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Gefeierter Lipowitz bei Pogacar-Show Siebter - «Unglaublich»

In den Vogesen nahe der deutschen Grenze geht es zur Sache. Die Favoriten liefern sich am Schlussanstieg einen Schlagabtausch. Dabei mischt Lipowitz gut mit, am Ende verliert er einige Sekunden.

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Tour de France Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Le Markstein (dpa) - Florian Lipowitz war auf der Skistation in 1.192 Metern Höhe immer noch überwältigt von den Massen an deutschen Radsport-Fans, die ihn die steilen Rampen hinauf gebrüllt hatten. «Ich muss ein Riesen-Dankeschön an die ganzen Fans sagen. Es war unglaublich. Ich habe so oft meinen Namen gehört», sagte Lipowitz nach dem Kletter-Spektakel bei der Tour de France in den Vogesen nahe der deutschen Grenze.

Den deutschen Anhängern, darunter auch Promi-Zaungast Jan Ullrich, hätte er gerne noch mehr geboten. Zu mehr als Platz sieben «haben die Beine nicht ganz gereicht», meinte der 25-Jährige in der ARD. 50 Sekunden Rückstand auf den schier übermächtigen Titelverteidiger Tadej Pogacar waren aber zu verschmerzen, die ärgsten Rivalen im Kampf um das Podium konnten nicht mehr als zwölf Sekunden gut machen. Lipowitz verbesserte sich gar auf den sechsten Gesamtrang. Der Sekundenkampf bis Paris geht weiter.

Vierter Etappensieg für Pogacar bei der Tour 2026

Nur nicht für Pogacar. Der Weltmeister fuhr auf der 14. Etappe - mal wieder - in einer eigenen Liga. Pogacar holte sich nach 155,3 Kilometern und 3.800 Höhenmetern im Alleingang seinen vierten Etappensieg bei der Tour 2026 und festigte damit sein Gelbes Trikot. Dem slowenischen Weltmeister, der im Ziel 38 Sekunden Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Teamkollegen Isaac del Toro und den französischen Jungstar Paul Seixas hatte, ist der fünfte Gesamtsieg kaum mehr zunehmen.

«Wir haben diese Etappe seit dem Beginn anvisiert, ich kenne sie sehr gut. Es ist eine schöne Strecke», sagte Pogacar, der schon 2023 in Le Markstein gewonnen hatte. Auch der Slowene war mächtig beeindruckt von den Massen: «Es war etwas Unvergessliches, all die Massen von Leuten am Berg zu sehen.» Sie hätten eine «große Show» zu sehen bekommen, so Pogacar.

Lipowitz nun Gesamtsechster

Hinter Pogacar folgt Jonas Vingegaard 4:30 Minuten zurück auf Platz zwei, Dritter ist Lipowitz' Teamkollege Remco Evenepoel mit einem Rückstand von 5:04 Minuten. Lipowitz weist als Sechster einen Rückstand von 5:44 Minuten auf.

«Es war einfach eine superharte Etappe von Anfang an. Wir können trotzdem happy sein», sagte Lipowitz und blickte bereits auf die nächsten schweren Bergprüfungen: «Wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie es geht. Ich hoffe, ich kann mich schnell wieder erholen. Dann heißt es, wieder angreifen.»

Doch diese 14. Etappe hatte es in sich. Zigtausende Fans hatten an den steilen Rampen des Col du Haag - ein zum Radweg ausgebauter Waldpfad - quasi für einen Hexenkessel gesorgt. Und die Zuschauer bekamen großen Sport geboten.

Lipowitz eröffnet Schlagabtausch

11,5 Kilometer vor dem Ziel war es Lipowitz, der in der Favoritengruppe eine Attacke zusammen mit Seixas startete. Pogacar ließ sich davon aber kaum aus der Ruhe bringen. Kurz darauf - 7,5 Kilometer vor dem Ziel - ging schließlich der Weltmeister selbst in die Offensive. Und dieses Mal konnte bis zum Ziel keiner mehr folgen.

Somit holte Pogacar den 25. Etappensieg seiner Karriere. Damit zog er in der Rekordliste mit dem viertplatzierten André Leducq (Frankreich/25) gleich. Die meisten Tour-Etappen hat Ex-Weltmeister Mark Cavendish (Großbritannien/35) gewonnen.

Evenepoel hatte zwischenzeitlich wieder Probleme, den Rivalen zu folgen. Der Doppel-Olympiasieger kämpfte sich aber wieder zurück, was auch Lipowitz zugutekam. So verloren beide kaum Zeit auf die Rivalen hinter Pogacar.

Für Lipowitz war es ein kleines Heimspiel. Zahlreiche deutsche Fans hatten sich auf den Weg nach Frankreich direkt hinter der Grenze gemacht. Schon am Freitag waren auf der Etappe nach Belfort viele deutsche Fahnen zu sehen.

Ullrich nach 20 Jahren wieder bei der Tour

Und ein prominenter Fan stand auch am Streckenrand im Zielbereich. 20 Jahre nach dem Tour-Ausschluss wegen der Verbindungen zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes war der frühere deutsche Radstar Ullrich als Zaungast zur Frankreich-Rundfahrt zurückgekehrt. «Ich freue mich wirklich extrem. Also, es ist wirklich mein erster Besuch überhaupt als Gast, als Fan sozusagen bei der Tour de France. Und dann natürlich so eine epische Etappe wie heute in den Vogesen», sagte Ullrich in der ARD.

Lipowitz, der wohl größten deutschen Hoffnung seit zwei Jahrzehnten, traut Ullrich «auf alle Fälle das Podium zu». Bereits im Vorjahr hatte Lipowitz als erster Deutscher seit 2006 das Podium in Paris erreicht. «Und mal gucken, wie weit es noch geht. Der Kampf ist, glaube ich, noch offen und spannend», so Ullrich.

Am Sonntag folgt die nächste Kletterpartie, wenn die Tour auf der 15. Etappe das Plateau de Solaisan ansteuert. Vor allem der Schlussanstieg über 11,3 Kilometer mit durchschnittlich 9 Prozent Steigung hat es in sich.

© dpa-infocom, dpa:260718-930-405126/3