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Thriller «Guru»: Im Sog der Paranoia

«Guru» behandelt ein im Kino kaum beleuchtetes Thema: die Welt der Influencer und Life-Coaches. Ein aktueller Psychothriller mit Frankreichs Leinwandstar Pierre Niney in einer seiner stärksten Rollen.

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Kinostart -"Guru" -/StudioCanal/dpa

Paris (dpa) - Tausende Arme schnellen in die Höhe. Auf der Bühne steht «Matt», ein Star der Persönlichkeitsentwicklung. Jeder seiner Sätze wird bejubelt. In seinen spektakulären Vorträgen und viralen Videos verspricht er seinen Anhängern Erfolg, Wohlbefinden und Selbstverwirklichung. Hinter der mitreißenden Rhetorik verbirgt sich jedoch ein System emotionaler Abhängigkeit.

Mit «Guru» blickt Regisseur Yann Gozlan auf ein im Kino wenig beleuchtetes Thema: die Welt der Influencer und Life-Coaches. Im Zentrum stehen die Mechanismen, mit denen aus Sehnsucht nach Sinn und Selbstoptimierung schnell Abhängigkeit wird – und ein lukratives Geschäftsmodell entsteht. Der 49-jährige Regisseur («Dalloway») entwickelt daraus einen hochaktuellen Psychothriller.

Ein Held als Projektionsfläche 

Mathieu «Matt» Vasseur (Pierre Niney) ist Frankreichs meistgefolgter Selbsthilfe-Coach. In einer Gesellschaft auf der Suche nach Sinn, in der individueller Erfolg längst als neues Ideal gilt, ist er zur Projektionsfläche kollektiver Sehnsüchte geworden – und zum gefeierten Heilsversprechen für seine Anhänger. Doch je größer seine Reichweite wird, desto brüchiger wird die Kontrolle über das Bild, das er selbst von sich geschaffen hat. 

Als ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss gegen ihn ermittelt und die politische Debatte um Regulierung an Fahrt aufnimmt, beginnt sein Konstrukt zu bröckeln. Unter öffentlichem Druck wählt der ehemalige Schulabbrecher die Flucht nach vorn, die ihn zunehmend an den Rand des Realitätsverlusts führt.

Zunehmender Kontrollverlust

Zum dritten Mal arbeiten Niney und Gozlan im Genre des paranoiden Thrillers zusammen. Zuvor war der französische Schauspieler in «Un homme idéal» (Ein idealer Mann) als Hochstapler zu sehen, der sich das Werk eines anderen aneignet, sowie in «Black Box – Gefährliche Wahrheit» als Ingenieur, der einen Flugzeugabsturz untersucht.

Auch in «Guru» steht das langsame Kippen einer Figur im Zentrum: ein Mann, der mit schwindender Kontrolle in eine wachsende Paranoia abrutscht. Niney zeichnet diesen Wandel als intensive, fast obsessive Performance nach und bestätigt einmal mehr seine bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit.

Dynamiken moderner Guru-Kulturen 

«Guru» verknüpft Themen wie psychologische Abhängigkeit, kommerzialisiertes Wohlbefinden, politische Regulierung und die Macht sozialer Medien zu einem hochaktuellen Psychothriller. Darin liegt seine Stärke, aber auch eine gewisse Schwäche: Nicht alle Motive werden im weiteren Verlauf mit der anfänglich angedeuteten Konsequenz weitergeführt. 

Auch die Nebenfiguren bleiben etwas blass, insbesondere die Figur der Freundin, gespielt von Marion Barbeau («Mit leiser Stimme»). Ihr hätte mehr Raum gutgetan, um den Absturz des Protagonisten noch greifbarer zu machen. Dennoch bleibt «Guru» ein spannender Thriller über die Dynamiken moderner Guru-Kultur und die Macht einfacher Versprechen.

© dpa-infocom, dpa:260617-930-235320/1