19.08.2021 | Haus & Garten Mit und durch einen eigenen Garten zu mehr Klimaneutralität und Nachhaltigkeit – so geht’s

Einen Garten bewirtschaften zu können, ist einer der besten Garanten, um eigene und fremde CO2-Emissionen abzumildern und der Natur anderweitig Gutes zu tun. Was ihr dabei alles machen und vermeiden könnt, erfahrt ihr jetzt.

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Wie gut jemand dem Klimaschutz und dem Artenreichtum helfend unter die Arme greifen kann, hängt nicht zuletzt maßgeblich von seiner Wohnsituation ab. Genauer: Wer selbst besitzt, muss niemandem Rechenschaft ablegen und kann hinter seinem Haus weitgehend schalten und walten, wie er möchte.

Zumindest, was das Thema Garten anbelangt, gilt dies allerdings auch dort, wo eine Parzelle nur gepachtet wird – etwa im Zuständigkeitsbereich des Landesverbands Bayerischer Kleingärtner e.V. alternativ bei frei gepachteten Gärten; also solchen, die nicht zu einem Kleingartenverein gehören – dort vielleicht noch besser, weil in Kleingartenvereinen häufig zahlreiche Regularien zu beachten sind, die auf dem Weg zu einem wirklich nachhaltigen Garten mitunter hinderlich sein können.

Allerdings: Wie gut ein Garten dir dabei hilft, nachhaltiger und klimaschonender zu leben, hängt maßgeblich davon ab, was du darin anstellst – eine große Rasenfläche, die du nur nutzt, um dich in der Sonne zu aalen, wäre in dieser Hinsicht weit entfernt von optimal. Wie bei allen anderen Themen rund um Klima und Nachhaltigkeit, so gilt auch hier: Wenn du wirklich etwas erreichen willst, musst du gewillt sein, Arbeit zu investieren und sehr geplant vorzugehen. Doch was könntest du tun?

1. Entferne und verzichte auf Neophyten

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Auch bei Pflanzen gibt es eine Art Globalisierung. Bei solchen, die fern ihres eigentlichen Verbreitungsgebiets leben, spricht der Fachmann von Neophyten. Hier lautet deine erste Aufgabe als Gartenbesitzer, diesen Pflanzen den Kampf anzusagen – so schön sie teilweise aussehen mögen und so gut manche vielleicht sogar schmecken.

Denn Neophyten sind praktisch immer dafür verantwortlich, dass einheimische Arten verdrängt werden und somit zumindest regional verschwinden. Jedoch steht auf keinem Samentütchen, auf keinem Töpfchen eines Setzlings geschrieben, dass es sich um Neophyten handelt. Das heißt, du musst dich selbst in das Thema einarbeiten.

Zudem ist es überaus wichtig, dass du nicht nur künftig auf diese „pflanzlichen Einwanderer“ verzichtest, sondern bereits deinen bestehenden Garten auf sie überprüfst und sie entfernst. Dabei musst du jedoch sehr konkret vorgehen:

  • Bekämpfe Neophyten immer per Schaufel oder Spaten, damit du auch die Wurzeln entfernst.

  • Wirf die Pflanzen niemals auf den Kompost, in den Biomüll oder setze sie einfach um. Sie müssen buchstäblich vernichtet werden.

  • Um Neophyten derart unschädlich zu machen, musst du sie entweder nach ein paar Tagen der Durchtrocknung in einer Feuerschale verbrennen oder in den Restmüll geben – der wird in aller Regel nämlich ebenfalls verbrannt.

Zudem solltest du dir die Stellen, an denen Neophyten saßen, gut merken und beobachten. Mitunter können dort abgefallene Samen oder Wurzelreste nochmals austreiben. Und sowieso können natürlich der Wind und Vögel neuen Samen in deinen Garten tragen. Es handelt sich also um einen immerwährenden Kampf, der sich jedoch für die Vielfalt einheimischer Sorten unbedingt lohnt. 

2. Nutze Strom und die Sonne als Energiequelle

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Wenn du dich mit anderen Gärtnern unterhältst und vielleicht einen Blick in die zahllosen Garten-Channels auf YouTube wirfst, wirst du schnell eines feststellen: Je größer der Garten, desto notwendiger ist es, dort motorbetriebenes Werkzeug einzusetzen. Einfach, weil viele Arbeiten hier in manueller Form enorm zeitaufwendig, anstrengend und/oder schweißtreibend sind – und es kaum möglich ist, beispielsweise wie ehedem einen Kaltblüter vor den Pflug zu spannen.

