Extremisten und Spione bedrohen auch Bayern
Der Anschlag in Berlin und der Drohnenfund in Leipzig haben gezeigt, wie hoch die Bedrohungslage in Deutschland ist. Ein Bereich erreicht aktuell ein «nie gekanntes Level». Wie ist die Lage in Bayern?
München (dpa/lby) - Die Bedrohungslage durch Extremisten und Spione in Bayern ist wie im übrigen Deutschland weiterhin hoch. «Auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnten zahlreiche Aktivitäten von inländischen Extremisten und ausländischen Akteuren festgestellt werden, die unsere Demokratie mit unterschiedlichsten Methoden und Zielsetzungen angreifen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
Zum Schutz der Demokratie und des jüdischen Lebens müsse den Angriffen «selbstbewusst und verantwortungsbewusst» entgegengetreten werden, betonte der CSU-Politiker bei der Vorstellung von Verfassungsschutzinformationen für das erste Halbjahr 2026 in München.
Hybride Bedrohung erreicht nie gekanntes Level
Im Bereich der Cybersicherheit, Desinformation und Spionage sieht Herrmann nach eigenen Worten eine besonders besorgniserregende Entwicklung: «Die hybride Bedrohung unserer Gesellschaft hat ein nie gekanntes Level erreicht.» Autoritäre Staaten würden zunehmend auch illegale geheimdienstliche Mittel einsetzen und diese gezielt gegen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die sogenannte kritische Infrastruktur richten.
«Wie weit Akteure hierbei bereit sind zu gehen, zeigt der jüngste Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle», so Herrmann. «Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne, die über einem bedeutenden Drehkreuz des Luft- und Frachtverkehrs kreist, stellt eine neue Gefahrenqualität dar, auch wenn jetzt noch nicht klar ist, wer hinter der Tat steckt.»
Hauptakteur im Bereich der hybriden Bedrohungen sei - so Herrmann weiter - nach wie vor Russland, das neben technischen Mitteln weiter auf sogenannte Wegwerf-Agenten setze. Darunter werden Personen verstanden, die etwa in sozialen Netzwerken angeworben werden, um gegen Geld Sabotageakte oder Spionage im Auftrag eines anderen Staates übernehmen - und die nach der Aktion im Grunde entbehrlich sind.
Aber auch China bleibe im Fokus der Verfassungsschützer. «Erst unlängst wurde in München ein Ehepaar festgenommen, das gezielt Kontakt zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgebaut haben soll, um wissenschaftliche illegitim Informationen über militärisch nutzbare Hochtechnologien zu erlangen», sagte Herrmann.
Islamistisch motivierter Terror unverändert hoch
Als Beispiel für die unverändert hohe Bedrohungslage durch den islamistisch motivierten Terrorismus nannte Herrmann den kürzlich erfolgten Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin mit einem Todesopfer und zahlreichen Schwerverletzten. Auf derartige Bedrohungen müsse der Rechtsstaat eine schnelle und wirksame Antwort geben. «Denn wenn das Vertrauen der Bevölkerung in das staatliche Sicherheitsversprechen schwindet, droht die Akzeptanz des Rechtsstaates zu erodieren», sagte er.
«Die Bedrohungslage durch radikalisierte Einzeltäter ist unverändert hoch», so Herrmann. Deren Opferauswahl sei oftmals rein zufällig, zum Teil aber auch Ausdruck der islamistischen Ideologie und ihrer Feindbilder. Immer häufiger würden sich gerade junge Menschen, die in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt seien, leicht von Islamisten vereinnahmen lassen, betonte er.
Bayern ermögliche daher seit einigen Jahren unter besonderen Voraussetzungen auch die Beobachtung von Minderjährigen. Dies sei wichtig, um «frühzeitig Gefahren für die Innere Sicherheit zu erkennen und den jungen Menschen die Chance zur Umkehr zu eröffnen».
Rechtsextremismus und AfD
«Rechtsextremisten versuchen immer unverhohlener, an die Schalthebel der Demokratie zu gelangen. Ihr perfides Ziel ist es, die Instrumente der Demokratie zu nutzen, um diese von innen schleichend auszuhöhlen und die Gesellschaft in unversöhnliche Blöcke zu spalten», sagte Herrmann.
Mit Blick auf die AfD verwies Herrmann auf die auch gerichtlich bestätigte Beobachtung der Gesamtpartei durch den Verfassungsschutz. Eine programmatische Neuausrichtung und insbesondere eine Abkehr von den gerichtlich bestätigten extremistischen Inhalten sei auch nach dem Landesparteitag am 20. Juni nicht zu erkennen.
Öffentlich bemühe sich die AfD Bayern zwar um ein gemäßigtes Auftreten und werbe in wertkonservativen christlich-konservativen Kreisen um mehr Akzeptanz. Eine ernsthafte Distanzierung gegenüber den extremistischen Kräften innerhalb der Gesamtpartei finde jedoch weiterhin nicht statt, so Herrmann.
Zunehmend geraten auch immer mehr Landtagsabgeordnete der AfD in den Fokus des Verfassungsschutzes. Wie in dieser Woche bekannt wurde, werden der stellvertretende Fraktionschef Benjamin Nolte, und die Parlamentarier René Dierkes und Franz Schmid beobachtet werden. Bei einem weiteren Abgeordneten werde die Beobachtung noch geprüft.
Linksextremismus
Auch aus der linksextremistischen Szene wird die Demokratie laut Herrmann herausgefordert. Der Kampf gegen Rechts und die AfD seien die bestimmenden Themen. «Aber auch die Gewaltandrohungen gegen Repräsentanten des Staates werden immer konkreter», sagte er. Die linksextremistische Aggression richte sich zudem immer öfter auch gegen die kritische Infrastruktur und bedrohe damit die gesamte Gesellschaft.