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Waldbrand am Saurüsselkopf: 160 Hektar in Flammen

Fast 300 Einsatzkräfte und Hubschrauber im Dauereinsatz - trotzdem hat sich das Feuer am Saurüsselkopf weiter vorgefressen. Warum die Löscharbeiten für alle zur Nervenprobe werden.

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Waldbrand am Saurüsselkopf Matthias Brüning/dpa

Ruhpolding (dpa/lby) - Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen kämpfen an die 290 Einsatzkräfte gegen einen verheerenden Waldbrand - noch einmal mehr als am Vortag: Das Feuer bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein hat sich weiter ausgebreitet. Nach aktueller Lageeinschätzung seien rund 160 Hektar Fläche betroffen, teilte das Landratsamt Traunstein mit. Am Vortag war noch die Rede von rund 50 Hektar. An dem Berg lodern seit Sonntagabend die Flammen. 

«Die Lage im Einsatzgebiet bleibt weiterhin anspruchsvoll und dynamisch», erläuterte das Landratsamt. Die Hubschraubereinsätze zeigten erste Wirkung, der Brand weite sich aber weiter aus. Die Lage im Bereich der Landesgrenze zu Österreich werde besonders beobachtet. Der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) hatte am Vortag den Katastrophenfall ausgerufen. «Wir sind auf überörtliche Hilfe angewiesen.» Der Schwerpunkt liegt auf der Brandbekämpfung aus der Luft. 

Welche Hubschrauber sind im Einsatz?

Aktuell helfen laut Landratsamt elf Hubschrauber beim Löschen: Drei von der Bundeswehr, vier von der Landespolizei, einer von der Bundespolizei, ein Hubschrauber der Landespolizei Baden-Württemberg sowie zwei Hubschrauber von Heli Austria. Die Bundeswehr-Hubschrauber können laut Danzer rund 5.000 Liter Wasser transportieren, deutlich mehr als die Hubschrauber der Polizei. Weil ein sicherer Einsatz am Boden nicht möglich ist, werfen Hubschrauber kontinuierlich Wasser ab, um die Flammen einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Nachts können die Hubschrauber aus Sicherheitsgründen nicht zum Löschen aufbrechen. 

Was macht die Löscharbeiten so schwierig?

Das Gelände rund um den etwa 1.270 Metzer hohen Saurüsselkopf ist extrem steil, unwegsam und teilweise gefährlich für Einsatzkräfte am Boden. Es gibt kaum begehbare Wege. Die Ausbreitung des Feuers und mögliche herabfallende Äste sind zusätzliche Risiken. Am Boden sind Einsatzkräfte zwar auch tätig, aber nur da, wo das Gelände einen sicheren Einsatz zulässt. «Der Einsatz bleibt aufgrund des steilen, Fels durchsetzten und schwer zugänglichen Geländes besonders kräftezehrend», erläuterte das Landratsamt. Unter anderem sind Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdienst, Polizei, Katastrophenschutz, Forstbehörden und Gemeinde beteiligt.

Wie hat sich die Lage entwickelt?

Die wechselnde Windrichtung hatte in der Nacht zu einer Rauchausbreitung geführt. An der Ostseite des Berges kam es teils zu Steinschlag. Im Süden haben den Angaben zufolge Hitzeentwicklung und Flammenbildung zugenommen. Trotz der intensiven Löschversuche ist kein schneller Erfolg zu erwarten: «Die Brandbekämpfung wird voraussichtlich auch über den heutigen Tag hinaus andauern», erläuterte das Landratsamt.

Warum ist der Brand besonders kritisch?
 

Der Brand ist besonders brisant, weil er ein Trinkwasserschutzgebiet bedroht. Eine Quelle versorgt laut Landrat Danzer rund 30.000 Menschen mit Wasser. Ihr Schutz hat höchste Priorität. Darüber hinaus erfüllt der Schutzwald wichtige Funktionen für die Region, etwa beim Schutz vor Erosion, Steinschlag und Murenabgängen. 

Was bedeutet das Feuer für die Menschen am Ort?

Für die Bevölkerung herrscht keine direkte Gefahr. Allerdings ist das Einsatzgebiet abgesperrt, die Zufahrtswege müssen für Einsatzkräfte freigehalten werden. Die B 305 ist im betroffenen Gebiet gesperrt. Stellenweise könnte es Ascheregen geben, warnten die Behörden. In diesem Fall sollten Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungsanlagen möglichst ausschalten. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten körperliche Anstrengungen im Freien vorsorglich meiden. 

Wie ist die Stimmung vor Ort?


Die Situation sorgt für große Anspannung bei den Verantwortlichen und in der Bevölkerung. Der Ruhpoldinger Bürgermeister Justus Pfeifer schilderte, es werde einem «ein bisschen mulmig», wenn man nachts den brennenden Berg sehe. Da das Feuer im Talkessel gut sichtbar ist, wird die Bedrohung von vielen Menschen sehr unmittelbar wahrgenommen.

Was ist über die Brandursache bekannt?
 

Die Ursache des Feuers ist unklar. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit herrscht erhöhte Waldbrandgefahr. An mehreren Orten gab es zuletzt kleinere Brände. Die Polizei prüfe in allen Fällen, ob es sich um Brandstiftung handeln könnte, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Das sei bisher nirgends nachgewiesen. Für weite Teile Oberbayerns gab der Deutsche Wetterdienst auch am Dienstag auf dem Waldbrandgefahrenindex die Stufe drei von fünf aus. In einigen Regionen im Osten und im Landkreis Traunstein war es Stufe vier - hohe Gefahr. In den nächsten Tagen soll die Gefahr sinken. 

Ist die Waldbrandgefahr allgemein gestiegen?

Angesichts aktueller Waldbrände in Deutschland warnt der Umweltverband WWF vor einer neuen Dynamik auch in Regionen, die bisher nicht als klassische Risikogebiete galten. Die Erderwärmung verschiebe und verschärfe die Gefahr deutlich. Die Kombination aus Trockenheit, steigenden Temperaturen und geschwächten Wäldern führe dazu, dass sich das Risiko räumlich ausbreite. «Die aktuellen Waldbrände zeigen deutlich, dass sich auch Bayern zunehmend in Richtung eines Hochrisikogebiets entwickelt», warnt Peer Cyriacks vom WWF Deutschland. «Was wir derzeit erleben, ist kein Ausnahmeereignis mehr, sondern ein deutliches Warnsignal für die Entwicklung der kommenden Jahre.»

© dpa-infocom, dpa:260505-930-37986/1