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Nagelsmann und seine Happy Family – Neuer im Wartemodus

Zum Start des WM-Trainingslagers macht Julian Nagelsmann klar: Eine verschworene Einheit muss die Nationalmannschaft sein – wie eine Familie. Die Zeit für ein großes Comeback ist noch nicht gekommen.

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Fußball-Nationalmannschaft startet in die WM-Vorbereitung Federico Gambarini/dpa

Herzogenaurach (dpa) - Bloß kein Risiko beim Comeback von Manuel Neuer, aber sofort maximaler Elan für den großen WM-Traum: Mit energischem Schritt betrat Julian Nagelsmann in einem himmelblauen Trainingsoutfit das Podium mit dem dicken Deutschland-Schriftzug. Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Fußball-Bundestrainers, als Turnier-Veteran Rudi Völler neben ihm zum Startschuss der WM-Vorbereitung in Herzogenaurach seine besonderen Qualitäten pries.

Die jüngste Kritik wegen der Kommunikation in der Causa Neuer? Ungerecht, merkte Völler energisch an. «Er stellt sich, obwohl er weiß, dass es holprig werden kann. Deswegen mag ich ihn so. Deswegen werden wir auch eine gute WM spielen», versicherte der Sportdirektor und einstige DFB-Teamchef. Die Chemie stimmt zwischen Nagelsmann (38) und Völler (66) vor dem großen Sommer-Highlight. Das Duo gab mit einem 45-Minuten-Auftritt im «Halftime»-Saal die «Überschrift» für die ersten Trainingstage in Franken vor. 

Nationalmannschaft als «funktionierende Familie»

Wie eine «gut funktionierende Familie» soll sich die Nationalmannschaft auf den Weg zum XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko begeben, betonte Nagelsmann. So habe er es auch seinen WM-Spielern bei einem ersten Teammeeting mit Kapitän Joshua Kimmich und dessen Kollegen im sommerlich heißen Herzogenaurach vermittelt. Passend zum Thema: Schon am Freitag dürfen die Partnerinnen und Kinder der Nationalspieler im Teamquartier vorbeischauen. 

Keine forsche Titelansage rutschte Nagelsmann mehr heraus, wie noch vor zwei Jahren am selben Ort nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien bei der Heim-EM. Ein toller «Teamspirit» war aber wieder wie damals das Schlagwort im Homeground. Oder wie Völler es ausdrückte: «Innerbetrieblich muss es stimmen.» Sonst wird es schwer beim XXL-Turnier mit viel Reisestress, hohen Temperaturen und starker Konkurrenz aus Frankreich, Spanien, England und Südamerika.

Kein Neuer-Comeback gegen Finnland

Auch die Causa Neuer soll nach den vielen Debatten rund um die spektakuläre DFB-Rückkehr des Rekordtorwarts keine Unruhe erzeugen. Zumal der 40-Jährige sein 125. Länderspiel wegen seiner Wadenverhärtung ohnehin frühestens in den USA bestreiten wird. «Wir haben im Trainerteam entschieden, dass er am Sonntag nicht spielen wird», sagte Nagelsmann mit Blick auf die erste Testpartie (20.45 Uhr/ZDF) im ausverkauften Mainzer Stadion gegen Finnland.

Ein unnötiges Spiel mache in seinen Augen keinen Sinn, sagte der Bundestrainer. Neuer sei mit der Entscheidung «d'accord», also einverstanden, gewesen. Mit Basecap und Sonnenbrille marschierte der Münchner bei der Ankunft der Spieler gut gelaunt ins Teamquartier. Oliver Baumann wird ihn in seiner neuen Rolle als 1-B-Torwart in Mainz vertreten. «Er wird es gut machen, er wird ein gutes Spiel machen», sagte Nagelsmann über den Hoffenheimer. 

Ist womöglich die Rückholaktion von Neuer wegen der Blessur als Ganzes in Gefahr? Nagelsmann beschwichtigte sofort: «Bei Manuel müssen wir uns keine Sorgen machen», es handle sich um eine «kleine Verhärtung» in der Wade. «Da besteht immer ein Risiko.» 

Das soll minimiert werden, damit «wir ihn zur Gruppenphase maximal fit haben». Spätester Stichtag ist also der WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. Das sollte nach jetzigem Stand kein Problem sein.

«Mit Manu sind wir besser als ohne Manu» 

Nagelsmann bekräftigte den Status des einzigen Weltmeisters von 2014 im aktuellen Aufgebot als Nummer eins bei der Rückkehr zwei Jahre nach dem Rücktritt im Anschluss an die Heim-EM 2024. «Mit Manu sind wir besser als ohne Manu. Deswegen sind wir sehr froh, dass er dabei ist», sagte der Bundestrainer. 

Die Re-Integration Neuers ins Teamgefüge sei einfach. «Er ist kein Neuling, er ist ein Rückkehrer», sagte Nagelsmann. Der ersten Ansprache des Bundestrainers lauschten 25 WM-Akteure plus der als Torwart-Backup jenseits des offiziellen Kaders nominierte Jonas Urbig.

Havertz fehlt aus «erfreulichem Grund»

Lediglich Kai Havertz fehlte, «aus einem erfreulichen Grund», wie Nagelsmann betonte. Der Offensivspieler des FC Arsenal bereitet sich mit dem englischen Meister auf das Champions-League-Finale am Samstag (18.00 Uhr) in Budapest gegen Paris Saint-Germain vor.

Eine klare Zielvorgabe für die WM lehnte Völler, der viel über seine WM-Erfahrungen von 1994 in den USA berichten konnte, ab: «Ich bin keiner, der Dinge raushaut, aber ich bin total optimistisch. Wir gehören nicht zu den Topfavoriten. Aber es wird schwer sein, gegen uns zu gewinnen.»

Völler: Am besten Gruppensieger

Den nötigen Teamspirit bekomme man aber nicht durch «Quatscherei», mahnte Völler an. Sprich: Erfolgserlebnisse müssen her, dann läuft es. Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland und der WM 2022 in Katar wolle man zunächst die Gruppenphase «überstehen - am besten als Gruppensieger», sagte Völler.

Zwei Tage nach dem Heimspiel gegen Finnland fliegt der DFB-Tross von Frankfurt nach Chicago, wo dann auch Havertz möglichst als glücklicher Königsklassensieger zum Team stößt. Dort findet am 6. Juni die Generalprobe gegen Turnier-Mitgastgeber USA statt. Möglichst mit Neuer im Tor.

© dpa-infocom, dpa:260526-930-132862/4