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Merz in Waldbrandgebiet: «Das ist Klimawandel»

Nach seinem Sommerurlaub besucht der Kanzler das Waldbrandgebiet Hürtgenwald. Das Feuer dort ist seit Donnerstag gelöscht. Es gab auch Proteste.

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Bundeskanzler Merz besucht Waldbrandgebiet in Hürtgenwald Roberto Pfeil/AFP-Pool/dpa

Hürtgenwald (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht in dem inzwischen gelöschten Waldbrand in der Eifelgemeinde Hürtgenwald eine Folge des Klimawandels. «Wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel», sagte Merz bei einem Besuch im Ortsteil Gey, der in der vergangenen Woche am stärksten von dem Waldbrand betroffen war.

«Und ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist», sagte er weiter. Man werde alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, «aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben». Darauf vorbereitet zu sein, sei eine Aufgabe des Bundes, der Länder und der Gemeinden.

Merz: Landrat bat, erst später zu kommen

Merz' Besuch in Hürtgenwald-Gey wurde begleitet von Protesten von rund zwei Dutzend Demonstranten. Während seines Statements waren Rufe und Pfiffe zu hören. In seiner Rede ging er kurz darauf ein: «Ich lasse mich von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken. Ich spreche mit denen, die nicht schreien, sondern ich spreche mit denen, die arbeiten.» Er spreche mit denen, die helfen und im Sinne des Gemeinwesens tätig seien.

Auch sein Besuch in Hürtgenwald erst nach Beendigung der Löscharbeiten wurde kritisiert. Auf Plakaten war zu lesen: «Der Wald brennt und Friedrich pennt» oder «Kommst Du erst jetzt? Zu spät». Merz erklärte, dass er am vergangenen Wochenende mehrfach mit Landrat Ralf Nolten (CDU) telefoniert und angeboten habe zu kommen. Der Landrat habe jedoch gesagt: «Kommen Sie danach.»

Landrat Nolten berichtete, der Kanzler habe ihn am Telefon gefragt: «Wie schätzen Sie das ein?» Er habe Merz daraufhin geantwortet: «Wenn Sie ins Einsatzgebiet reinfahren, dann können wir zwei, drei Stunden nicht löschen.» Ein Kollege von der örtlichen Feuerwehr habe es richtig formuliert, so Nolten. Dieser habe gesagt: «Ich brauche keine Politiker, sondern ich brauche solche Leute, die den Löschschlauch halten.» Daraufhin sei er mit dem Kanzler übereingekommen: «Es gibt auch noch Tage danach.» 

Auf Pfiffe gegen Merz reagierte der Landrat mit den Worten: «Nehmen Sie doch die negative Energie raus, machen Sie eine positive Energie daraus, treten Sie dem THW bei, der Feuerwehr oder dem DRK, dann haben wir alle was davon. Die Einsatzkräfte hier haben ihren Job gemacht, und die freuen sich über den Besuch des Bundeskanzlers.»

Merz dankt Helfern: «Großartige Organisationen»

Merz dankte allen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz. «Ohne die Zusammenarbeit zwischen allen diesen Beteiligten wäre das nicht so glimpflich ausgegangen», sagte er mit Blick auf die vielen, auch ehrenamtlichen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk sowie von der Bundeswehr und aus der Land- und Forstwirtschaft.

Merz sprach von «großartigen Organisationen» und unterstrich die Bedeutung des ehrenamtlichen Einsatzes: «Ohne die zahlreichen Menschen, die Millionen Menschen in Deutschland, die in den ehrenamtlichen Tätigkeiten unterwegs sind, könnten wir unser Gemeinwesen nicht aufrechterhalten.»

Erster öffentlicher Termin nach Sommerurlaub

Bei dem Großeinsatz waren zeitweise rund 1.400 Menschen an der Brandbekämpfung beteiligt. Der Besuch in der nordrhein-westfälischen Gemeinde war der erste öffentliche Termin des Kanzlers nach seinem Sommerurlaub.

Das Feuer war am Donnerstag vergangener Woche aus noch ungeklärter Ursache im Hürtgenwald ausgebrochen, menschliches Fehlverhalten gilt als mögliche Ursache. Die Flammen rückten bis auf 250 Meter an Grundstücke heran. Aus Sicherheitsgründen mussten die rund 1.800 Bewohner des Ortsteils Gey ihre Häuser verlassen. Zwei Tage später durften sie zurückkehren. Bei der Evakuierung bekam eine ältere Person Herzprobleme, Einsatzkräfte wurden leicht verletzt.

Feuer seit Donnerstag gelöscht

Nach Angaben des NRW-Landesbetriebes Wald und Holz verbrannte oder schädigte das Feuer eine Fläche von 300 bis 400 Hektar Wald. Zur Einordnung: 400 Hektar entsprechen einer Fläche von zwei mal zwei Kilometern. Am Donnerstag erklärte der Bürgermeister der Gemeinde das Feuer für gelöscht. Das betroffene Waldgebiet wurde gesperrt.

Merz kündigte eine Auswertung der Einsatzlage an: «Wir werden auswerten, was hier gut gelaufen ist, aber wir werden auch auswerten, was noch fehlt.» So seien etwa die Kommunikationsverbindungen noch nicht so gut, wie sie sein müssten. «Das müssen wir noch verbessern.» Am kommenden Dienstag und Mittwoch werde man im Bundeskabinett genau über diese Themen reden: «Wie können wir in Zukunft noch besser vorbereitet sein auf solche Großschadensereignisse?»

Um die Ausbreitung des Feuers zu stoppen, hatte die Feuerwehr Gegenfeuer eingesetzt. Bundeswehr-Bergepanzer schlugen bis zu 15 Meter breite Schneisen in den Wald. Bis zu elf Löschhubschrauber aus mehreren Bundesländern waren gleichzeitig in der Luft. 

Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat knapp 9.000 Einwohner.

NRW-Landwirtschaftsministerin begleitete Kanzler

Mehrere Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung besuchten das Brandgebiet von Hürtgenwald bereits. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) unterbrach dafür vor einer Woche seinen Urlaub in der Lüneburger Heide. Aus der Bundesregierung war zuvor noch niemand dort. Merz wurde begleitet von Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU). 

Die Opposition hatte Merz während seiner Abwesenheit im Zuge der Hitzewelle Untätigkeit bei der Bekämpfung des Klimawandels vorgeworfen. So sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge bei RTL und ntv: «Friedrich Merz scheint zu hoffen, wenn er im Urlaub ist und niemand ihn sieht, auch niemand auf die Idee kommt, dass er zuständig sein könnte, die Folgen der Klimakrise zu bekämpfen.»

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