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Pflegegrad 1: Barmer fordert Reform der Pflegeversicherung

Für die explodierenden Preise in der Pflege dürften viele die stark gestiegenen Kosten der zurückliegenden Jahre verantwortlich machen. Die Barmer identifiziert aber einen anderen Hauptgrund.

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Pflege Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

München (dpa/lby) - Aus Sicht der Barmer in Bayern sind weder die alternde Gesellschaft noch Inflation oder Lohnerhöhungen Haupttreiber der stark gestiegenen Kosten in der Pflegeversicherung. Stattdessen liege der Hauptgrund in der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes im Jahr 2017, betonte Landesgeschäftsführer Alfred Kindshofer unter Verweis auf den neuen Pflegereport der Kasse, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag.

Mit der Reform der Pflegeversicherung wurden 2017 die bis dahin gültigen Pflegestufen abgeschafft und durch Pflegegrade ersetzt. In dem Zuge wurden die Leistungen ausgeweitet, was etwa eine deutliche Besserstellung von Demenzerkrankten bedeutet habe. 

Zusätzlich wurde auch der Pflegegrad 1 neu eingeführt, dadurch wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten vergrößert. Der Barmer zufolge bedeutet das in konkreten Zahlen: 2017 hatten in Bayern rund 20.700 Menschen den Pflegegrad 1. Im Jahr 2024 waren es bereits 117.500 - ein Anstieg um 467 Prozent.

«Die Pflegeversicherung muss umgehend reformiert und finanziell stabilisiert werden», forderte Kindshofer daher. «Die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürfen nicht noch stärker belastet werden.» 

Ein wichtiger Baustein dafür sei, Versicherung und Pflegebedürftige von den Kosten für die Pflegeausbildung zu befreien. «Hier ist der Freistaat in der Pflicht, denn die Ausbildung von Pflegekräften stellt eine öffentliche Aufgabe dar und muss deshalb über Steuern finanziert werden», forderte Kindshofer. Außerdem solle der Freistaat die Investitionskosten für Bau, Instandhaltung und Ausstattung der Pflegeheime übernehmen.

© dpa-infocom, dpa:260226-930-736895/1