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«Faust I» in Salzburg: Tanz eines Verzweifelten

Faust ist Weltliteratur. Faust ist modern - als Zweifler, Suchender, Gieriger. Regisseur Ulrich Rasche hat den Stoff für die Festspiele neu inszeniert. Er verzichtet auf viele bekannte Szenen.

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Probenfotos von der Inszenierung "Faust I" Barbara Gindl/APA/dpa

Salzburg (dpa) - Mit großem Applaus ist die Inszenierung von «Faust I» bei den Salzburger Festspielen aufgenommen worden. Regisseur Ulrich Rasche vertraute auf die von ihm bekannte Drehbühne und versetzte so alle fünf Darsteller des überragenden Ensembles in ständige Bewegung. In der dreieinhalbstündigen Aufführung glänzen Steven Scharf als Faust, Valery Tscheplanowa als Mephistopheles, Anna Drexler als Margarete, Johannes Nussbaum als junger Faust und Max Rothbart als Valentin. 

Die Inszenierung auf der Perner-Insel in Hallein - eine Koproduktion mit dem Residenztheater in München - verzichtet auf bekannte Szenen wie Auerbachs Keller, den Osterspaziergang und die Hexenküche. Sie ist geprägt von großer Langsamkeit und wagt die Nähe zur Monotonie. Die Verse der weltberühmten Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) werden oft bedächtig vorgetragen. Der lückenlose Klangteppich sphärischer Musik verstärkt im Idealfall die Wirkung eindringlicher Bilder und intensiver Momente. 

Körperbewegungen unterstreichen die Verse 

Schon zu Beginn wird klar, dass die Körperbewegungen den Text in seinen Aussagen unterstreichen sollen. Faust geht zum Auftakt als Sinnbild seiner Zerrissenheit minutenlang äußerst ungelenk und kantig über die Bühne. 

Als Gelehrter ist er verzweifelt darüber, dass sein Streben nach Erkenntnis wohl nicht der Sinn seines Lebens sein kann. «Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.» Der fast logische Pakt mit dem Teufel Mephistopheles soll für Abhilfe in Form von Genuss und Leidenschaft sorgen.

Videowände sorgen für Korridor-Falle

Rasche hatte im Vorfeld angekündigt, den «Innenraum» von Faust zeigen zu wollen. Deshalb habe er sich für ein spezielles Bühnenbild entschieden: Zwei überdimensionale bewegliche Leucht- und Videowände können fallweise einen Korridor bilden. Dieser Raum bietet keine Ausflucht, sondern zwingt laut Regisseur zur Konfrontation mit sich selbst. 

Tatsächlich kann Faust als moderne Figur gelesen werden. Der Gelehrte wirkt wie ein Prototyp des Grenzen verachtenden Selbstoptimierers, der keine wirkliche Zufriedenheit mit dem Erreichten findet. «Die permanente Steigerung ersetzt die Fähigkeit zur Bindung», meint Rasche. Im Münchner Residenztheater feiert das Stück am 6. November Premiere.

© dpa-infocom, dpa:260725-930-438301/1