«Ach, liebster Mario» - Abschied von Adorf in München
Über Jahrzehnte gehörte Mario Adorf zu den ganz Großen des deutschen Films. Jetzt nehmen Wegbegleiter in der Stadt von ihm Abschied, die - auch - sein Zuhause war.
München (dpa) - Ein Mann mit Haltung sei er gewesen, neugierig bis zum Schluss, unterhaltsam aber auch ernst und melancholisch und mit einem «so prall gefüllten Lebenskoffer». Bei einer Trauerfeier für Mario Adorf in München haben Angehörige und Weggefährten ihre Erinnerungen an den großen Schauspieler geteilt, der mit 95 Jahren gestorben ist.
Schauspielerin Iris Berben begann ihre Trauerrede in der Kirche St. Michael mit den Worten «Ach, liebster Mario». «Für mich warst Du immer ein Komplize der Kunst, ein Komplize des Lebens», sagte sie und erzählte, dass Adorf ihr wenige Wochen vor seinem Tod ein Paket zukommen ließ - mit einer Bronzestatue von Moses mit den Zehn Geboten. Sie glaube, das sei sein Weg gewesen, ihr Mut zu machen und sie aufzufordern, weiter wachsam zu sein und die Botschaften, für die auch er gestanden habe, weiterzutragen.
«Vielen Dank, Papi - für alles»
Als einen politischen Menschen, dem «das "Nie wieder" als unumstößliches Paradigma» gegolten habe, schildern ihn auch andere Menschen an diesem strahlenden Frühlingsnachmittag in München. «Sein Vermächtnis an mich und an uns alle» sei es, «sehr genau zu beobachten, wo der Friede, die Freiheit und der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet ist - und dann etwas dagegen zu tun», sagte Adorfs Tochter Stella in ihrer Trauerrede, die sie mit den Worten «Vielen Dank, Mario, vielen Dank, Papi - für alles» beendete.
Adorfs Kollege Axel Milberg erinnerte sich in seinen Worten an ein Mittagessen mit Adorf und dessen Frau Monique in Paris Ende 2024 an dem das Paar, das so viele Jahrzehnte zusammen gelebt hatte, untergehakt durch die Straßen von Paris gelaufen sei - lächelnd «als wären sie Backfische». Adorf habe gern und viel erzählt, sagte Milberg. «Mario erinnerte sich an jede Kleinigkeit - und ich wollte alles wissen.»
«Schon? Warum? Es war doch so schön»
Adorfs Verleger Helge Malchow verlas eine Kurzgeschichte, die der Schauspieler und Schriftsteller kurz vor seinem Tod verfasst hatte und sich mit seinen eigenen Fehlern als Jugendlicher beim «braunen Gesocks» der Hitlerjugend auseinandersetzte. Der «selbstkritische Blick» des Schauspielers beweise dessen «Unbestechlichkeit und Aufrichtigkeit».
Adorfs langjähriger Manager Michael Stark, der den Schauspieler als seinen besten Freund bezeichnete, teilte persönliche Abschiedsworte des 95-Jährigen: «Erst wenn es so weit ist, merken wir, dass wir uns unser Leben lang für unsterblich hielten», habe er erst kürzlich geschrieben - und dass er das Ende annehmen wolle ohne zu jammern und ohne zu sagen «Schon? Warum? Es war doch so schön.»
Trauerfeier in München, Beisetzung in St. Tropez
Adorf war am 8. April mit 95 Jahren in Frankreich gestorben. Er hatte auch eine Wohnung in München, beigesetzt werden soll er jedoch nicht in der bayerischen Landeshauptstadt, sondern an der französischen Mittelmeerküste im mondänen Urlaubsort St. Tropez. Adorfs Witwe Monique Faye stammt aus Südfrankreich. Das Ehepaar lebte in Paris, Adorf war dort auch gestorben.
Neben seiner Frau Monique und seiner Tochter Stella waren auch Prominente wie Senta Berger, Günter Netzer, Veronica Ferres, David Dietl in die Münchner Kirche St. Michael gekommen. Danach sollte es nach Medienberichten zu einem Empfang ins Nobelhotel Bayerischer Hof gehen - dort, wo Adorf am Pool für Helmut Dietls Serie «Kir Royal» einst seine womöglich berühmteste Szene drehte.
«Sicher, einige werden bedauern, dass ich nicht mehr bin. Für ein paar Tage, ein paar Wochen, bis der Alltag einkehrt», hatte Adorf nach Angaben seines Managers geschrieben. «Lirum, larum Löffelstiel.»