Bülent Ceylan wagt Rolle in Oper - «Ein bisschen Revolution»
Mozart statt Mannheim: Bülent Ceylan soll auch Menschen in die Berliner Staatsoper locken, die sich sonst eher wenig für diese Musik interessieren.
Mannheim/Berlin (dpa) - Comedian Bülent Ceylan wechselt das Fach und übernimmt eine zentrale Sprechrolle an der Berliner Staatsoper. Im Mozart-Singspiel «Die Entführung aus dem Serail» werde er im Sommer den Bassa Selim verkörpern, sagte der 50-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Mannheim. Er werde fast durchgehend auf der Bühne stehen und das Geschehen auch als Comedian immer wieder kommentieren. «Die Inszenierung setzt auf Tiefe, Aktualität und Unterhaltung», sagte Ceylan. «Dazu hat die Staatsoper mich gewählt. Die wollten wohl ein bisschen Revolution.»
Die Premiere steigt am 27. Juni, zunächst sind fünf Vorstellungen geplant. «Wir haben fantastische Ideen entwickelt», sagte Operndirektor Tobias Hasan der dpa. «Dass Bülent vielleicht neues Publikum ansprechen könnte, finde ich ein tolles Abenteuer, und ich freue mich wahnsinnig darauf.»
Humor mit Haltung
Ceylan sprach von einer «riesigen Verantwortung». Das Werk biete viele aktuelle Aspekte. «Es geht auch um Orientklischees und teilweise rassistische Zuschreibungen. Das greife ich auf, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten», sagte der Comedian. Humor und Haltung gehörten zusammen.
Regisseurin Andrea Moses habe angekündigt, das Textbuch werde mit ihm entwickelt, und die Inszenierung werde auf ihn zugeschrieben. «Viele mögen denken: Was macht ein Comedian in der Oper?» Genau das sei gewollt, sagte der Sohn einer Deutschen und eines Türken. «Man will auch Publikum anziehen, das sonst eher wenig mit der Oper zu tun hat.» Gesungen werde natürlich weiterhin, betonte Ceylan, allerdings könne er eins zusagen: «Ich singe nicht.»