespräch. Nun hat sie vorläufig bis 2027 sein Amt übernommen. «Ich sehe mich für zwei Sommer als Brückenbauerin», sagte sie. Eine Bewerbung als dauerhafte Intendantin schließt Bergmann nach eigenen Angaben aus, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete.