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Warnstreiks bremsen Nahverkehr in Bayern

Im Kampf um mehr Geld für die Beschäftigten bleiben erneut zahlreiche U-Bahnen, Busse und Trams in den Depots. In der Landeshauptstadt fährt aber doch einiges.

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Ganztägige Warnstreiks im Nahverkehr Peter Kneffel/dpa

München (dpa/lby) - Ein weiterer Warnstreik hat den öffentlichen Nahverkehr in mehreren bayerischen Städten beeinträchtigt. Neben den vier größten Kommunen München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg waren unter anderem auch Fürth, Bayreuth, Dachau, Passau, Landshut, Schwabach und Schweinfurt betroffen. Wie bereits bei früheren Ausständen fuhren S-Bahnen, Regionalzüge und Regionalbuslinien, weil sie andere Betreiber haben. 

In vielen Städten gab es ein behelfsmäßiges Angebot. Wie stark es ausfällt, hängt in der Regel davon ab, wie hoch die Streikbeteiligung ist und wie viele Buslinien von Drittfirmen bedient werden. In München fuhr laut Verkehrsgesellschaft MVG sogar teilweise die U-Bahn - am Vormittag auf zwei Abschnitten der Linien U3/U6 und U2/U5. Zudem waren drei Tramlinien und laut MVG etwa zwei Drittel der Busse im Einsatz. Diese fuhren unregelmäßig auf allen Linien. 

«Wenn sich zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer zum Dienst melden, wird der Betrieb bei U-Bahn und Tram gegebenenfalls auf zusätzliche Abschnitte und Linien ausgeweitet», hatte die MVG am Morgen angekündigt. Ansonsten empfahl das Unternehmen, «am Streiktag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen, wenn das möglich ist».

Nachtlinien als Basis

In Nürnberg gab es einen Streikfahrplan für Busse auf Basis der Nachtlinien. U-Bahn und Busse blieben in den Depots. In den zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) gehörenden Gemeinden Fürth, Schwabach und Bayreuth gab es ebenfalls Notfahrpläne.

Auch in Regensburg diente das Nachtlinienangebot als Basis des Streikfahrplans, zudem verkehrten einzelne Linien. Auf vielen Strecken entfielen aber alle regulären Fahrten. 

Fahrrad statt Bus in Augsburg

«Zum Erliegen» kam der öffentliche Nahverkehr in Augsburg. «Bis auf eine Straßenbahn sind alle der rund 150 Busse und Straßenbahnen der swa heute Morgen in den Depots geblieben», teilten die Stadtwerke Augsburg (swa) mit. «Es fahren lediglich Busse auf den Stadtteillinien 21, 24/25 und 38. Diese Linien sind an private Busunternehmen vergeben, die nicht bestreikt werden.» Als Alternative könne die gesamte Flotte von 940 Fahrrädern des Leihradsystems der Stadtwerke kostenlos genutzt werden. 

 «In Niederbayern ist nichts an kommunalem Verkehr rausgefahren», schilderte Verdi-Sprecherin Katharina Wagner am Morgen. In München sei das Teil-Angebot dadurch zustande gekommen, dass die MVG gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesprochen und die Dienstpläne so gestaltet habe, dass vorrangig Menschen ohne Streikbereitschaft eingeteilt worden seien. 

Handelsverband verärgert

Auch wenn er die durch den Warnstreik entstehenden Umsatzeinbußen nicht genau beziffern kann, zeigte sich der Handelsverband Bayern von den Einschränkungen im Nahverkehr wenig begeistert. «Jeder Euro Verlust ist in diesen Zeiten für den Handel sehr schmerzhaft», sagte Sprecher Bernd Ohlmann. «Es ist auf jeden Fall ein Millionenschaden.» Abgesehen davon, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schwierigkeiten hätten, zur Arbeit zu kommen: «Das Signal ist fatal: Es bedeutet für viele, die von außerhalb kommen, man braucht gar nicht erst in die Stadt reinzufahren.» 

Über was beide Seiten reden

Zu der vorübergehenden Arbeitsniederlegung hatten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Nahverkehrsgewerkschaft aufgerufen, um am Vortag der fünften Verhandlungsrunde den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen. Der Tarifkonflikt wurde bereits von mehreren Warnstreiks begleitet. Inzwischen hat Verdi die ursprüngliche Forderung einer kräftigen Entgelt-Erhöhung reduziert und will neben einer Verkürzung der Arbeitszeit und verbesserten Arbeitsbedingungen ein Plus von 550 Euro in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 24 Monaten erreichen. 

Die kommunalen Arbeitgeber lehnen das angesichts der hohen Defizite im öffentlichen Nahverkehr nach wie vor als «realitätsfern» ab, auch wenn sie nach eigenen Angaben inzwischen «ein deutlich verbessertes Angebot» vorlegten. Dies beinhalte bei einer Laufzeit von 24 Monaten eine Entgeltsteigerung um mehr als 6 Prozent, bei einer Laufzeit von 48 Monaten mehr als 9 Prozent sowie die Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde. Zudem gebe es bei beiden Varianten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Damit habe man «die Grenze des Leistbaren erreicht».

© dpa-infocom, dpa:260414-930-941059/5