21.04.2020 | Familie & Kinder Lehrerverband gibt Ratschläge: So kann Schule trotz Corona funktionieren

Schulunterricht während Corona ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung. BLLV-Präsidentin Fleischmann gibt eine erste Bilanz und verrät was wir vom Unterricht in Corona-Zeiten lernen können.

Foto: Fabian Strauch/dpa

Die Corona-Krise belastet nicht nur die Kinder und Eltern, auch Lehrer stehen unter enormen Druck. Im ANTENNE BAYERN Interview hat die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) Simone Fleischmann Einblicke in die ungewöhnlichen Bedingungen für Lehrer und Lehrerinnen, eine erste Bilanz vom digitalen Lernen und einen Ausblick auf Normalität gegeben. 

Einheitliche Beschulung wird es vorerst nicht geben

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Gerade in Krisensituationen wird es keine einheitliche Beschulung geben. Schon derzeit wird der Lehrplan von jedem Lehrer individuell ausgelegt, daran wird sich auch in Corona-Zeiten nichts ändern. 

Normalität werden wir in den nächsten Monaten in den Schulen nicht erreichen. Wir müssen lernen mit dieser Situation zu leben, so Fleischmann.

Wir brauchen eindeutige Ansagen in der Corona-Zeit

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BLLV-Präsidentin Fleischmann geht davon aus, dass es in den nächsten Monaten eine Mischform beim Lernen geben wird. Teilweise soll weiterhin von daheim unterrichtet werden, es wird aber Präsenzzeiten in den Schulen geben. Der BLLV fordert klare Ansagen der bayerischen Regierung, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht und wie der Unterricht gestaltet werden soll. 

Die bayerische Regierung hat Druck rausgenommen

BLLV-Präsidentin Fleischmann lobte das Vorgehen der bayerischen Staatsregierung. "Man habe frühzeitig Druck rausgenommen", so Fleischmann. Es geht nicht darum den Lehrplan Schritt für Schritt durchzuarbeiten, sondern diese Zeit gesund zu überstehen. 

Corona-Sitzenbleiben gibt es nicht

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BLLV-Präsidentin Fleischmann lobte das Vorgehen der bayerischen Regierung, dass dieses Jahr kein Schüler sitzenbleiben soll. Es sollte in dieser Zeit nicht um Noten und Leistungsvergleiche gehen.

Auf die Frage, ob es nach der Krise erhebliche Wissensunterschiede geben wird, verwies Fleischmann auf die gute Ausbildung der Lehrer. Diese Situation gibt es ja schon jetzt, manche Schüler verstehen Dinge schneller, andere brauchen viele Erklärversuche. 

Die Lernstände müssen ermittelt werden, wenn die Schüler wieder zur Schule kommen. Das heißt nicht, dass diese Lernstände mit Kontrollen geprüft werden sollen.

Ab September rechnet Fleischmann mit zunehmender Normalität in den Schulen.

Abstand und Maske in der Schule?

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Die Mindestabstände in den Klassenzimmern lassen sich laut Simone Fleischmann gut einhalten. Problematisch wird es in den Pausen, auf der Toilette oder beim Kommen und Gehen der Schüler. Hier sollte man das Tragen einer Maske erwägen.

Eine generelle Maskenpflicht für Lehrer sieht Simone Fleischmann kritisch. Mehrere Stunden so eine Maske zu tragen, ist kaum zumutbar, so Fleischmann. Masken bieten sich eher dort an, wo kein genereller Abstand gehalten werden kann.

Schulplattform Mebis

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Simone Fleischmann begrüßt die digitale Lernplattform Mebis. Jedoch muss man auch an Schüler denken, die kein geeignetes Endgerät oder eine stabile Internetverbindung haben. Zudem ist nicht jeder Schüler in der Lage, eigenständig über diese Plattformen zu lernen. Eltern können hier auch keine umfängliche Betreuung geben. Auch nicht jeder Lehrer ist ausreichend geschult, um diese Plattform zu nutzen und Lerninhalte bereitzustellen. 

Was können wir aus der Krise lernen?

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Langfristig muss überlegt werden, was gut war an der Phase ohne Live-Unterricht. Wo gab es vielleicht Stoplersteine? Auch über die Frage der Leistungsvergleiche sollte man sich Gedanken machen, so Fleischmann. Die Schule sollte zum Aneignen von Wissen da sein, nicht zum Leistungsvergleich.

Auch Eltern können aus der Krise was lernen. So hat sich der Austausch der Eltern über Schulaufgaben und Schulprobleme über das Telefon, Messenger oder Videochat als hilfreich erwiesen.

Gilt der digitale Unterrichtsstoff als prüfungsrelevant und gültig unterrichtet?

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Der BLLV fordert eine Notenfreiheit für die digital erlernten Lehrplaninhalte. Eine Benotung ist nicht fair und nicht vergleichbar, da einige Eltern mehr helfen können und diese Schüler dann von einer guten Noten profitieren würden, während andere Eltern vielleicht nicht so sehr helfen können und diese Schüler dann mit einer schlechten Note bestraft werden würden. 

Für die Herbeischaffung von Seife und Desinfektionsmittel ist der jeweilige Träger der Schule verantwortlich. Um die Umsetzung müssen sich dann die Lehrer kümmern. Sollten die Hygienemaßnahmen nicht rechtzeitig umgesetzt werden können, so hält Fleischmann es für richtig, wenn Schulleiter die Schulen dann noch geschlossen lassen. In diesem Fall brauchen die Schulleiter aber das Vertrauen der bayerischen Staatsregierung, so die BLLV-Präsidentin. 

Hier der komplette Podcast zum nachhören: