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Achtung, Wildwechsel! So vermeidet ihr Wildunfälle im Herbst

Nach der Zeitumstellung am 25. Oktober wird es gefährlich auf Bayerns Landstraßen. So fahrt ihr sicher und das gilt nach einem Wildunfall.

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Ein Hirsch neben einer Fahrbahn mit einem Auto Wetter Foto: Tabor Chichakly/Adobe Stock

Fuß vom Gas! Das gilt in unserem bayerischen Herbst ganz besonders. Gerade in der Dämmerung müsst ihr auf Landstraßen und an Waldrändern mit Wild rechnen. Der ADAC erklärt, wie ihr Unfälle vermeidet und was ihr tun müsst, wenn es doch kracht. Dieses Jahr werden die Uhren in der Nacht auf Sonntag, 25. Oktober, von 3 auf 2 Uhr umgestellt. Dann beginnt die Dämmerung am Abend wieder im Feierabendverkehr.

Auf einen Blick:

Warum es im Herbst mehr Wildunfälle gibt

Mit der Umstellung auf die Winterzeit wird es morgens früher hell und abends eine Stunde früher dunkel. Damit fällt die Dämmerung, in der Wildtiere auf Nahrungssuche gehen, wieder in den Berufsverkehr. Reh, Wildschwein und Hirsch orientieren sich am Tageslicht und kennen die Zeitumstellung nicht.

Vor der Umstellung konnten die Tiere die Straße oft noch gefahrlos queren. Danach ist plötzlich Berufsverkehr unterwegs. Besonders die Morgenstunden werden zur Falle für Tier und Mensch. Besonders gefährlich:

  • Morgens zwischen 6 und 8 Uhr
  • Abends, wenn die Dämmerung schon gegen 17 Uhr beginnt und in die Rush-Hour fällt

Laut ADAC häufen sich Wildunfälle im Frühjahr, vor allem im April und Mai, und von Oktober bis Dezember. Gerade in der Dämmerung, nachts und bei Nebel steigt die Gefahr.

Das kostet ein Wildunfall:
Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es 2024 rund 276.000 versicherte Wildunfälle mit mehr als 1,1 Milliarden Euro Gesamtschaden, im Schnitt 4.100 Euro pro Fall. Für 2025 rechnet der ADAC mit rund 274.000 Wildunfällen und etwa 4.350 Euro durchschnittlichem Schaden. Die finalen Zahlen stehen noch aus. Das Reh ist statistisch an etwa jedem zweiten Wildunfall beteiligt.

So fahrt ihr sicher in Wildwechselgebieten

  • Tempo runter an Wald, Feld und bewaldeten Straßenrändern. Schon Tempo 80 statt 100 verkürzt den Bremsweg um etwa 24 Meter und kann einen Aufprall vermeiden helfen.
  • Fahrbahnränder im Blick behalten, vor allem bei Dämmerung, nachts und bei Nebel.
  • Bremsbereit bleiben, auch auf bekannten Strecken und nachts bei freier Sicht.
  • Ein Tier heißt oft mehrere. Wenn ein Tier die Straße überquert hat, folgen häufig weitere, denn Rehe sind selten Einzelgänger.
  • Auch bei einem scheinbar ruhigen Tier am Straßenrand: Fahrt nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbei.

Warum Wildunfälle oft nicht vermeidbar sind

Ein häufiger Grund ist, dass Autofahrer die Gefahr unterschätzen. Wer ein Tier ruhig am Straßenrand sieht, geht oft davon aus, dass es dort bleibt. Durch Blendung, Orientierungslosigkeit oder Angst springen Tiere aber doch plötzlich los. Weitere Ursachen sind zu hohe Geschwindigkeit, Ablenkung und fehlendes Wissen über das Verhalten von Wildtieren.

Gleichzeitig gilt:
Bei vielen Wildunfällen kann man den Fahrern keinen Vorwurf machen. Rennt ein Tier mit 30 bis 50 Stundenkilometern aus der Deckung, ist es auf der Straße, bevor man reagieren kann. Dann ist ein Unfall trotz Aufmerksamkeit kaum vermeidbar.

