07.03.2022 | Verbraucherschutz Für diese Dinge müssen Frauen mehr zahlen als Männer

Frauen verdienen weniger als Männer und zahlen dennoch häufig für bestimmte Dinge mehr. Ist das Geschlechterdiskriminierung? Experten sagen dazu ein klares Nein. Doch warum? Alles Wichtige lest ihr hier.

Foto: Thomas adobestock

Ob in der Drogerie oder beim Friseur: Frauen zahlen für manche Produkte und Dienstleistungen mehr als Männer für vergleichbare Angebote. Fakt ist: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Fakt ist aber auch: Frauen müssen für diverse Dinge des täglichen Lebens deutlich mehr zahlen als Männer.

Dafür zahlen Frauen mehr
Friseur

So bezahlen Frauen bei 89 Prozent aller Friseurbetriebe für eine Standard-Kurzhaarfrisur durchschnittlich 12,50 Euro mehr als männliche Kunden. Natürlich lässt sich so ein Preisunterschied in manchen Fällen sachlich begründen, wenn beispielsweise mehr Zeit für Beratung nötig war. Aber pauschal mehr Aufwand und Arbeitszeit für ein Geschlecht zu veranschlagen? Geschlecht ist das falsche Kriterium für die Preisgestaltung. Richtig wäre doch, schlicht die benötigte Zeit und die Materialkosten in Rechnung zu stellen. Der Blick nach Österreich könnte hier hilfreich sein, dort hat die Friseurinnung geschlechtsneutrale Preislisten erarbeitet.

Drogerieprodukte

Ein Beispiel sind Einwegrasierer. Hier fanden die Tester der Hamburger Verbraucherzentrale deutliche Preisunterschiede. Für Einwegrasierer war teils ein Aufschlag von 17 Prozent fällig. Parfüms waren manchmal in der Frauenversion 93 Prozent teurer. Das Gleiche wiederholt sich bei Produkten wie Rasierschaum, Deodorants oder auch pinken Laptoptaschen.

„Die Preise unterscheiden sich, obwohl die Produkte meist baugleich sind und nur die Farbgebung anders ist. Das stellt eine doppelte Benachteiligung von Frauen dar.“ 

sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Schließlich verdienten sie im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer und müssten dann für identische Produkte im Markt noch draufzahlen. Auch ist der Grundpreis nicht immer klar erkennbar. In der einen Packung befinden sich fünf Rasierer, in der anderen zehn. Die eine Dose enthält 150 Milliliter Creme, die andere 200.

Autos und Reparaturen

Frauen zahlen immer noch beim Autokauf oder der Reparatur mehr als Männer. Laut einer Studie der Harvard Universität zahlen Frauen bei einem Autokauf rund 40 Prozent mehr als Männer. Eine Studie der „Northwestern University“ und des „National Bureau of Economic Research“ ergab, dass Frauen auch mehr zahlen, wenn es um die Reparatur des Autos geht. In der Untersuchung schickten die Forscher Frauen und Männer zu verschiedenen Autowerkstätten. Sie sollten angeben, keine Ahnung von der Technik ihres Wagens sowie der Preise zu haben. Die Frauen sollten im Schnitt viel mehr zahlen.

Kredite

Das Vergleichsportal Verivox hat herausgefunden, dass Frauen bei der Aufnahme eines Kredits mehr Zinsen bezahlen müssen als Männer. Bei Männern liege der durchschnittliche Zinssatz für einen über das Vergleichsportal abgeschlossenen Kreditvertrag bei 3,6 Prozent. Frauen zahlten im Mittel 3,85 Prozent Zinsen. 

„Durch ihr oft geringeres Gehalt sind Frauen bei der Kreditaufnahme im Nachteil, denn für Banken zählen Sicherheit und Höhe des Einkommens zu den wichtigsten Kriterien bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit“, 

sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Und der Einkommensunterschied ist enorm: Verivox-Kundinnen verdienten im Schnitt 23 Prozent weniger, das entspricht einer monatlichen Lohnlücke von mehr als 600.

Dienstleistungen nicht nach Geschlecht anbieten

Antidiskriminierungsstellen-Leiterin Christine Lüders empfiehlt indes „insbesondere dem Reinigungs- und dem Frisiergewerbe, Dienstleistungen eher nach der konkreten Art der Leistung und nicht pauschal nach dem Geschlecht anzubieten“.