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Newcomer Yung Pepp: Sprachrohr für krisengebeutelte Jugend

Vom Kinderzimmer auf die Festivalbühnen: Yung Pepp verarbeitet in seiner Musik Zukunftsängste, politische Themen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens.

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Leipziger Rapper Yung Pepp mit neuer Single und EP Robert Michael/dpa

Dresden (dpa) - Vom Corona-Kinderzimmer hinaus auf die ganz große Bühne - so in etwa lässt sich kurz der Weg des Leipziger Musik-Newcomers Yung Pepp beschreiben. Der 17-jährige Indie-Rapper sorgt derzeit für Aufmerksamkeit. Zehntausende Fans verfolgen das Geschehen auf seinen Accounts in den sozialen Medien. Sein wohl bekanntester Song «Wassereis» kommt auf fast eineinhalb Millionen Abrufe im Streaming-Portal Spotify. 

Es scheint das Jahr des Durchbruchs für den Leipziger zu werden: Im Januar spielte er seine erste Solo-Tour. Seine Musik lässt sich am ehesten im modernen Indie-Pop verorten. Heute veröffentlicht er seine neue Single «Laut Sein (Immer)». Seine gleichnamige, zweite EP soll im August erscheinen. Es folgen 20 Festival-Shows im Sommer - darunter das heute beginnende «splash!»-Festival. Im Oktober geht Yung Pepp auf seine mittlerweile zweite Tour in diesem Jahr. 

Seine Musik trifft einen Nerv. Seine Texte sind geprägt von Zukunftsängsten angesichts von Kriegen und Krisen. «Ja, ich bin noch nicht 18 und die Welt liegt schon in Trümmern», heißt es etwa in «Laut Sein (Immer)». Hinzu kommen Texte über die Freuden und Leiden des Erwachsenwerdens, Melancholie und Schwermut und die politische Haltung gegen erstarkenden Rechtsextremismus. 

Das alles untermalt er mit einem Klangteppich aus verträumten Melodien, flächigen Instrumentals, breiten Beats und unerschütterlichem Optimismus. «Ich sehe mich da auch als Vermittler, als Messenger, weil ich die Chance habe, dass ich eine Bühne habe und ich weiß, wie es vielen Jugendlichen geht», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle das nutzen und etwas sagen, «weil mir Leute zuhören und das nicht selbstverständlich ist.»

Vom Fan zur Vorband

Das überzeugt nicht nur die Fans, sondern auch Musikgrößen wie Mark Forster, Clueso und die Chemnitzer Band Kraftklub, die den Leipziger für ihre aktuelle Tour ins Vorprogramm holte. Im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion spielte Yung Pepp zuletzt im Kraftklub-Vorprogramm vor über 30.000 Menschen, vor kurzem noch studierte er seine Bühnenperformance auf einer selbstgebauten Bühne im heimischen Zimmer ein. Es sei der bislang wohl bedeutendste Punkt seiner Karriere. «Die Leute, die du als Kind gehört hast, und jetzt bist du die Vorgruppe vor der Band – das ist schon krass. Ich kann es eigentlich gar nicht realisieren.»

Pepe, der seinen vollständigen bürgerlichen Namen aus Gründen der Privatsphäre nicht nennt, macht bereits seit seinem zwölften Lebensjahr Musik. Er stammt aus einem musikalischen Elternhaus, die Mutter Gesangspädagogin, der Vater kein Unbekannter in der Leipziger Rap-Szene. 2022 veröffentlicht er als Yung Pepp im Alter von 13 seine erste EP «13». Stück für Stück erarbeitet er sich Fans und Erfolg.

Doch wirklich durchgestartet ist der 17-Jährige nach eigener Aussage vor einem knappen Jahr dank Social Media. Es folgten die Kollaboration mit einem seiner größten Vorbilder, dem Bremer Rapper Kid Kapri, mit dem im Mai veröffentlichten Song «Ganz oben». Mit dessen für eingängige Hits bekannten Producer Luka Bodzin alias «Florida Juicy» verbindet den Leipziger zudem mittlerweile eine mehrjährige Zusammenarbeit. Es ist ein starker Aufstieg für den jungen Indie-Rapper: «Vor einem Jahr habe ich mit meinem iPhone ein Musikvideo gedreht und jetzt drehen wir eins mit Kameras, so groß wie ich sie noch nie gesehen habe.»

Eigenregie statt große Musikindustrie

Damit der Musikzirkus das Jungtalent nicht vollends vereinnahmt - immerhin ist Pepe noch Schüler - will er seine Karriere nach eigenem Bekunden ruhig angehen. Statt eines Vertrags mit einem der großen Major-Labels veröffentlicht er auch seine zweite EP in Eigenregie. Statt einer Entourage aus Industrie-Insidern umgibt er sich mit Vertrauten und Bekannten. «Das ist voll wichtig, sehr wichtig auch für meine Eltern. Ich bin minderjährig. Sie sollen wissen, es sind coole Leute, mit denen ich da unterwegs bin.» 

Mittlerweile ist die Zahnspange - einst Yung Pepps Markenzeichen - verschwunden. Und nicht nur die Stimme des 17-Jährigen klingt erwachsener - seine ersten Songs hatte Pepe noch vor dem Stimmbruch aufgenommen - auch auf seine Texte trifft das zu: «Laut Sein (Immer)» zeigt ein weiteres Mal die politisierte Seite des Yung Pepp. 

Der Song handelt vom lautstarken Protest gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Etwas, mit dem der Schüler auch in seinem eigenen Umfeld in Leipzig Bekanntschaft gemacht hat. Dass er aus der Stadt der friedlichen Revolution kommt, in der das Politisch sein ebenso Tradition hat wie die Musik, spielt für den 17-Jährigen dabei weniger eine Rolle. «Ich schreibe einfach über das, was mich beschäftigt und was in meinem Kopf vorgeht», sagt Yung Pepp. «Und das sind eben diese Themen.»

Aktuell geht es für den Musiker noch darum, die Schulbank mit der Bühne und dem Studio in Balance zu bringen. «Mein Traum ist natürlich, dass ich irgendwann einfach sagen kann, ich bin Musiker, der davon lebt und dass das mein Beruf sein kann.»

© dpa-infocom, dpa:260703-930-326107/1