Mit dem Klima im Fokus solltest du dabei jedoch kategorisch auf alles verzichten, was einen Verbrennungsmotor besitzt; ganz besonders, wenn es sich um einen Zweitaktmotor handelt – Quasi-Standard unter anderem bei Kettensägen und Freischneidern.

Das heißt jedoch nicht, dass du alles händisch machen könntest oder solltest. Dafür ist der Job, wie erwähnt, viel zu anstrengend und je nach Gartengröße zudem hinsichtlich des Zeitaufwandes kaum zu stemmen. Deine Universal-Energiequelle zum Schutz des Klimas sollte deshalb Strom sein. Ganz gleich, ob per Kabel oder Akku. Von der Säge bis zur Motorhacke lässt sich damit heute alles antreiben.

Sofern dein Garten über einen Zugang zum öffentlichen Stromnetz verfügt, solltest du zunächst sicherstellen, dass du einen grünen Stromtarif buchst. Alternativ oder ergänzend solltest du jedoch überlegen, ob du nicht auf die boomende und erfolgreiche Technik namens Photovoltaik setzen möchtest. Ob als Paneele auf dem Hausdach, dem des Gartenhäuschens oder ganz klein zum Betrieb von Teichpumpen und Gartenleuchten: Überall lässt sich die Kraft der Sonne nutzen.

Und was andere Arbeiten anbelangt: Vielleicht musst du wirklich nicht mit Muskelkraft deine Beete umgraben, aber Äste per Bügelsäge zu stutzen oder hochgewachsenes Gras mit der Sense zu bekämpfen, ist durchaus ein sehr gutes Workout, das dir den Gang ins Fitnessstudio erspart.

3. Wirf niemals etwas ohne Weiternutzung weg

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Einmal abgesehen von den Neophyten gibt es beim klimaschonenden Gärtnern eine goldene Regel:

Was im Garten ist, das bleibt im Garten

Nein, das bedeutet nicht, dass du deine hier gezüchteten Tomaten nicht mit nachhause nehmen solltest. Vielmehr, dass du vor allem bei natürlichen Materialien nichts mehr aus dem Garten entfernen solltest, weil es praktisch immer dort weitere Verwendungen gibt.

Nehmen wir als Beispiel die eben erwähnten abgesägten Äste. Ein typischer Job, der zur Baum- und Strauchpflege immer wieder anfällt:

All das (und mit etwas Kreativität noch vieles mehr) wären Anwendungen für abgesägte Äste in Abhängigkeit von ihrer Länge und Stärke; gegebenenfalls nach etwas weiterer Bearbeitung. Für sehr viele andere Materialien gilt das ebenfalls. Das meinen wir damit, alles im Garten zu belassen – selbst wenn es „nur“ Rasenschnitt ist, den du als Mulch auf die Beete aufbringst oder irgendwelche Unkräuter, die auf dem Kompost landen.

Ein wirklich klimaneutraler Garten ist ein ewiger Kreislauf, den nur der Gärtner und die Früchte seiner Arbeit regelmäßig verlassen. Und ganz oft gibt es sogar abgestufte Nutzungen. Etwa beim Ast, der erst ein paar Jahre als Zaunpfahl dient, bevor er, wenn er unten verfault ist, in eine Totholzhecke gelegt wird, die selbst langsam verrottet und zum Lebensraum für neue Pflanzen wird.

4. Benutze Leitungswasser nur im äußersten Notfall

Viele Gärten verfügen über einen Wasseranschluss. Ganz besonders natürlich solche, die hinter dem Haus liegen. Allerdings ist Leitungswasser aus mehreren Gründen das „schlechteste Wasser“ im Garten:

  • Es wurde umfangreich aufbereitet und filtriert – hat also einen nicht zu vernachlässigenden Klima-Fußabdruck.

  • Es ist oft arm an Nährstoffen, enthält je nach Region aber sehr viel Kalk, der langfristig die Erde alkalisch macht; für viele Pflanzen ein No-Go. Außerdem ist Leitungswasser so kalt, dass viele Pflanzen beim Gießen einen Schock bekommen.

  • Es kostet dich je nach Region gutes Geld und macht so das Gärtnern unwirtschaftlicher.

Nun gibt es Situationen, in denen du nur die Wahl hast, Leitungswasser zu nutzen oder anzusehen, wie deine Pflanzen verdorren – denke an die jüngsten Hitzesommer. Allerdings solltest du außerhalb derartiger Ausnahmen versuchen, auf Leitungswasser gänzlich zu verzichten. 