Wenn ein Tier auftaucht: So reagiert ihr richtig

Seht ihr ein Tier am Straßenrand oder auf der Fahrbahn:

  1. Fernlicht ausschalten. Aufblenden bewirkt das Gegenteil: Das grelle Licht verwirrt die Tiere und nimmt ihnen die Orientierung. Sie verharren dann häufig, statt weiterzulaufen. Die meisten Tiere springen bei Lichtreflexen plötzlich auf die Fahrbahn.
  2. Deutlich langsamer werden oder bremsen.
  3. Hupen, um das Tier zu verscheuchen.
  4. Nicht riskant ausweichen.

Nicht ausweichen, Spur halten, voll bremsen

Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr verhindern, ist das Wichtigste: Behaltet die Kontrolle. Der ADAC rät: Lenkrad gut festhalten, nicht unkontrolliert ausweichen und mit voller Kraft bremsen und die Kupplung treten.

Warum?
Beim Zusammenstoß wirken kurzzeitig extreme Kräfte, die dem Zehnfachen des Körpergewichts entsprechen. Der ADAC hat das 2020 in einem Crashtest nachgestellt: Ein Auto fuhr mit Tempo 80 gegen einen 180 Kilogramm schweren Wildschwein-Dummy. Wer nicht unkontrolliert ausweicht, sondern die Spur hält und voll bremst, bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit unverletzt. Auch für die anderen Insassen ist das Risiko dann geringer, als wenn man gegen einen Baum prallt. Eine Kollision mit einem Baum oder dem Gegenverkehr kann tödlich enden.

Nach dem Unfall: Das ist zu tun

  1. Ruhe bewahren, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle absichern.
  2. Die Polizei über 110 rufen. Sie kontaktiert den zuständigen Jäger und stellt die Wildunfallbescheinigung aus. Teilt den Standort mit. Auch wenn das Tier geflüchtet ist, meldet den Unfall unverzüglich.
  3. Fotos machen von Unfallstelle, Tier und Fahrzeug.
  4. Die Wildunfallbescheinigung geben lassen. Sie braucht ihr für die Versicherung. Laut ADAC ist sie Pflicht und hilft bei der Schadensabwicklung.

Das müsst ihr beachten:

  • Tote Tiere niemals ohne Handschuhe anfassen, wegen der Infektionsgefahr.
  • Verletzte Tiere nicht berühren. Es besteht Verletzungsgefahr.
  • Niemals das Tier mitnehmen. Wer angefahrene Tiere mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

Tipp vom ADAC: Meldet Tierfunde und Wildunfälle auch über das Tierfund-Kataster (kostenlose App für iOS und Android). So helft ihr dem Tierschutz und der Verkehrssicherheit.

Versicherung: Wer zahlt?

  • Teil- oder Vollkasko: Die Teil- oder Vollkaskoversicherung übernimmt in der Regel Schäden durch Kollision mit Haarwild. Dazu gehören nach dem Bundesjagdgesetz Reh, Hirsch, Wildschwein, Fuchs und ähnliche Arten. Das gilt entsprechend den Bedingungen eurer Versicherung.
  • Andere Tiere: Schäden durch Kühe, Pferde, Hunde, Katzen oder Vögel sind meist nicht abgedeckt, es sei denn, eure Police deckt ausdrücklich „Tiere aller Art“ ab. Achtet beim Abschluss auf diese Formulierung.
  • Kein Nachweis: Wenn ihr nicht nachweisen könnt, dass ein Wildunfall den Schaden verursacht hat, kann der Schaden über die Vollkasko gemeldet werden. Das kann aber zu einer Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse führen.

Schutzzäune, Reflektoren und Assistenzsysteme

Warum gibt es keine Zäune an Landstraßen?

Entlang von Autobahnen schützen Zäune in Wildwechselgebieten sehr gut. An Landstraßen gibt es aber viele Einmündungen, Grundstückszufahrten und Feldwege. Zäune wären lückenhaft, Tiere gelangen durch die Lücken auf die Straße und finden oft nicht mehr hinaus. Dazu kommt die ökologische Zerschneidung der Lebensräume.

