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140 Jahre nach dem Tod: Hype um Märchenkönig Ludwig II.

Geheimnisvoller Tod, prunkvolle Schlösser: Bayerns König Ludwig II. fasziniert auch 140 Jahre nach seinem mysteriösen Ende. Wer war dieser Mann, was trieb ihn - was macht den Kult um ihn aus?

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König Ludwig II. Stefan Puchner/dpa

München/Berg (dpa/lby) - Seine Märchenschlösser locken Besucher aus aller Welt, es gibt Fanartikel vom Hutanstecker über Bierkrüge bis zu T-Shirts und sogar Socken mit dem Konterfei von König Ludwig II.: Zu seinem 140. Todestag am 13. Juni 1886 ist der Hype um den «Märchenkönig» ungebrochen. Kaum eine historische Figur prägt das Bild Bayerns so stark wie der König mit den prächtigen Schlössern und dem rätselhaften Ende im Starnberger See. 

Alljährlich wird des Todestages gedacht, dieses Jahr wieder an der Votivkapelle in Berg am Starnberger See, wo Ludwig II. tot im Wasser gefunden worden war. Zu dem Gottesdienst am 14. Juni werden vom Haus Wittelsbach Prinz Ludwig von Bayern und seine Schwester Auguste Prinzessin zu Lippe erwartet. Auch König-Ludwig-Vereine haben sich angekündigt, die das Andenken der Wittelsbacher-Könige hochhalten. 

Faszination Ludwig - Teil der bayerischen Identität 

Bewunderer sehen Ludwig II. als Menschen, der unbeirrt seinen Vorstellungen folgte und an seine Träume glaubte. Seine Schlösser prägen die Vorstellung eines romantischen Bayerns weltweit stärker als jede politische Leistung des 19. Jahrhunderts. Für manche ist er tragischer Künstlerkönig, für andere Opfer politischer Intrigen. Und: Er ist ein Teil bayerischer Identität. 

«Wir sehen heute König Ludwig II. als eine herausragende Figur in seiner Zeit und bei allen Widersprüchen schon als Identitätsfigur für das heutige Bayern», sagt Herzog Franz von Bayern, Oberhaupt des Hauses Wittelsbach. König Ludwig II. fasziniere viele Menschen, «gerade weil er in Traumwelten flüchtete, die von seinem kreativen Genie zeugen». 

Ein König - wider Willen?

Geboren wurde Ludwig am 25. August 1845 auf Schloss Nymphenburg in München. Mit 18 Jahren bestieg er den Thron – jung, unerfahren und mehr an Kunst, Musik und Poesie interessiert als an Regierungsgeschäften. «Zum politischen München und dem Hof hatte Ludwig II. ein distanziertes Verhältnis, aber von den Menschen auf dem Land, vor allem auf seinen Reisen, wurde er hochverehrt und auch geliebt. Aus heutiger Sicht denken wir an ihn als einen feinen und kunstsinnigen Menschen, dem das Säbelrasseln seiner Zeit zuwider war», erläuterte Herzog Franz von Bayern. 

Politisch war Ludwigs Zeit eine Epoche tiefgreifender Umbrüche. Bayern verlor nach dem Krieg von 1866 gegen Preußen an Einfluss, 1871 entstand das Deutsche Reich unter preußischer Führung. Ludwig hatte auf Veranlassung Otto von Bismarcks 1870 den Kaiserbrief unterschrieben, mit dem er Wilhelm I. zur Annahme der Kaiserwürde bewegte - mancher in Bayern sah das als Verlust der Eigenständigkeit. 

Ludwig soll jedoch vor allem den Bau seiner Schlösser im Blick gehabt haben. Von 1871 an floss eine Millionensumme aus dem Welfenfonds in die Hofkasse des Königs - und von dort wohl auch in die Bauvorhaben. 

Der König der Schlösser

Neuschwanstein, aber auch Linderhof und Herrenchiemsee sind weithin bekannte Sehenswürdigkeiten. Die Schlösser waren für Ludwig keine bloßen Luxusprojekte, sondern Rückzugsorte und Bühnen für seine Gegenwelt aus mittelalterlicher Ritterromantik, barocker Pracht und den Opernwelten Richard Wagners. Ludwig finanzierte Wagner großzügig und soll den Komponisten teils vor dem Ruin gerettet haben. 