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So geht’s:

  • Versuche, so viel Regenwasser wie möglich zu sammeln. Jede Dachfläche ist dafür geeignet, egal wie klein sie ist. Wenn dein Garten direkt hinter dem Haus liegt, solltest du sogar überlegen, dir eine große Zisterne anlegen zu lassen und sämtliches Dachwasser dort hineinzuleiten. Als Mindestmaß solltest du ein bis zwei sogenannte IBC-Container nutzen (das sind diese 1000-Liter-Kunststofftanks in Gitterboxen). Sie kannst du sowohl offen aufstellen wie bis zur Oberkante eingraben.

  • Prüfe, ob sich in deinem Garten ein Brunnen rentiert. Das heißt, frage bei einem Brunnenbauer nach einem Kostenvoranschlag. Das gilt besonders, wenn es keine Wasserleitung als Rückfallebene für den Notfall gibt. In Bayern muss ein solcher Brunnen nur bei der Kreisverwaltung angezeigt werden. Es ist also keine Genehmigung erforderlich, sofern du das Wasser nur für deinen Haushalt und Garten benutzt – mit entsprechenden Filtern kannst du es sogar trinken.

Auch dies entspricht der goldenen Regel aus dem vorherigen Kapitel: Ein klimaneutraler Garten ist weitgehend autark. Und speziell das Regenwasser ist das Beste, was du deinen Pflanzen geben kannst. Was das Brunnenwasser anbelangt: Auch damit solltest du idealerweise Tanks füllen. Dann erwärmt es sich und steht etwas ab; beides mögen alle Pflanzen besonders.

5. Verzichte auf alles, was die Natur deines Gartens oder anderswo schädigt

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Hast du schon einmal einen Sack Blumenerde gekauft? Dann ist es wahrscheinlich, dass du (unbewusst) dem Klima einen Schlag versetzt hast. Denn viele dieser Erden enthalten zumindest zu einem gewissen Teil Torf. Um den zu gewinnen, ist es nötig, Moore trockenzulegen und abzubaggern. Dabei wird sehr viel gespeichertes CO2 freigesetzt und außerdem ein einzigartiger, über Jahrtausende gewachsener Lebensraum vernichtet.

In deinem Garten sollte es anders laufen. Auch was artverwandte Themen anbelangt. Halte dich hierbei an folgende Tipps:

  • Wenn du größere Mengen Erde benötigst, dann frag einfach auf Deponien oder sprich direkt Hausbauende an – die haben nämlich oft ihre liebe Not, den Erdaushub loszuwerden.

  • Lege unbedingt einen möglichst großen Komposthaufen an. Er sollte langfristig deine einzige Quelle sein, um nährstoffreiche Erde zu erhalten. Hierauf kippst du zudem ausgelaugte Böden aus Pflanzentöpfen.

  • Egal ob es um das Düngen geht oder die Unkrautbekämpfung: Nutze niemals die „chemische Keule“. Kunstdünger (Stickstoffdünger) beispielsweise basiert auf Erdöl und Erdgas. Und praktisch alles, was Unkräuter bekämpft, schadet auch Nutzpflanzen – und kann über ihre Früchte in deinen Nahrungskreislauf gelangen.

Tatsächlich ist es einfach: Was die Nährstoffversorgung anbelangt, sind dein Kompost sowie natürliche Sude, wie beispielsweise Brennnesseljauche, alles, was du benötigst. Lass dir zudem helfen, indem du alle paar Jahre deinen Boden analysieren lässt, um ganz gezielt zu düngen.

Übrigens hilft dir auch jemand anderes, wenn du ihm unter die Arme greifst:

6. Lasse zu, dass dein Garten vor Leben nur so wuselt

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In einem Kubikmeter gesunder Gartenerde leben Milliarden von Lebewesen. Sie wiederum dienen als Nahrung für andere Tiere, die in irgendeiner Form deinem Garten Gutes tun – beispielsweise Regenwürmer, die durch ihre Tätigkeit deinen Boden auflockern und es so deinen Pflanzenwurzeln leichter machen.

Das, was du unter dem Begriff des Lebensraumes kennst, ist in deinem Garten allgegenwärtig. Jedes Tier hat irgendeinen Nutzen, von dem du als Gärtner direkt oder indirekt profitierst. Dementsprechend solltest du kategorisch versuchen, es jedem Tier hier angenehm zu machen.

