Zum Hauptinhalt springen

Bande soll Senioren um mehr als 500.000 Euro betrogen haben

Eine Bande soll unter einem Vorwand vorwiegend ältere Menschen um Geld, Schmuck und Münzen gebracht haben. Nun gibt es eine Anklage gegen vier Verdächtige - doch die Ermittlungen laufen weiter.

ANTENNE BAYERN ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG ANTENNE BAYERN Logo
Schockanrufe bei Senioren Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Schweinfurt (dpa) - Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat vier mutmaßliche Mitglieder einer Bande falscher Polizisten angeklagt, die in Deutschland Senioren um mehr als eine halbe Million Euro gebracht haben sollen. Von einem im Ausland ansässigen Callcenter sollen die Opfer angerufen worden sein mit der Behauptung, ihre Wertgegenstände seien Gefahr. Daher sollten sie diese zur Sicherung der angeblichen Polizei übergeben - und das taten sie demnach auch.

Die vier Verdächtigen - eine Frau und drei Männer aus dem Raum Bielefeld - sind nach Darstellung der Ermittler mutmaßliche Mitglieder einer größeren Bande und sollen in den angeklagten Fällen in Bayern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an den Taten beteiligt gewesen sein. 

Hauptverdächtiger in U-Haft

Die 20 bis 26 Jahre alten Beschuldigten konnten im vergangenen Herbst festgenommen werden. Der Hauptverdächtige befindet sich nach Angaben der Anklagebehörde in Untersuchungshaft und hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die mutmaßlichen Mittäter kamen unter Auflagen frei und haben teilweise gestanden. Sie wollen aus Geldnot gehandelt haben.

Die Anklage wirft ihnen unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Amtsanmaßung und bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vor. Das Landgericht Schweinfurt muss nun entscheiden, ob es zum Prozess kommt. 

Laut Staatsanwaltschaft konnten bei den Ermittlungen 15 weitere Bandenmitglieder identifiziert werden, es soll aber noch weitere Verdächtige geben. 

Münzen und Schmuck erbeutet

Opfer wurde demnach ein Ehepaar aus Schweinfurt, das einem Abholer zwischen Mitte Mai und Ende August 2025 10 Goldmünzen im Wert von 15.000 Euro übergab. Eine Geschädigte aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein soll der Bande Bargeld, Schmuck und Goldmünzen im Gesamtwert von etwa 200.000 Euro gegeben haben.

Eine Frau aus München wurde um 115 Goldmünzen im Wert von rund 345.000 Euro erleichtert. Eine Seniorin aus Bayreuth übergab den Angaben zufolge Wertgegenstände in Höhe von 2.000 Euro und eine Geschädigte aus Enger in Nordrhein-Westfalen verlor Schmuck und Wertgegenstände in Höhe von 3.000 Euro. 

Drogen und Waffe entdeckt 

In der Wohnung des mutmaßlichen Haupttäters in Bielefeld fanden Ermittler rund 200 Gramm Kokain und eine halbautomatische Kurzwaffe. Bei einem Mitangeschuldigten wurden ein polizeilicher Anhaltestab, ein Blaulicht und eine LED-Tafel für die Sonnenblende mit eingespeichertem Text «Stop bitte folgen» entdeckt. 

Für den Verdächtigen gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

© dpa-infocom, dpa:260917-930-699686/1