«Frollywood» - Warum es US-Stars nach Paris zieht
Immer mehr US-Schauspieler drehen in Frankreich – ein Trend, der mittlerweile als «Frollywood» bezeichnet wird. Was steckt dahinter und was verrät das über Hollywood?
Paris (dpa) - Angelina Jolie, Jim Jarmusch, Matt Dillon, Woody Harrelson und Kristen Stewart: Frankreich zieht immer mehr Schauspieler und Filmemacher aus den Vereinigten Staaten an. Der Trend wird mittlerweile als «Frollywood» bezeichnet, eine Mischung aus «France» und «Hollywood». Paris ist längst nicht mehr nur Kulisse.
Gleichzeitig leben viele US-Künstler zeitweise oder dauerhaft in Paris – darunter Wes Anderson, Sofia Coppola oder Natalie Portman. Seit den Dreharbeiten 2025 zu «Coutures» von Alice Winocour kann sich auch Angelina Jolie vorstellen, sich in Frankreichs Metropole niederzulassen.
In einem Interview mit der Zeitung «Le Journal du Dimanche» sagte die Schauspielerin, sie wolle bald nach Paris zurückkehren. «Ich habe nur einen Wunsch: bald für einen neuen Film zurückzukommen.» Sie befinde sich an einem Punkt ihrer Karriere, an dem sie sich in Europa, und besonders in Frankreich, als Frau und Künstlerin besser verstanden fühle.
In «Coutures» spielt Jolie eine amerikanische Regisseurin, die für einen Auftrag rund um die Pariser Modeschauen in die Stadt kommt.
Immer mehr amerikanische Stars wirken in französischen Produktionen mit. Ein Blick in die Abspanne kommender französischer Autorenfilme bestätigt den Trend: Matt Dillon spielt in «Le Cri des gardes» von Claire Denis, Woody Harrelson und Kristen Stewart stehen für Quentin Dupieux vor der Kamera.
Vom Ausnahmefall zum Normalzustand
Die Zeiten, in denen Frankophilie in Hollywood eine Ausnahme war – etwa bei Regisseuren wie Woody Allen –, scheinen vorbei. Ebenso die Zeit, in der das französische Kino sich Hollywood nur über einzelne Figuren oder Nischen wie Animation oder Filmmusik näherte. Heute wird Frankreich für Teile der Branche zum Arbeitsort, Zwischenraum und teils auch zur Alternative. Und das in einer Zeit, in der sich die kulturelle Landschaft in den USA verändert.
So auch für Jim Jarmusch. Der Kultregisseur hat bereits den Antrag auf die französische Staatsbürgerschaft gestellt, wie er dem Radiosender France Info bestätigte. Seine Begründung: «Ich möchte einen anderen Ort haben, an den ich mich aus den USA zurückziehen kann», erklärte er. Paris sei seine zweite Stadt nach New York.
Erst vor wenigen Wochen hatte auch George Clooney gemeinsam mit seiner Familie die französische Staatsangehörigkeit erhalten. Die Beweggründe unterscheiden sich jedoch: Sein weitläufiges Anwesen in Südfrankreich soll ihm Privatsphäre fernab der Paparazzi bieten.
Hollywood im Umbruch
Die Streiks von 2023 haben deutlich gemacht, wie stark Hollywood unter Druck geraten ist. Im Zentrum standen sinkende Einnahmen im Streaming-Zeitalter, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und die Sorge vieler Kreativer, durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz an Bedeutung zu verlieren. Studios wollen KI nutzen, um Drehbücher zu erstellen oder Schauspieler digital zu reproduzieren.
Kultregisseur Jean-Jacques Annaud («Der Name der Rose», «Sieben Jahre in Tibet») spricht von einer «Lähmung», die Projekte zunehmend blockiere – auch seine eigenen. Im Gespräch mit dem französischen Radiosender RTL verwies der 82-Jährige zudem auf eine Verschärfung der Lage unter der politischen Entwicklung in den USA während der Amtszeit von Donald Trump. Das Land habe sich verändert, sagte er. Während Trumps erster Amtszeit lebte Annaud in den USA.
Vor allem die Studios hätten sich gewandelt: Sie würden heute nicht mehr von leidenschaftlichen Filmliebhabern geprägt, sondern zunehmend von Managern aus dem Finanzsektor, die vor allem auf Quartalszahlen achteten.
Liebe zu Frankreich und der Machtverlust Hollywoods
Für die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski begünstige die Trump-Ära zwar eine Bewegung des kulturellen Exils, doch die wachsende Anziehungskraft Frankreichs erzähle auch vom Machtverlust Hollywoods. Dieser Niedergang zeige sich symbolisch im verheerenden Brand von Los Angeles 2025, wie sie der Zeitung «Le Monde» erklärte. Ihr neuer Film «Paris Murder Mystery» kommt im April in die deutschen Kinos – mit Jodie Foster in der Hauptrolle.
Auch Produzent Charles Gillibert sieht darin einen strukturellen Wandel. Während Hollywood stärker auf Marken und kalkulierbare Erfolge setze, bleibe in Frankreich die Regie als künstlerische Handschrift vergleichsweise prägend, sagte er ebenfalls «Le Monde». Dreharbeiten seien dort oft freier, aber auch risikoreicher. Zugleich verfüge Frankreich über ein starkes Filmsystem mit steuerlichen Anreizen, einem dichten Kinonetz, großen Festivals, wichtigen Verleihern und international gefragten Technikern – sowie einem ausgeprägt cinephilen Publikum.