Selbst die hierzu wichtigste Maßnahme bevorteilt dich: Lasse es zu, dass dein Garten an möglichst vielen stellen „kontrolliert verwildert“. Die bereits erwähnte Totholzhecke gehört dazu. Weiter Steinhaufen, herumliegende Stammabschnitte, Wildblumenwiesen. Alles, was dir weniger Pflegeaufwand bereitet, ist gut für den Lebensraum Garten.

Und was jene Gartenbewohner anbelangt, die sich an den Früchten deiner Arbeit bereichern wollen, gibt es immer ökologisch einwandfreie, klimaschonende Gegenmaßnahmen – und sei es ein bloßer Netztunnel, der den Kohlweißling fernhält.

7. Pflanze nur das, was sich selbst reproduzieren kann

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Was möchtest du in deinem Gemüsegarten anpflanzen und später ernten? Nun, von der Aubergine bis zur Zucchini sind hier hunderte Varianten theoretisch möglich – und, sofern du deine Beete konsequent in Form einer echten Dreifelderwirtschaft anlegst, überdies praktisch machbar.

Was allerdings das nötige Saatgut respektive Setzlinge anbelangt, gibt es zwei Optionen. Eine gute und eine schlechte:

  • Sogenannte F1-Hybriden. Dabei handelt es sich um Sorten, die aus gezielten Kreuzungen gezüchtet wurden. Meist mit dem Ziel, größere, schmackhaftere und/oder resistentere Pflanzen bzw. Früchte zu produzieren. In der Praxis sind sie jedoch nicht nur häufig anfälliger, sondern haben den gravierenden Nachteil, dass ihre Nachkommen oft schon in der ersten Folgegeneration die meisten eingekreuzten Eigenschaften verlieren. Das heißt, es sind völlig andere Pflanzen mit unkalkulierbaren, aber immer abweichenden Eigenschaften. Entsprechend benötigst du jedes Jahr neues (gekauftes) Saatgut bzw. Setzlinge.

  • Samenfeste Sorten. Das sind Pflanzen, teils als „alte Sorten“ bezeichnet, bei denen die Nachkommen deckungsgleich mit den Elternpflanzen sind. Sie vermehren sich also in gerader Linie. Dass solche Pflanzen schwieriger zu managen wären oder weniger Ertrag hätten, ist meist nur ein Mythos oder zumindest übertrieben. Was jedoch stimmt, ist, dass sie sehr oft deutlich schmackhafter sind.

Als klimaschützender Gärtner möchtest du nur samenfeste Sorten. Erstens, weil du somit die ökologische Vielfalt erhältst. Zweitens, weil du damit jedes Jahr dein eigenes Saatgut fabrizieren kannst. Du musst die Samen nur trocknen und kannst sie im kommenden Frühling neu verwenden. Das spart Geld und lästige Fahrten zum Gartenmarkt. Außerdem steigst du aus dem umweltschädigenden Kreislauf aus, der dauernd in Großsämereien dafür sorgt, dass neue Hybriden gezüchtet und durch die Gegend transportiert werden.

Du erkennst F1-Hybriden daran, dass diese Bezeichnung praktisch immer auf den Tütchen und Schildern aufgedruckt ist – allerdings im Kleingedruckten. Wenn du ganz sicher sein willst, kannst du jedoch auf spezielle Shops im Netz setzen, die ausschließlich samenfestes Saatgut offerieren. Oft sind das selbst Hobbygärtner, die sich so einen kleinen Zusatzverdienst erwirtschaften.

8. Überlege, ob du den Garten nicht auch zur tierischen Bereicherung deines Speiseplans heranziehen willst

Lebst du vegan? Dann sind die Wildtiere die einzigen Mitglieder der Fauna, die du im Garten brauchst. Gehörst du jedoch zur Gruppe der Omnivoren und ist dein Garten mehr als nur ein kleiner Flecken Erde, solltest du durchaus weiter überlegen. Denn alles, was an tierischen Produkten aus industrieller Haltung auf unseren Tellern landet (ferner alles Tierische, was wir anderweitig nutzen), ist aus klimatischer Sicht nicht nur schlecht, sondern oft eine regelrechte Katastrophe.

Natürlich geht es hier auch um Tierleid und fragwürdige Haltungsbedingungen. Aber wenn – überspitzt formuliert – ein Huhn in Frankreich aufgezogen wird, seine Eier in Tschechien verkauft, das Tier in Spanien geschlachtet und in Dänemark verarbeitet wird, um in Italien in der Fleischtheke zu landen, dann sind allein die dazu nötigen Transportwege pures Gift für den CO2-Haushalt des Planeten

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Angesichts dessen kann ein hinreichend großer Garten dein Hebel sein, um es zumindest für deinen Haushalt anders zu bewerkstelligen. Auf der niedrigsten Basis ist es eine Versorgung mit Eiern. In Bayern ist das sogar in Wohngebieten ohne Genehmigung möglich sogar. Tatsächlich könntest du sogar „ausgemusterte“ Industrie-Legehennen nehmen und ihnen einen schönen Lebensabend bereiten.