Der Ansturm tausender Besucher, die täglich durch seine Schlösser ziehen - im Schnitt 6.000 im Sommer allein in Neuschwanstein - hätte Ludwig vermutlich nicht behagt. «Seine Wunschvorstellung war ja die Einsamkeit», sagt Herzog Franz von Bayern. «Trotzdem würde ihn doch auch die Bewunderung und die Freude so vieler Menschen aus der ganzen Welt an der Schönheit seiner Schöpfungen freuen.» 

Technikbegeistert - und überraschend modern

So rückwärtsgewandt Ludwigs Sehnsucht wirkte, so fasziniert war er von moderner Technik. Er gründete 1868 die Technische Universität München (TUM). Seine Schlösser gehörten zu den technisch fortschrittlichsten Europas.

Als spektakulär gilt die künstliche Venusgrotte: eine elektrisch beleuchtete Höhle mit Farbwechseln, lange bevor elektrisches Licht im Alltag verbreitet war. Für seine nächtlichen Schlittenfahrten entwickelte Ludwig aufwendige Beleuchtungssysteme mit Lampen und Reflektoren - für märchenhafte Inszenierungen nachts. 

Bekannt wurde auch sein «Tischlein-deck-dich» in Schloss Linderhof. Per Hebemechanismus wurde der gedeckte Esstisch aus der Küche nach oben gefahren, damit Ludwig ohne Bedienung speisen konnte. Der menschenscheue König mochte es nicht, wenn Leute um ihn waren. Deshalb ließ er elektrische Klingelsysteme installieren, um Bedienstete zu rufen. 

Ein Einzelgänger 

Ludwig war nie verheiratet. Zwar verlobte er sich 1867 mit Sophie Charlotte in Bayern, der Schwester der späteren Kaiserin Elisabeth «Sisi», löste die Verlobung jedoch wieder. Manche Historiker gehen davon aus, dass Ludwig homosexuell war oder eher Männer begehrte. Allerdings gibt es dafür nur Hinweise aus Briefen, Tagebüchern und zeitgenössischen Berichten. Forscher sahen hier einen möglichen Grund für seinen Rückzug.

Der rätselhafte Tod - und der Mord-Mythos

Ludwig II. starb unter bis heute ungeklärten Umständen. Tage zuvor hatte ihn der Nervenarzt Bernhard von Gudden für geisteskrank und somit regierungsunfähig erklärt. Am 13. Juni 1886 gingen beide in Berg spazieren - und wurden beide später tot im flachen Wasser gefunden. Offiziell gilt Suizid als wahrscheinlich. Bis heute ranken sich Legenden darum. 

Die Guglmänner - eine Art Geheimbund - sind überzeugt: «Es war Mord». Ludwig sei erschossen und von Gudden als Zeuge getötet worden. Mit schwarzen Kutten, Kapuzen und Fackeln erinnern die Guglmänner leicht morbide an historische Trauerbegleiter der Wittelsbacher. Gelegentlich machen sie mit spektakulären Vorschlägen auf sich aufmerksam, etwa das Konterfei des Königs in den Fels der Kampenwand zu meißeln - ein Ansinnen, das am Nein des Grundbesitzers wie auch an der Brüchigkeit des Steins scheiterte.

Könnte er Ludwig eine Frage stellen, dann die, ob er nochmal König sein wolle, sagt Fredl Helm, Sprecher der sonst anonymen Guglmänner. «Wenn er ja sagt, würden wir versuchen, ihn zu inthronisieren.» Grundsätzlich wolle man keine Rückkehr zur Monarchie in Bayern: «Wir haben doch Herrn Söder.»

Ludwig in Film, Literatur und Musical

Ludwigs Leben gibt bis heute Stoff für Filme, Theaterstücke und Bücher. Besonders prägend blieb «Ludwig» von Luchino Visconti von 1973. In Füssen erzählt ein Musical seine Geschichte direkt vor der Kulisse von Neuschwanstein. Für 2027 ist eine neue Serie über Ludwig in Arbeit, sie soll im Ersten laufen.

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