Nagelsmanns WM-Lehren und Bulls-Besuch am freien Sonntag
Nach dem Sieg gegen die USA gibt der Bundestrainer allen frei. Bei NBA-Stars können die Nationalspieler vorbeischauen. Nagelsmann vertieft sich vor dem Umzug ins WM-Hotel in letzte Analysen.
Chicago (dpa) - Rücklings sitzend auf einem Golf-Cart brauste Julian Nagelsmann davon. Der Bundestrainer hatte alle Interview-Verpflichtungen nach der siegreichen WM-Generalprobe der Fußball-Nationalmannschaft gegen die USA im Soldier Field gerade erledigt, da schickte er Kapitän Joshua Kimmich und dessen Kollegen in einen freien Sonntag in Chicago.
Besuch bei den Chicago Bulls
«Die Jungs haben frei, können machen, was sie wollen», sagte Nagelsmann nach dem 2:1 (1:1). «Es ist echt eine schöne Stadt, da kann man ein bisschen was erleben», sagte er. Wer keine eigenen Pläne hat, kann eine Team-Offerte annehmen und an einer Führung durch das Trainingszentrum der Basketball-Stars der Chicago Bulls teilnehmen.
Nagelsmann selbst will sich vor ein paar letzten Stunden Müßiggang unter anderem der Analyse des USA-Spiels widmen - und der Schonung seiner angegriffenen Stimmbänder.
«Wir im Trainerteam werden natürlich das Spiel noch einmal anschauen und ein paar Szenen ausschneiden, die wir auch dann in der Nachbetrachtung nächste Woche der Mannschaft zeigen», kündigte Nagelsmann an.
Bei aller Freude und Erleichterung über das 2:1, das nach dem Schock der Verletzung von Lennart Karl wichtiges Turnierselbstvertrauen gab, sah Nagelsmann natürlich Verbesserungspotenzial. Trotz inzwischen neun Siegen in Serie. Und trotz der Tore von Kai Havertz und Leroy Sané. Gegen Curaçao soll am 14. Juni die WM in Houston mit einem Torfestival beginnen.
«Natürlich haben wir noch ein paar Dinge zu tun. Ich glaube, das ist auch normal. Aber wir haben auch Lust drauf und freuen uns jetzt auf unser Basecamp», sagte der Bundestrainer mit Blick auf den Umzug ins WM-Hotel in Winston-Salem am Montag nach dem freien Tag am Lake Michigan.
Mentalität und Spiel-Antworten
Erkenntnisse kann Nagelsmann mitnehmen nach North Carolina. Für ihn mit am wichtigsten: Die Mentalität passt. Trotz des Stimmungsdämpfers um Karls WM-Aus und trotz des resoluten US-Teams wurde konzentriert geackert, wurde eine sportliche Antwort gefunden, nachdem der Spielfluss verloren gegangen war. «Wetter, Rasen, ein gelungener Nachmittag. Wir haben auch gegen die USA gespielt, weil die uns alles abfordern», sagte Sportdirektor Rudi Völler.
Pluspunkt ist die Offensive. Wieder stachen die Angreifer. Havertz demonstrierte seine Klasse und kann ein echter WM-Held werden. Völler nannte ihn «einen begnadeten Fußballer». Sané zeigte als Karl-Ersatz Engagement - und keine hängenden Schultern. «Er hat das Tor gemacht, das ist am Ende mit das Wichtigste, was ein Offensivspieler machen kann», sagte Nagelsmann. Zugleich hob er hervor, dass auf der offensiven rechten Außenbahn auch Jamal Musiala, Havertz oder Jamie Leweling spielen können.
Intensität versus Rückzug
Auch für den Druckverlust nach 20 guten Auftaktminuten hatte Nagelsmann eine Erklärung. Taktisch nachvollziehbar sei der Rückzug aus dem Pressing gewesen. Bei hohen Temperaturen müsse das Team in der Lage sein, zu variieren. «Ich verlange von der Mannschaft, dass sie ein Gespür dafür entwickelt, wenn sie hoch verteidigt. Dann müssen sie das auch mit 100 Prozent Intensität tun. Und wenn es nicht geht, dann ziehen wir uns zurück.»
Sonderlob bekam Jonathan Tah für seine wichtigen Blocks in der aus der plötzlichen Passivität resultierenden Drangphase der Amerikaner vor der Pause. Ein dickes Sonderlob bekam sogar Oliver Baumann, der ohne Wackler parierte und ein Sieggarant war - und das trotz der ungewöhnlichen Situation mit der erwarteten Rückkehr von Manuel Neuer ins Tor gegen Curaçao. Ein «großer Sportsmann» sei Baumann - und «menschlich sowieso erste Sahne.»