Trübe Aussichten für bayerische Wirtschaft
Seit Beginn der Corona-Pandemie vor sechs Jahren folgt für die Wirtschaft ein Schock nach dem anderen. Kaum keimt Hoffnung auf, folgt wieder eine Hiobsbotschaft - in diesem Frühjahr der Irankrieg.
München (dpa/lby) - Die zarten Frühlingshoffnungen der bayerischen Unternehmen auf ein Ende der langen Krise sind verflogen. Die Geschäftserwartungen sind derzeit wieder in allen Branchen negativ - und damit so schlecht wie vor dem Regierungswechsel 2025. Dementsprechend steht laut neuem Konjunkturbericht des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) ebenfalls in allen Branchen eine Beschleunigung des Stellenabbaus in Aussicht, vor allem in der Industrie als wichtigstem Wirtschaftszweig. Grundlage ist die Befragung von rund 3.400 Unternehmen aus Industrie, Baubranche, Dienstleistungsbranche, Handel und Tourismus.
Der BIHK-Konjunkturindex sank um 6 auf 101 Punkte, sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch der Aussichten für die nächsten Monate ist schlechter als im Herbst. Im Langzeitvergleich ist die Stimmung derzeit zwar weniger düster als zu Beginn der Coronakrise oder in der ersten Phase des Ukraine-Kriegs, doch hält das Tief nun schon drei Jahre an.
Risikofaktor deutsche Politik
Jeweils mehr als 60 Prozent der befragten Firmen nannten nahezu gleichrangig drei Risikofaktoren: Den durch den Irankrieg ausgelösten Anstieg der Energiepreise, die «wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen» in Deutschland - das zielt auf die Politik - und die schwache Inlandsnachfrage. Als vierter großer Risikofaktor folgen mit knapp unter 60 Prozent die Lohnkosten. Der BIHK machte die Bundesregierung mitverantwortlich: «Ausbleibende Reformen und ein neuerlicher Energiepreisschock würgen das Wachstum ab», sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl.
Preise werden voraussichtlich steigen
In den nächsten Wochen und Monaten werden Unternehmen und Verbrauchern demnach weitere Preissteigerungen ins Haus stehen. Im Schnitt sämtlicher Wirtschaftszweige sagten 65 Prozent der Firmen, dass sie höhere Kosten ganz oder teilweise an ihre Kunden weitergeben wollen. «Die Preisentwicklung an den Tankstellen ist nur ein Vorbote für weiter steigende Preise in der Breite, die nach und nach entlang der Lieferketten bei den Kunden und Verbrauchern ankommen werden.»