Helfen Reflektoren oder Wildwarner?

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat untersucht, ob Reflektoren, zum Beispiel an Leitpfosten, wirken. Eine Wirkung auf Tiere war nicht nachweisbar. Eine gewisse Wirkung kann auf Autofahrer bestehen, die dadurch auf Wildwechselgebiete aufmerksam werden. Für Duftzäune, akustische Wildwarngeräte und Ultraschall gibt es ebenfalls keine seriösen Belege für eine beständige Wirksamkeit.

Fazit des ADAC:
Man kann sich nicht gegen jeden Wildunfall schützen, aber vermeidbare Unfälle müssen sinken. Das gelingt vor allem durch langsames Fahren, auch nachts auf freier und bekannter Strecke.

Kann der Notbremsassistent Wild erkennen?

Bisher sind Notbremsassistenten meist nur auf Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer ausgelegt. Der ADAC fordert, dass die Erkennung von Wildtieren stärker berücksichtigt wird. Gerade Radarsensoren könnten bei Dunkelheit und Nebel auch Tiere erkennen.

Mehr Details gibt der ADAC hier:

Häufige Fragen zu Wildunfällen (FAQ)

Warum gibt es im Herbst mehr Wildunfälle?

Durch die Zeitumstellung fällt die Dämmerung, in der Wild Nahrung sucht, in den Berufsverkehr. Reh, Wildschwein und Hirsch kennen die Zeitumstellung nicht.

Wann ist die Gefahr am größten?

In der Morgen- und Abenddämmerung, vor allem morgens zwischen 6 und 8 Uhr und abends ab etwa 17 Uhr. Auch nachts und bei Nebel steigt das Risiko.

Wie reagiere ich, wenn ein Tier auf der Straße steht?

Fernlicht ausschalten, bremsen und hupen. Nicht riskant ausweichen und mit weiteren Tieren rechnen.

Warum soll ich das Fernlicht ausschalten?

Das grelle Licht verwirrt die Tiere und nimmt ihnen die Orientierung. Sie bleiben dann oft stehen, statt weiterzulaufen.

Soll ich bei einem drohenden Zusammenstoß ausweichen?

Nein. Lenkrad festhalten, Spur halten und voll bremsen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver kann am Baum oder im Gegenverkehr tödlich enden.

Was muss ich nach einem Wildunfall tun?

Unfallstelle absichern, Polizei unter 110 rufen, Fotos machen und die Wildunfallbescheinigung geben lassen. Tote Tiere nur mit Handschuhen anfassen, verletzte nicht berühren.

Darf ich das tote Tier mitnehmen?

Nein. Das ist Wilderei und strafbar.

Muss ich einen Wildunfall melden?

Ja, meldet ihn unverzüglich der Polizei, auch wenn das Tier geflüchtet ist. Sie verständigt den Jäger.

Zahlt die Versicherung bei einem Wildunfall?

In der Regel die Teil- oder Vollkasko, bei Zusammenstößen mit Haarwild wie Reh, Hirsch, Wildschwein und Fuchs. Bei anderen Tieren nur, wenn eure Police „Tiere aller Art“ abdeckt.

Was kostet ein Wildunfall im Schnitt?

Laut GDV rund 4.100 Euro im Jahr 2024. Für 2025 rechnet der ADAC mit etwa 4.350 Euro.

Helfen Wildwarner oder Reflektoren?

Nein, dafür gibt es keine belastbaren Belege. Bei Reflektoren war keine Wirkung auf Tiere nachweisbar, bei Duftzäunen, Wildwarngeräten und Ultraschall fehlen seriöse Nachweise.

Wann werden die Uhren 2026 umgestellt?

In der Nacht auf Sonntag, 25. Oktober 2026, von 3 auf 2 Uhr. Danach ist es abends früher dunkel.

Mehr zum sicheren Fahren im Herbst und Winter: