09.04.2019 | Geld & Recht Angst vor Inkasso-Abzocke: So erkennt ihr unseriöse Eintreiber

„Was soll ich machen, wenn mich ein Inkasso-Büro anschreibt und behauptet, ich hätte eine Rechnung nicht bezahlt?“ Eine Frage, die immer mehr Verbraucher stellen. Denn jeder fünfte Inkasso-Brief ist ein Fake. Wie ihr euch richtig verhaltet, erklären wir hier.

Foto: Bodo Marks/dpa

Bezahlen, obwohl wir gar nichts gekauft haben. Das kommt immer wieder vor. 5,8 Millionen Menschen in Deutschland haben im Jahr 2018 eine Inkasso-Forderung erhalten. Allerdings gibt es nach Angaben der Verbraucherzentralen für mehr als die Hälfte davon keine Rechtsgrundlage, die Bescheide sind häufig frei erfunden.

Vorgehen der Geldeintreiber

Immer öfter taucht die Masche von Fake-Inkassos auf, die unseriöse Geldeintreiber gezielt nutzen. Denn sie wissen, dass knapp sieben Millionen Menschen in Deutschland überschuldet sind. Also setzen die Abzocker auf das Motto: „Versuchen können wir es ja mal, vielleicht zahlt der ja.“

Personen werden willkürlich angeschrieben. In Briefen fordern die Geldeintreiber das Begleichen einer offenen Rechnung. Besonders oft geht es um vermeintliche Bestellungen in Online-Shops. Reagiert man nicht auf die Schreiben, flattert eine Mahnung ins Haus.  Jeder fünfte Inkasso-Brief ist laut Verbraucherschützern ein Fake.

Wie erkenne ich Abzocke?

Verbraucherschützer geben Anhaltspunkte, wie man seriöse und unseriöse Inkassofirmen erkennt. Dazu ist zunächst wichtig zu wissen, wie ein Inkassofall normalerweise abläuft. Wenn ein Schuldner trotz Mahnung nicht bezahlt, beauftragt der Gläubiger ein Inkassounternehmen oder er verkauft die Forderung sogar an das Inkassounternehmen. Als beauftragter Mittler prüft eine Inkassofirma den Fall, schickt eine schriftliche Mahnung und schickt bei Weigerung ggf. gerichtliche Mahn- und Vollstreckungsbescheide. Als Folge können auch Gerichtsvollzieher zur Zwangsvollstreckung geschickt werden. Eingekaufte Forderungen treiben Inkassofirmen ein, indem sie über den Rechnungsbetrag hinaus auch zusätzliche Gebühren einfordern. Wichtig aber: Der Schuldner bekommt immer die Gelegenheit, Einwände vorzubringen.

Seriöse Inkassounternehmen... Abzocker...
  • sind Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen, der ein verpflichtendes Regelwerk hat.
  • müssen nach §10 Rechtsdienstleistungsgesetz registriert sein.
    --> im  Rechtsdienstleistungsregister kostenlos nachprüfbar
  • werden von Firmen beauftragt. Über die Dienstleister läuft die weitere Korrespondenz, d.h. man zahlt direkt ans Inkassounternehmen.
  • legen in Schreiben konkret die Inkasso-Hintergründe offen (Auftraggeber, Vertragsgegenstand, Datum Vertragsschluss, angemessene Zahlungsfrist).
  • legen in Schreiben nicht schlüssig offen, woher offene Rechnung kommt und ob Forderung berechtigt ist.
  • haben eine aggressive Wortwahl.
  • sprechen Drohungen aus (z.B. Gerichtsverfahren).
Was sollte ich bei Inkasso-Schreiben tun, um sicher zu gehen?

Nicht selten passiert es, dass Verbraucher verängstigt sind und einfach bezahlen, selbst wenn sie gar nicht müssen. Denn viele Inkassofirmen drohen mit Mahnbescheiden oder Zwangsvollstreckung bis hin zum Gerichtsvollzieher oder zur „Kontosperre“, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.  Um sich schützen, sollten Empfänger von Inkasso-Schreiben...

  • den dokumentierten Fall überprüfen (Ist die Forderung gerechtfertigt? Bezahlen! / Ist die Forderung nicht gerechtfertigt? Bei Rechnungserhalt vom Gläubiger widersprechen und beim Inkassobüro darauf verweisen, Widerspruch begründen),
  • immer per Einschreiben mit Rückschein antworten. Die Gläubigerfirma mit Kopie in Kenntnis setzen,
  • die Kosten überprüfen (selbst wenn eine Forderung berechtigt ist, sind Inkasso-Kosten teils überhöht),
  • nichts unterschreiben, was sie nicht verstehen,
  • sich nicht einschüchtern lassen.

Inkasso-Mitarbeiter muss man außerdem nicht in die Wohnung lassen. Wer von einem Inkassounternehmen eine Zahlungsaufforderung erhält, sollte das Original der Vollmacht oder Abtretungsurkunde des Inkassounternehmens verlangen.