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4:0 – Bayern-Fußballerinnen holen Pokal, Popp geht titellos

Die Fußballerinnen des FC Bayern feiern das Double: Im DFB-Pokalfinale setzen sich die Münchnerinnen vor einer Pokal-Rekordkulisse gegen Wolfsburg durch – und verderben Alexandra Popp den Abschied.

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VfL Wolfsburg - Bayern München Fabian Strauch/dpa

Köln (dpa) - Bei Alexandra Popp flossen Tränen, als die Fußballerinnen des FC Bayern vor ihren Fans den Pokalsieg zum erneuten Double ausgelassen feierten. Die Münchnerinnen gewannen in einem selten hochklassigen Endspiel des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg mit 4:0 (1:0) vor neuer Final-Rekordkulisse und verdarben der nimmermüden Rückkehrerin Popp einen triumphalen Abschied vom VfL.

Es sei «extrem schwer», sagte die zu Borussia Dortmund wechselnde Popp bei Sky: «Ich habe mir das natürlich irgendwie anders vorgestellt, muss ich sagen.» Der Pokal-Wettbewerb sei «so ein bisschen mein Baby», und die Vorstellung, dass es wahrscheinlich ihr letztes Pokalfinale gewesen sei, «das ist extrem schwierig für mich gerade».

Emotional war die frühere Nationalstürmerin auch deswegen, weil sie an ihren gestorbenen Vater dachte. «Ich glaube, mein Papa ist extrem stolz, und heute ist ja auch noch Vatertag. Leider konnte ich ihn somit nicht beschenken», sagte die 35-Jährige mit stockender Stimme.

Sie fühle eine Mischung aus «Freude und Erleichterung», sagte Bayerns Spielerin Linda Dallmann im ZDF. «In der zweiten Halbzeit haben wir sehr dominant gespielt und es uns über die gesamte Saison hinweg gesehen auch verdient.»

«Megageile Kulisse»

Vor 46.064 Zuschauern in Köln führten Georgia Stanway (45.+2 Minute/Foulelfmeter), Pernille Harder (59.), Momoko Tanikawa (77.) und Arianna Caruso (84.) die Münchnerinnen zum dritten Triumph im Cup-Wettbewerb nach 2012 und 2025. «Es war eine megageile Kulisse», schwärmte die Münchnerin Giulia Gwinn. «Wir haben zu einem guten Zeitpunkt die Tore gemacht.»

«Ein Jahr auf Reisen reicht - Zeit für die Heimkehr», hatten die VfL-Fans weiß auf grün gepinselt und die Botschaft vor Anpfiff groß präsentiert. Gemeint war der silberne Pokal, der vor dem Bayern-Triumph 2025 zehnmal nacheinander in Wolfsburg gelandet war. Die Hoffnung auf ein Titel-Comeback des elfmaligen Pokalchampions trug vor allem Kapitänin Popp, die erstmals seit ihrem Muskelfaserriss in der Wade vor sieben Wochen wieder ran durfte – sogar von Beginn an.

Stoßstürmerin Popp grätscht und dirigiert

Als Stoßstürmerin tat Popp, was sie schon so oft in ihrer 14-jährigen Wolfsburger Zeit getan hatte: grätschen, dirigieren und Zweikämpfe suchen. Nach einer weitgehend ereignislosen halben Stunde blieb die künftige Dortmunderin nach einem Kopfballduell mit Magdalena Eriksson auf dem Rasen liegen, stand aber prompt wieder auf.

Der Einsatz der 35 Jahre alten Leitwölfin, die immer wieder Fouls zog, passte zum defensiv nahezu tadellosen Vortrag der Wolfsburgerinnen. Münchens so hochgelobte Offensivmaschine, die in 25 Bundesliga-Spielen 89 Tore produziert hatte, sprang zunächst nicht an. Vor allem der gefürchtete linke Flügel lahmte, weil die DFB-Stars Franziska Kett und Klara Bühl kaum Raum für ihre Kombinationen fanden. 

Ein Kopfball von Torjägerin Pernille Harder nach Bühls Flanke sorgte bis kurz vor der Pause für Torgefahr. Ein wuchtiger Schuss von Lena Lattwein, der Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic zum Nachfassen zwang, war zunächst Wolfsburgs stärkster Offensivmoment. Bei den Kontern fehlte den Niedersächsinnen die Präzision.

Videobeweis nach Beerensteyn-Foul

Die Partie, die selten hielt, was sie versprochen hatte, wäre wohl torlos in die Pause gegangen, hätte VfL-Stürmerin Lineth Beerensteyn nicht Momoko Tanikawa am Fuß getroffen. Den Elfmeter nach Videobeweis setzte Stanway souverän flach ins Tor. Pech hatte kurz darauf Harder, deren Schuss kurz vor der Linie von Nationalspielerin Sarai Linder geblockt wurde.

«Ich glaube, es war unheimlich wichtig für die Wolfsburgerinnen, nicht mit einem 2:0-Rückstand in die Halbzeit zu gehen, sondern noch im Spiel zu sein. Ich glaube, das wird sie noch ein bisschen mehr pushen», meinte Bundestrainer Christian Wück im Halbzeit-Interview des ZDF. Allerdings wirkten die Wölfinnen nach dem Wechsel komplett zahnlos. 

Minge verschätzt sich, Harder trifft

Frischer und entschlossener war die Elf von Bayern-Coach José Barcala. Die Münchnerinnen drängten auf das 2:0, das nach einer partnerschaftlichen Kombination auch fiel: Eriksson flankte aus dem Halbraum auf ihre Lebensgefährtin Harder, die per Kopf vollendete. Völlig verschätzt hatte sich dabei Nationalelf-Vizekapitänin Janina Minge, weshalb Torhüterin Johannes nur noch enttäuscht die Hände in die Hüften stemmen konnte.

Ein medizinischer Notfall im Bayern-Block ließ die Fans gut 20 Minuten verstummen, ehe es danach noch mal munter wurde – und Tanikawa eine abgefälschte Bühl-Hereingabe zum 3:0 über die Linie drückte. Die eingewechselte Caruso vollendete die bayerischen Festspiele mit einem Traum-Freistoß zum Endstand.

© dpa-infocom, dpa:260514-930-81082/3