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Der 57-Minuten-Knipser Undav mag nicht draußen sein

Deniz Undav ist Deutschlands Stürmer mit der Topquote. Und trotzdem nur der Edeljoker im WM-Konzept des Bundestrainers. Der Stuttgarter klammert sich an eine Turnier-Weisheit.

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WM 2026 - Deutschland Training Christian Charisius/dpa

Winston-Salem (dpa) - Deniz Undav trägt Langarm. Bei 30 Grad - und auch darüber. Während Kollegen wie Nico Schlotterbeck, Florian Wirtz oder Leon Goretzka im prallen Sonnenschein von Winston-Salem im Muskelshirt über den Trainingsplatz laufen, schützt der Torjäger seinen Body vor zu viel Einstrahlung.

Der 29 Jahre alte Fußballprofi meidet grundsätzlich die Sonne. «Ich gehe nicht so viel raus. Ich bin oft in Räumen», berichtete Undav: «Und wenn, dann nehme ich eine Jacke und ziehe eine Kapuze drüber, damit ich keinen Sonnenstich kriege.» 

Es wird ihm also gefallen, dass nach dem Auftakt-Torfest gegen Curaçao im klimatisierten Hallenstadion von Houston für das zweite WM-Spiel der DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste am Samstag (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Toronto zwar Sonnenschein vorhergesagt ist, aber dazu moderate 22 Grad.

Im BMO Field, das nur wenige Schritte vom Ontario See entfernt liegt, wird Undav freilich wieder nicht gerne draußen sein. Denn draußen bedeutet beim Fußball die Ersatzbank. Und auf der wird er wieder zunächst Platz nehmen müssen, weil Undav nun mal für Julian Nagelsmann ein Top-Joker ist.

Stellenprofil: Reinkommen, Tore machen

Das ist seine zugewiesene Rolle. Und mit der muss sich Undav abfinden. Er selbst beschreibt sein Stellenprofil so: «Falls ich spiele, von Anfang an, oder wenn ich reinkomme, hundert Prozent geben. Und wenn wir Tore brauchen, Tore machen. Alles andere kann man nicht beeinflussen.» 

Beim 7:1 gegen Curaçao durfte Undav nach einer Stunde auf der Bank auch mitmachen. Er kam rein, bereitete das 5:1 von Nathaniel Brown vor, schoss das 6:1 und sammelte einen zweiten Assist beim 7:1 von Kai Havertz. Job erfüllt, Lob vom Bundestrainer: «Deniz hat es mit drei Scorern sehr gut gemacht.»

Havertz über Undav: «Wenn man so eine Waffe hat...»

Doppel-Torschütze Havertz klang nach dem Spiel - angesprochen auf Undavs Leistung - so, als wolle er sich selbst aus der Anfangsformation reden. «Deniz? Top-Performance von ihm, wenn er direkt Scorer-Punkte sammelt.» Und dann kam noch ein bemerkenswerter Zusatz: «Wenn man so eine Waffe hat, muss man sie auch das eine oder andere Mal nutzen.» 

Muss ein Knipser wie Undav nicht in die erste Elf? Sieben Tore in zehn Länderspielen kann er vorweisen. Eine Topquote. Zumal er dafür nur 399 Minuten benötigte. Alle 57 Minuten trifft Undav. Das schafft kein Havertz, kein Wirtz, kein Jamal Musiala und auch kein Leroy Sané, die anfangen durften im ersten Spiel. Und das wohl auch gegen die Ivorer wieder dürfen.

Undav muss sich weiter gedulden. Er weiß: «In einem Turnier kann viel passieren.» Da kann es auch mal «bamm, bamm, bamm» gehen, wie er sagte, als er von seinem noch kurz vor der WM verlängerten Millionen-Vertrag beim VfB Stuttgart sprach. Die Zukunft ist geregelt, sein Kopf ist frei für das Turnier.

Zusammenraufen mit dem Bundestrainer

Undav hat Spaß in den USA. Er sei zwar «ein Morgenmuffel». Aber spätestens beim Frühstück ist er auf Sendung. «Ich bin einer, der viel redet. Ich bin einer der Lauteren im Team. Ich versuche einfach, gute Laune zu haben, viel zu lachen.» Das tut er, auch wenn es ihm auf der Bank bisweilen schwerfällt. 

Der Bundestrainer und der Gute-Laune-Bär mussten sich zusammenraufen. Unvergessen ist, wie Nagelsmann an Matchwinner Undav nach dessen Joker-Siegtor beim 2:1 im März gegen Ghana in Stuttgart herumnörgelte. Ein paar Tage später griff Nagelsmann zum Handy und entschuldigte sich bei Undav.

«Der Bundestrainer hat eine Spielidee», sagt Undav: «Die bringt er auch an den Mann.» Trotzdem sei er im Gespräch offen, nehme auch andere Ideen an. Nur die Startelf-Idee mit Undav findet Nagelsmann halt irgendwie nicht so gut. 

Undavs Vorteil - Undavs Nachteil 

Undavs Vorteil ist, dass er Stürmer spielen kann, aber auch hinter der zentralen Spitze. «Ich kann halt beide Positionen spielen.» Undavs Nachteil ist, dass beim Bundestrainer Havertz vorne drin gesetzt ist. Und Musiala dahinter. Undav sieht sich in erster Linie als Stürmer. Mit 19 Toren war er die Nummer zwei in der Bundesliga hinter Bayern-Star Harry Kane (36 Treffer). «Gefühlt bin ich bester Torjäger geworden, weil Harry zählt nicht. Das ist unfair», scherzte Undav. 

«Ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich auf der Neun die Dinger verwerten kann», sagte er selbstbewusst, als er in Winston-Salem auf dem DFB-Podium über sich sprach: «Deswegen glaube ich, dass meine Rolle die des Stürmers ist.» Aber letztendlich sei ihm die Position wurscht: «Egal, wo ich reinkomme, mein Ziel ist es, Tore zu machen, ob auf der Neun oder der Zehn.»

Am Ende stellt auch er sein Ego hinter den großen Traum zurück. Er will am 19. Juli den goldenen WM-Pokal in Händen halten. «Wenn ich sagen würde, ich will nur ins Achtelfinale kommen, wäre ich falsch hier. Jeder der Jungs hat das gleiche Ziel: Weltmeister zu werden.» Übrigens: Am Finaltag wird Undav 30. Das Siegtor am Geburtstag, ob als Joker oder Startelfspieler, was gäbe es Schöneres?

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