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Gnabry-Schock für Nagelsmann und Kompany - WM-Aus droht

Serge Gnabry droht für die Fußball-WM in den USA auszufallen. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ist es eine «ganz bittere Nachricht». Und auch für Bayern kommt die Verletzung zur Unzeit.

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Julian Nagelsmann und Serge Gnabry Christian Charisius/dpa

München (dpa) - Auf diese Nachricht aus seiner Heimat München hätte Julian Nagelsmann sicher gerne verzichtet. Der Bundestrainer muss seine WM-Mission und die Reise in die USA womöglich ohne Schlüsselspieler Serge Gnabry antreten - und dürfte schon bald zu einem Umdenken in den eigenen Offensivplanungen gezwungen werden.

Der 30 Jahre alte Fußballprofi erlitt nach Angaben des FC Bayern einen Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel und fällt deshalb «für längere Zeit» aus. Nähere Informationen gab es zunächst nicht. «Eine ganz bittere Nachricht» sei das, ließ Nagelsmann mitteilen. Er habe am Samstag Kontakt zu dem Spieler gehabt und «ihm gesagt, dass wir auch in der Nationalmannschaft alle hinter ihm stehen», so der 38-Jährige: «Wir alle werden ihn bestmöglich unterstützen, damit er so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen kann.»

Gnabrys Ausfall ist eine schlechte Nachricht sowohl für die DFB-Elf als auch für die Münchner Triple-Jäger, die in der Champions League und im DFB-Pokal vor den entscheidenden Saisonwochen stehen. 

Zuspruch von Matthäus

In den vergangenen acht Länderspielen brachte Nagelsmann Gnabry jeweils von Anfang an. Der gebürtige Stuttgarter steuerte in diesem Zeitraum - wie sonst nur Stürmer Nick Woltemade - vier Treffer bei. Eine Auskunft zu Gnabrys WM-Perspektive gab es von Nagelsmann und dem DFB am Sonntag nicht.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus prognostizierte bei Sky indes einen Wettlauf mit der Zeit. «Für mich bedeutet es eine Pause von acht Wochen. Dann wird es natürlich super, super eng für die WM. In fünf Wochen wird der Kader bekanntgegeben», sagte Matthäus. In persönlichen Worten sprach er via TV-Kamera direkt zu Gnabry: «Ganz Deutschland drückt Dir die Daumen. Du bist ein Mehrwert für die deutsche Nationalmannschaft.»

Musiala nun im Fokus

Für Nagelsmann, dessen Team am 14. Juni gegen WM-Debütant Curaçao in das XXL-Turnier startet, dürfte die Verletzung die komplette Statik seiner Offensive verändern. Als Bayern-Stammspieler war Gnabry zuletzt im DFB-Team gesetzt. Sein Tempo, seine Erfahrung und seine Torgefahr standen als ideale Ergänzung zu den feinen Füßen um Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz.

Die größten Auswirkungen wird der Ausfall des vielseitig einsetzbaren Gnabry auf Musiala haben, denn er ist sowohl beim FC Bayern als auch im DFB-Team betroffen. Hatte der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn dem angehenden Fußball-Superstar unlängst noch zu einem WM-Verzicht nach langer Verletzungspause geraten, dürfte Musiala nun zum Schlüsselbaustein für Nagelsmann und Bayern-Trainer Vincent Kompany werden.

Perspektiven für Sané und Karl?

Musiala zeigte zuletzt beim 5:0 der Münchner beim FC St. Pauli sowie beim wilden 4:3 gegen Real Madrid einen deutlichen Aufwärtstrend. Kahns Vorschlag bügelte der 23-Jährige direkt ab. «Nein, auf jeden Fall will ich zur WM», antwortete Musiala deutlich. «Mein Fokus ist jetzt auf Bayern gerichtet. Ich will der Mannschaft helfen, alles zu gewinnen. Und dann ist mein Fokus, dem Land und der Nationalmannschaft zu helfen», fügte der Bayern-Profi an.

Auch der sportlich umstrittene Türkei-Legionär Leroy Sané und Bayern-Jungstar Lennart Karl dürften mit Blick auf die WM eine größere Rolle einnehmen als bislang gedacht. Karl laboriert selbst aktuell an einer Oberschenkelverletzung, wird aber deutlich früher zurückerwartet als Gnabry. Diesem droht angesichts der Schwere der Verletzung ein monatelanger Ausfall zur absoluten Unzeit.

Bayern-Offensive stellt sich von selbst auf

Eine präzisere Prognose gab es vonseiten der Münchner zunächst nicht. Die wegweisenden Halbfinals gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal sowie Paris Saint-Germain in der Champions League werden aber in jedem Fall ohne Gnabry stattfinden. Dasselbe gilt auch für die Endspiele in Berlin und Budapest, falls Bayern diese erreicht.

Kompany trifft der Ausfall insofern schwerer als Nagelsmann, weil er deutlich weniger Alternativen hat. Da aktuell auch Karl verletzt fehlt, stellt sich die Bayern-Offensive für die großen K.o.-Duell fast von selbst auf. Hinter Torjäger Harry Kane bleiben derzeit eigentlich nur Musiala und die beiden Real-Torschützen Luis Diaz und Michael Olise.

© dpa-infocom, dpa:260419-930-963599/3