22.11.2022 | Haustiere Neue Gebührenordnung: Tierarztkosten steigen, aber brave Tiere werden günstiger

Wer mit seinem Hund, seiner Katze oder seinem Goldhamster zum Tierarzt geht, muss seit dem 22. November mit deutlich höheren Kosten rechnen. Was das bedeutet, haben wir im ANTENNE BAYERN Interview mit dem Tierarzt Dr. Michael Schmaußer herausgefunden.

Foto: Ivonne Wierink/Adobe Stock

Ab dem 22. November gilt die neue Gebührenordnung für Tierärzte. Einige Beispiele: 

  • Für eine allgemeine Untersuchung von Hunden oder Katzen werden dann 23,62 Euro fällig. Die Kosten steigen also um 160 Prozent, von bisher 8,98 Euro.
  • Die Untersuchung eines Pferdes wird demnächst 30,78 Euro kosten und damit mehr als 10 Euro als bisher.
  • Bei Mastschweinen sind es 15,39 Euro statt 9,62 Euro und
  • bei Rindern 20,54 Euro statt 12,84 Euro.
  • Die Kosten für Impfungen bei Hund und Katze verdoppeln sich beinahe. Von 5,77 Euro auf 11,50 Euro.
Tierschutzbund rechnet wegen hoher Kosten mit Abgabe-Welle 

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet angesichts gestiegener Preise eine neue Abgabewelle von Haustieren und das aus vieler Tierheime. 

"Es ist davon auszugehen, dass mehr Menschen ihre Tiere abgegeben, wenn die Lebenshaltungskosten, die Energiekosten, die Kosten für Tierfutter und Tierarzt so immens ansteigen", 

sagte Hester Pommerening vom Tierschutzbund. Vor allem bei exotischen Tieren wie Reptilien rechne sie mit mehr Abgaben. Deren Haltung sei besonders kostenintensiv.

Gebühren steigen erstmals seit 1999

Die Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) wurde zuletzt vor der Jahrhundertwende umfassend überarbeitet, so Tierarzt Dr. Michael Schmaußer aus Oberbayern im Interview mit ANTENNE BAYERN. Den Praxen fehle es am Personal, außerdem seien auch die Geräte moderner und folglich teurer.

Höhere Behandlungskosten für Hunde- und Katzenhalter

Im Zuge der Studie zur Prüfung der Tierarztkosten wurden Tierärzte danach gefragt, bei welchen Leistungen unbedingt Anpassungen notwendig sind. Am häufigsten nannten sie die allgemeine Untersuchung mit Beratung. Bisher zahlen beispielsweise Hundebesitzer dafür 13,47 Euro bei einfacher Abrechnung, Katzenhalter 8,98 Euro. Ab November 2022 gibt es bei diesen Tierarztkosten keine Unterscheidung mehr, so Schmaußer. Künftig berechnen die Tierärzte für beide Tiere 23,62 Euro.

Kosten immer individuell

Tierärzte können bei jeder Behandlung festlegen, ob sie den einfachen, doppelten oder dreifachen Satz berechnen, erklärt Dr. Schmaußer. Eine Rolle spielt ebenfalls das Verhalten des Tieres. Wenn es beispielsweise zu Zeitverzögerungen bei der Behandlung käme, werde die Behandlung teurer.

"Der Besitzer spielt dabei eine Rolle. Wenn das Tier gut erzogen ist und sich händeln lässt, dauert die Behandlung kürzer.",

so der Arzt. Zeitkosten spielen herbei eine Rolle. Den Preis im Vorhinein festzulegen sei schwer, da es beispielsweise während einer OP zu neuen Auffälligkeiten kommen könne.

"Es geht hier um ein Tier. Nicht um einen Stuhl, bei dem ich das Polster austauschen muss. Ein Handwerker, der eine Stunde da ist, kostet mehr als bei einer halben Stunde."
Tierschutzversicherungen seien ratsam

Um keine Angst vor unerwarteten Tierarztkosten haben zu müssen, können Tierhalter eine Tierkrankenversicherung abschließen, rät auch Dr. Schmaußer. Hier zahlt ihr in der Regel monatlich, halbjährlich oder jährlich einen festgesetzten Betrag. Die Kosten für Tierarztbesuche werden euch dann je nach Vertrag voll oder teilweise ersetzt. Tierkrankenversicherungen decken meist folgende Leistungen ab:

  • Operationen
  • Erstattung bis zum dreifachen Satz der GOT
  • Erstattung bis zum vierfachen Satz bei Notleistungen
  • Vorsorgeleistungen 

Tierversicherungen werden aber in Zukunft wohl eine größere Rolle spielen. Davon geht zumindest der Deutsche Tierschutzbund aus. Es sei eine Möglichkeit, die höheren Kosten auszugleichen

Hier könnt ihr die neue Gebührenverordnung nachlesen:

Gebührenverordnung ab 22.November

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