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Herbert Grönemeyer kritisiert Politik für Sprachlosigkeit

«Wir wollen Taten und kein Getratsche»: Grönemeyer übt Kritik an der Politik - und zieht sogar einen Vergleich zur Nationalmannschaft. Zugleich weigert er sich, Angst vor der Zukunft zu haben.

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Verleihung Deutscher Nationalpreis 2026 Christoph Soeder/dpa

Berlin (dpa) - Sänger Herbert Grönemeyer (70) hat die Politik für ihre Sprachlosigkeit scharf kritisiert und zugleich die Menschen zur Teilhabe aufgerufen. In den vergangenen 20 Jahren sei von der Politik aus mit der Bevölkerung «nicht und über nichts gesprochen worden», sagte Grönemeyer bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises in Berlin.

«Frau Merkel schwieg, außer dem: "Wir schaffen das", dann wieder Schweigen. Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der "Zeitenwende" und verfiel dann wieder ins Stumme», führte er aus. «Und jetzt läuft es sprachtechnisch auch eher noch lückenhaft und holprig. Die jetzige Koalition scheint eher die Ampel in ihrem öffentlichen Gezerre und Gezeter nachzuahmen, anstatt als Regierung zu Kompromissen und klaren weiterführenden Ergebnissen und Entschlüssen zu kommen und zu regieren.». 

Grönemeyer zog einen Vergleich zum Fußball. In der deutschen Nationalmannschaft spielten im Mittelfeld Felix Nmecha von Borussia Dortmund und Aleksandar Pavlović von FC Bayern München, die in der Bundesliga hart konkurrierten. «Aber sie kebbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor. So geht das. Wir wollen Taten und kein Getratsche.»

Der Sänger («Bochum») wurde für sein gesellschaftliches Engagement mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet. Seine Dankesrede nahm er auch zum Anlass für einen Aufruf. Die Zivilgesellschaft brauche nicht unbedingt «eine Mutti oder einen Vati. Wir haben uns selbst». Jetzt seien wir gefragt, in Aktion zu kommen, eine Bewegung der Bürger für Bürger. 

Grönemeyer: Weigere mich, Angst vor Zukunft zu haben

Grönemeyer plädierte für einen optimistischen Blick in die Zukunft. «Wir sind prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen in uns.» An die gelte es sich zu erinnern, «wie 2015, als die Menschen in ganz Deutschland den Geflüchteten in Notlagen entgegengegangen sind, sie aufgenommen haben und sich um sie gekümmert haben». 

Er weigere sich, Angst vor der Zukunft zu haben oder haben zu müssen. «Ich bin ein knackiger, mittelalter, weißhaariger, 70-jähriger Mann aus der Boomer-Generation. Ich trage eine große Verantwortung für die mir folgenden Generationen und die trage ich gern.»

Mit dem Deutschen Nationalpreis ehrt die Deutsche Nationalstiftung seit 1997 jedes Jahr Personen und Organisationen, die sich für eine demokratische Gesellschaft engagieren. Der parallel verliehene Förderpreis zeichnet bevorzugt Projekte aus, die sich für den Zusammenhalt junger Menschen starkmachen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Der Förderpreis geht an das Projekt Rhapsody in School.

© dpa-infocom, dpa:260623-930-269079/1