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«One Night Only» und das Romcom-Revival

Nur eine Nacht im Jahr ist Sex erlaubt: «One Night Only» mit Callum Turner und Monica Barbaro verbindet Dating-Dystopie und Slapstick. Und fragt nebenbei, was eine gute Romcom heute ausmacht.

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Kinostart - "One Night Only" Nicole Rivelli/Universal Pictures/dpa

Berlin (dpa) - Seit einer Weile gibt es eine Renaissance der Romcom im Kino. Der neue Film «One Night Only» mit Callum Turner und Monica Barbaro sattelt auf diesen Trend zur romantischen Komödie auf. Es geht um eine Zukunft, in der Singles nur eine Nacht im Jahr Sex haben dürfen. In einer dieser Nächte treffen Owen (Turner) und Allie (Barbaro) in New York aufeinander und dann passiert allerhand Absurdes.

«One Night Only» spielt in einer nicht näher definierten Zukunft in den USA, in der die Regierung das Paarungsverhalten ihrer Bürger reguliert. Singles tragen Tattoos, die zeigen, dass sie noch nicht verheiratet sind. So wie Owen und Allie.

Humor statt Gesellschaftskritik

Allie sucht nicht nach schnellem Sex, sondern einer tiefen Verbindung. Owen hat nach der schmerzhaften Trennung von seiner Partnerin etwas simplere Anforderungen an die Nacht. Der Zufall führt die beiden zusammen und zwischen ihnen funkt es. Ihr Kennenlernen wird jedoch ständig von Missgeschicken und skurrilen Nebenmissionen sabotiert, während die gesamte Stadt im Sexrausch versinkt. 

«One Night Only» zeigt, wie sehr sich die moderne Romcom von der klassischen unterscheidet: Von Liebe wird heutzutage eher zynisch oder satirisch erzählt. Man kann den Film von Regisseur Will Gluck («Wo die Lüge hinfällt») nicht so ganz ernst nehmen - oder sollte es nicht. Dann wird man gut unterhalten. Obwohl die Grundkonstellation so politisch klingt, setzt «One Night Only» eher auf Situationskomik.

Molly Ringwald in Luftpolsterfolie

Szenen wie diese bleiben im Gedächtnis: Allie, die bevor die Nacht starten kann, noch ihren Job erledigen muss: Sie ist Sängerin und verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Einsingen von Werbe-Jingles für verschreibungspflichtige Medikamente. Diese Songs sind definitiv Highlights des Films. 

Zwischendurch planen Owen und Allie, mit anderen Leuten Sex zu haben. In einer zentralen Sequenz streiten sie um das letzte, überteuerte Kondom in einem Laden - was in einem etwas grellen Kampf, der einen Motorradstunt beinhaltet, eskaliert. 

In einer anderen Szene überrascht Owen seine Mutter - gespielt von Molly Ringwald, selbst Königin der Romcom und mit Filmen wie «Pretty in Pink» berühmt geworden - beim Sex in Luftpolsterfolie eingewickelt.

Generell gibt es im Film viele Cameos und Anspielungen auf andere Romcoms. Doch einige hatten sich von dem Film mehr erwartet. Hätte «One Night Only» in einer Zeit, in der gerade in den USA viele Leute das Gefühl haben, sich immer mehr in Richtung einer puritanischen Gesellschaft zu bewegen, seine politische Grundkonstellation stärker ausbauen sollen?

Was eine gute Romcom ausmacht

Doch vielleicht sind das auch die falschen Erwartungen an eine Romcom, die per Definition nun mal vom Beginn einer Liebesbeziehung handelt. Das simple Setting einer Romantic Comedy lässt sich so beschreiben: Zwei Menschen treffen zufällig aufeinander, nähern sich an. Dann kommen Missverständnisse und ein Bruch. Am Ende überwindet das Paar alle Hindernisse und findet zueinander.

Im besten Fall ist eine Romcom noch mit cleveren Dialogen und vielschichtigen Charakteren ausgestattet. So zum Beispiel in «Harry und Sally» (Originaltitel: When Harry Met Sally), «Notting Hill», «Bridget Jones», «Einfach zu haben» (Original: Easy A; ebenfalls von Will Gluck) - oder dem fast hundert Jahre alten Klassiker «Es geschah in einer Nacht» (It Happened One Night) mit Clark Gable, der oft als erste Romcom bezeichnet wird.

Im Idealfall herrscht eine besondere Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern - das zumindest erfüllt «One Night Only» auf jeden Fall. Auch die Charaktere und Dialoge sind Will Gluck zumindest besser gelungen als in der platten Liebeskomödie «Anyone but You» (auf Deutsch: Wo die Lüge hinfällt), die 2023 das aktuelle Romcom-Revival ausgelöst hat.

Warum der Regisseur diesmal auf Nacktheit verzichtete

Anders noch als in dem Film mit Sydney Sweeney und Glen Powell verzichtet Gluck dieses Mal auf Nacktheit und explizite Szenen. Er habe das Gefühl, die Gen Z sehe das nicht gerne, sagte er dem Magazin «Variety».

Das ist natürlich in einer Romcom, in der es um Sex geht, etwas überraschend. Aber ohnehin scheinen sich die Regeln, die für romantische Filme heute gelten, verändert zu haben. 

Moderne Romcoms erzählen Liebe wie in «One Night Only» als dystopische Dating-Massenpanik, als kapitalistische Marktlogik («Materialists») oder mit schwarzem Humor und tiefsten menschlichen Abgründen («The Drama»).

Nicht verändert hat sich die Beliebtheit der Romcom. Glucks Vorgänger-Film «Wo die Lüge hinfällt» war an den Kinokassen über längere Zeit sehr erfolgreich. Vermutlich wird das auch «One Night Only» gelingen. 

Wer zwei wirklich gut spielenden Hauptdarstellern in einem atmosphärischen New Yorker Setting bei eher auf Slapstick als auf Tiefgang setzenden Situationen zusehen möchte, dürfte hier richtig sein.

© dpa-infocom, dpa:260826-930-583025/1