11.04.2022 | Gesundheit Daran erkennt ihr, ob ihr Long Covid habt

Eine Corona-Infektion an sich stellt bereits eine große Belastung für den Körper dar. Selbst nach überstandener Covid-19-Erkrankung macht sich das Coronavirus in einigen Fällen noch bemerkbar. Wir haben für euch die häufigsten Long Covid Symptome zusammengefasst.

Foto: Dogukan Sahin/unsplash

Die Langzeitfolgen können bereits nach einer milden Erkrankung auftreten und Betroffene im Alltag einschränken. Die Kassenärzte erwarten eine deutliche Zunahme von Verdachtsfällen von Long Covid – Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist alarmiert.

Wann spricht man von Long Covid?

Für Long Covid gibt es noch keine abgeschlossene, klinische Definition. In der Regel versteht man unter Long Covid gesundheitliche Beschwerden, die jenseits der akuten Corona-Krankheitsphase von vier Wochen fortbestehen oder neu auftreten. Beschwerden, die noch mehr als zwölf Wochen nach Beginn der Infektion vorhanden sind und nicht anderweitig erklärt werden können, werden zum Teil auch als Post-Covid-Syndrom bezeichnet.  Long Covid-Kranke sind nach aktuellen Erfahrungen aus der Reha mit ganz unterschiedlichen, teils gravierenden Symptomen konfrontiert. 

"Dabei gibt es bei Weitem nicht nur ein Krankheitsbild – in unseren Einrichtungen haben wir es mit einer ganzen Menge verschiedener Symptome zu tun", 

sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach.

Was sind die Beschwerden bei Long Covid?

Nach einer im Dezember veröffentlichten Studie der Mainzer Universitätsmedizin haben rund 40 Prozent der Corona-Infizierten mehr als ein halbes Jahr später noch Symptome, also Long Covid. Long Covid trifft demnach auch Infizierte mit milden oder asymptomatischen Verläufen. Roßbach sagte: 

"Die Beschwerden sind unspezifisch – darunter Herzprobleme, Konzentrationsprobleme, Luftnot, Angststörungen, Depression oder chronische Müdigkeit." 

Manche Betroffene seien aus ihrem Berufsleben herausgerissen. Manche könnten sich teils Monate nach der eigentlichen Erkrankung nicht mehr konzentrieren und zum Beispiel Texte nicht mehr verstehen. Jördis Frommhold, Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm, warnte davor, Long Covid zu unterschätzen. Mehrere hunderttausend Menschen seien von diesen Covid-Langzeitfolgen betroffen. 

"Es sind die jungen, die sportlichen, die dynamischen Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben."
Woran erkennt man Long Covid?

Laut RKI sind dies die häufigsten Symptome, die einzeln oder in Kombination auftreten können: 

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • eingeschränkte Belastbarkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Schlafstörungen
  • Muskelschwäche und -schmerzen
  • psychische Probleme, etwa depressive Symptome oder Ängstlichkeit

Neben einer Verschlechterung der Lungenfunktion ließen sich auch andere Organkomplikationen beobachten, etwa Herzmuskelentzündungen und neu aufgetretene Nieren- und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Insgesamt gebe es bis zu 200 verschiedene Long-Covid-Symptome, sagt Medizinerin Frommhold. Anders als viele glaubten, handele es sich keinesfalls um ein rein psychosomatisches Krankheitsbild. Eine Studie derUniversität Oxfordhatte darauf hingewiesen, dass eine Infektion mit dem Coronavirus das Gehirn schädigen könne.

Wie behandelt man Long Covid?

Der erste Gang sollte immer zum Hausarzt erfolgen. Dort wird eine ausführliche Anamnese vorgenommen. Die Leitlinie empfiehlt den Ärzten neben der körperlichen Untersuchung auch den neurologischen Status zu überprüfen. Symptome einer Depression oder Angsterkrankung sowie die soziale, familiäre und berufliche Situation sollten ebenfalls abgefragt werden. Die Nachsorge bei Post Covid hat häufig einen interdisziplinären Charakter. In schweren Fällen kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. 

"Viele Fragen zu Diagnose und Therapie von Long Covid sind noch offen", 

so Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Die Leitlinie spiegele den derzeitigen Stand des Wissens wider und werde fortlaufend aktualisiert.

Hier könnt ihr die zitierten Studien nachlesen:

Studie der Mainzer Universitätsmedizin

Studie der Universität Oxford