Allerdings ist auch eine ökologisch einwandfreie Fleischversorgung in Eigenregie denkbar. Hühner darfst du für den Eigenbedarf ohne Sachkundenachweis schlachten, wenn du dich an die tierschutzrechtlichen Bestimmungen hältst. Aber du könntest diesen Gedanken noch weiterführen: Warum nicht, wie man es früher auf jedem Hof tat, pro Jahr ein Schwein mästen und zu Wurst verarbeiten? Zugegeben, dieses Tier darfst du auch zum Eigenbedarf nicht selbst schlachten. Es gibt allerdings nach wie vor in Deutschland Hausschlächter, die das übernehmen – und zudem das anschließende Verwursten.

Das ist natürlich eine moralische Frage und zudem eine des vorhandenen Platzes. Wenn du jedoch keine großen Berührungsängste hast, solltest du dies zumindest überlegen. Einmal abgesehen davon, dass es keinen Weg gibt, noch besser kontrolliertes Fleisch zu erhalten – schließlich bestimmst du allein, was die Tiere zu Lebzeiten fressen.

9. Kaufe alles mit einem Fokus auf Langlebigkeit

Stell dir einen Spaten vor. Oder eine Harke oder irgendein anderes metallisches Gartenwerkzeug. Um es herzustellen und in seine endgültige Form zu bringen, ist nicht nur ein gewaltiger Energieaufwand aufgrund der erforderlichen Gluthitze notwendig, sondern es muss überdies direkt eine ganze Menge CO2 freigesetzt werden – der Grund dafür liegt in speziellen Eigenheiten der Stahlherstellung, für die es bislang noch keine großmaßstäblichen Alternativen gibt.

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Das heißt also, sofern du nicht auf reines Holzwerkzeug setzt (was meist reichlich unpraktisch wäre), bedeutet jedes metallische Gartenwerkzeug einen bestimmten CO2-Eintrag. Hier nun die gleichsam gute wie schlechte Botschaft: Egal, ob dein Werkzeug von wirklich mieser oder sehr hochwertiger Qualität ist, so ist sein Klima-Fußabdruck weitgehend gleich.

Kannst du bereits erkennen, was das bedeutet? Du kommst so oder so nicht umhin, durch Werkzeugkauf einen CO2-Beitrag zu leisten. Du kannst jedoch dafür sorgen, dass er sich lohnt:

  • Lass grundsätzlich alles liegen, was unter die Kategorie der Billigwerkzeuge fällt. Dazu zählt leider auch vieles, was in normalen Bau- und Gartenmärkten verkauft wird. Orientiere dich stattdessen an Geschäften, deren Kundschaft aus Bauern, Gartenbaubetrieben und dergleichen besteht. Dort bekommst du Werkzeug, welches problemlos ein Gärtnerleben überdauert.

  • Kaufe niemals Werkzeuge mit Kunststoffstiel. Der basiert auf Erdöl und wird meist unweigerlich nach einigen Jahren durch UV-Strahlung brüchig. Die klimaschonendste Alternative sind Stiele aus Holz, speziell (einheimische) Esche und (nordamerikanisches) Hickory – wobei die Esche aus Transportgründen ebenfalls klimaschonender ist. Plus: Mit einem Ziehmesser und anderen Holzbearbeitungswerkzeugen kannst du dir deine Stiele sogar selbst anfertigen. Vielleicht sogar mit Rohmaterial aus dem eigenen Garten.

  • Bevor du etwas neu kaufst, prüfe immer zunächst im Netz, ob es nicht eine gebrauchte Alternative gibt. Jahr für Jahr geben zahllose Gärtner allein aus Altersgründen ihr Hobby auf und veräußern hochwertige Werkzeuge für schmales Geld.

Wenn du dann dein Werkzeug nach jedem Gebrauch reinigst, es vielleicht mit etwas Pflanzenöl einreibst und trocken lagerst, wirst du den zur Stahlproduktion unvermeidbaren CO2-Eintrag in die Atmosphäre so niedrig halten, wie möglich – und ungleich zu Billigwerkzeug vielleicht nie wieder Ersatz kaufen müssen.